Benito Jerónimo Feijóo, Stich von Juan Bernabé Palomino

Leichtfüßig muss die Gänsefeder über das Hadernpapier gehuscht sein: Kiel um Kiel wird so verschlissen, der Vorrat liegt schon geschnitten auf dem Tablett. Tintenfässer sind nachzufüllen, Löschsand ist zu streuen. Die cuculla, die Kapuze mit dem Schulterkragen, ist zurückgeschlagen. Die schweren, fast knielang herabhängenden Tütenärmel des schwarzen Habits müssen immer wieder über die Handgelenke zurückgeschoben werden, weil sie beim Führen der Feder nach vorn rutschen: Der Mann auf dem Kupferstich schreibt druckreif mit der Hand. Nach links geht sein Blick auf einen geöffneten Band, schräg gestellt mit der Lesestütze. Zwischendurch die übliche Reinigung der Hände über der hingereichten Wasserschale, stets sind Tintenflecken, Sandkörner, Gefieder und der Staub der Folianten abzuwaschen. Dann fassen die weißen Finger der Rechten erneut die Feder, die Linke blättert die aufgeschlagene Manuskriptseite zurück. So geht es Tag um Tag, Jahr um Jahr.

Aber wie schafft der Mann dieses Pensum nur? Feijóo ist Benediktinermönch, Professor und Abt. Wie alle seine Ordensbrüder muss auch er täglich zur Messe, muss die acht Stundengebete verrichten, von der Vigil früh um zwei bis zur Komplet abends um acht, und beim Ton der Glocke muss stets alles liegen und stehen gelassen werden – auch Feijóo hat diesen Gehorsam gelobt. In den Intervallen dazwischen hingegen arbeitet er, der "freie Bürger", täglich in jenem Reich, das mit ihm auch Voltaire "die Republik der Wissenschaften" nennt.

Feijóo war der bedeutendste Denker der spanischen Aufklärung. Im Rückblick auf seinen Tod am 26. September vor 250 Jahren darf man sogar deklarieren: Er war Spaniens erster Feminist! Seine Gedanken über das weibliche Geschlecht sind so aktuell, dass ihnen ihr Alter nicht anzusehen ist. Dabei führte dieser Mönch ein unvorstellbar weltabgewandtes Leben, das in seiner äußeren Ereignislosigkeit geradezu eine Wucht ist.

Am 8. Oktober 1676 kommt er im elterlichen Stammsitz in Casdemiro auf die Welt, im galicischen Nordwestspanien, in einer Familie von unvordenklich altem Hidalgo-Adel mit dem Beinamen "y Montenegro". Benito ist der Erstgeborene, neun Geschwister werden folgen. Schon mit elf, zwölf Jahren lernt er Philosophie am königlichen Collegium St. Stephan im nahen Rivas an den Ufern des Sil. Noch keine 14 Jahre alt, kommt Benedikt 1688 ins nahe gelegene galicische Kloster des Heiligen Julianus von Samos. Mit dem Eintritt in den Benediktinerorden muss auch dieser kleine Ritter auf alle Erstgeborenenrechte verzichten und ewige Armut geloben. Später wird er nach Salamanca und nach León geschickt, in Samos zum Priester geweiht. Den Doktortitel erwirbt er im asturischen Oviedo.

Dort widmet er sich der Philosophie und der Theologie, über 30 Jahre lang als Professor am Katheder, bis er 1739, mit 63 Jahren, emeritiert. 25 Jahre hat er da noch zu leben, und diese 25 Jahre lang wird er dasselbe tun wie die Jahrzehnte zuvor: lesen und schreiben. "Lies!", sagt die Ordensregel der Benediktiner, nicht nur "Bete!" und "Arbeite!". Dem Ruf des Monarchen nach Madrid an den königlichen Hof folgt er ebenso wenig wie dem Ruf auf einen Bischofsstuhl in Amerika.

Stattdessen befolgt Feijóo die benediktinische Ordensregel der Sesshaftigkeit. Am Lebensabend taub und beinschwach, sodass man ihn im Rollstuhl zum Chorgebet fährt, verstirbt er kurz vor seinem 88. Geburtstag. Seine Augen schließt er in jenem Kloster St. Vinzenz in Oviedo, das er 55 Jahre lang bewohnt und zweimal als Abt geleitet hat. "Ein langweiliges Leben", so mokieren sich die Biografen, die nicht verstehen, dass sein Werk sein Leben war, dem er in Zelle und Bibliothek, mit Federkiel und Folianten ganz und gar diente.

Sein Lebensthema: "Die Richtigstellung der gemeinen Irrtümer"

Und dieses Werk war monumental: Es erschien in geschätzten 200 Ausgaben und unzähligen Auflagen. Auf eine halbe Million Einzelexemplare summierten die sich, nicht eingerechnet die zeitgenössischen Übersetzungen in alle großen Sprachen der Alten Welt, auch wenn die Übertragungen von Feijóo, diesem spanischen Lessing, ins Deutsche eher mager ausfallen. Sensationelle eine Million Leser soll er zu Lebzeiten erreicht haben. Feijóo war der erfolgreichste Autor seiner Nation im 18. Jahrhundert, ein Bestsellerautor, bevor es den Begriff gab.

Wieso? Was hat der Mann gedacht? Wie hat er geschrieben?

Feijóo pflügte durch das Wissen der Welt. In seinen Enzyklopädien von Diskursen und gelehrten Episteln wirft er das Licht der Aufklärung in das dunkle Reich der Dummheit, des Aberglaubens, des Irrtums. Es geht, wie der Freiherr von Knigge 1788 ein Vierteljahrhundert nach Feijóos Tod trefflich formuliert, gegen "die allgemeine Stimme des Pöbels aller Classen".