Ein Ebola-Patient mit Helfern in Monrovia © Reuters TV

Hoffentlich verändert diese Woche den Kampf gegen Ebola. Barack Obama hat angekündigt, Sanitätstruppen nach Westafrika zu schicken. Und der UN-Sicherheitsrat hat die Gesundheitskatastrophe zu seinem Thema gemacht. Immerhin, nach Monaten der folgenlosen Appelle wird die Seuche jetzt so verhandelt wie andere internationale Krisen. Endlich. Eine Epidemie ist zwar kein Krieg wie im Irak oder in Syrien, kein geopolitischer Konflikt wie in der Ukraine. Und doch ist der Ebolaausbruch in Westafrika eine Krise von vergleichbarer Größe und Gewalt.

Weil die Seuche eine ganze Region zu destabilisieren droht. Weil die Folgen einer weiteren Ausbreitung katastrophal wären. Weil höchstens ein Kraftakt der reichen Staaten des Nordens die Seuche noch aufhalten kann. So viel ist den Verantwortlichen jetzt klar, und das gibt etwas Grund zur Hoffnung. Endlich.

Hoffen wir, dass es noch fünf vor zwölf ist und nicht schon fünf nach, wie einige Fachleute befürchten. Hoffen wir, dass die zugesagten Helfer und die Ausrüstung der Anfang einer Materialschlacht gegen die Seuche sind. Die ist nämlich nötig: Alle Zahlen zu Erkrankten und Todesopfern sind mit Vorsicht zu genießen und Hochrechnungen für die Zukunft erst recht. Aber fest steht, dass zumindest in Liberia die Zahl der Fälle Woche um Woche stärker ansteigt als in der jeweiligen Vorwoche. "Exponentielles Wachstum", sagen die Epidemiologen, wenn eine Kurve immer steiler nach oben weist. Es ist gnadenlos: Immer mehr Kranke stecken immer mehr Gesunde an, die dann ihrerseits ... – Um diese verhängnisvolle Dynamik zu durchbrechen, ist massive Hilfe nötig. Das heißt, die Helferländer müssen bereit sein, so lange nachzulegen, bis sich ein Erfolg zeigt. Nur dann ist die Hoffnung dieser Woche gerechtfertigt.

Die Seuche wird Monate andauern und Zehntausende töten – bestenfalls

Weil die Welt so langsam reagiert hat, ist jetzt dreierlei Hilfe nötig – parallel.

Erstens akut: Alle Medikamente und Impfstoffe, die gerade eilig getestet werden, kommen für die Erkrankten zu spät. Ihre Überlebenschancen sind zwar in medizinischer Obhut etwas höher. Sie zu isolieren schützt aber vor allem die Gesunden. Das ist simple Seuchenbekämpfung. Aber die erfordert eben Feldlazarette und Personal, Material und Ausbildung – in einem solch gewaltigen Umfang, bis kein Erkrankter mehr abgewiesen werden muss. Ob das überhaupt machbar ist? Jedenfalls verfügen nur Armeen über die nötigen Mittel.

Zweitens vorbeugend: Auch andere Länder der Region müssen sich auf einen Ausbruch vorbereiten. Sie brauchen Know-how für Kontrollen an Grenzen und Flughäfen, Fachleute zur Ertüchtigung ihrer schwachen Gesundheitssysteme. Es ist ja nicht so, als gäbe es dort keine anderen Probleme. Nördlich an das stark betroffene Guinea grenzt das Bürgerkriegsland Mali, einer der ärmsten Staaten der Welt. In Nigeria, Afrikas größter Volkswirtschaft und und bevölkerungsreichstem Staat, trat die Seuche bislang nur punktuell auf. Was für ein Glück! Geriete Ebola in einer nigerianischen Metropole, etwa dem Knotenpunkt Lagos, außer Kontrolle, wie wollte man dann seine Ausbreitung über den Kontinent verhindern?

Drittens flankierend: Die Fieberkurve der Seuche zeigt nach oben. Falls in der Folge die Versorgung in einem Land kollabiert, wovor die UN inzwischen warnen, wie soll die Bevölkerung sich dann ernähren? Schon heute bittet die Präsidentin Liberias Bundeskanzlerin Merkel um eine Luftbrücke für Helfer und Material. Bald könnte auch eine für Lebensmittel nötig werden. Sie muss jetzt vorbereitet werden.

Für alle drei Aspekte gilt: Es muss nicht nur so viel getan werden, wie zugesagt wurde. Sondern so viel, wie sich als nötig erweist. Es wäre ein beispielloser Kraftakt in der Geschichte der Infektionskrankheiten.