Der Bund der Steuerzahler hat neulich ausgerechnet, wie viel ein Politiker kostet. 478. 447 Euro, so viel Geld verbraucht ein Bundestagsabgeordneter pro Jahr. Darin sind die monatliche Aufwandsentschädigung enthalten und verschiedene Pauschalen: Fahrtkostenpauschale, Mitarbeiterpauschale, Büropauschale. Würde man den Bund der Steuerzahler einmal auf Horst Seehofer ansetzen, käme noch eine weitere Pauschale dazu: die Populismuspauschale. Sie macht den bayerischen Ministerpräsidenten zum teuersten Politiker aller Zeiten.

Man sieht das beim Streit um die Maut. Weil die Bayern es ungerecht finden, dass sie überall zahlen müssen (Soli für den Osten, Länderfinanzausgleich für den Norden, Autobahnvignetten für Österreich), will Seehofer sie trösten – mit der Ausländer-Maut. Also streiten 631 Bundestagsabgeordnete, die im Jahr 478.447 Euro kosten, über einen Gesetzentwurf, mit dem Horst Seehofer seinem populus – den Bayern – einen Gefallen tun will. Dass die Maut am Ende mehr Geld verschlingen könnte, als sie einbringt? Ist dabei ganz egal.

Seehofer ist nicht nur stolz darauf, ein Populist zu sein ("Populismus ist kein Schimpfwort, sondern ein Kompliment"). Er ist auch ein erfolgreicher Populist – wenn man Erfolg daran bemisst, dass teure Wahlversprechen reale Politik werden.

Eine Milliarde Euro jährlich kostet das Betreuungsgeld. 70 Prozent der Bevölkerung, so ergaben unterschiedliche Umfragen, wollten es nicht, Seehofer drückte es trotzdem durch, für Bayern, wo viele Mütter zu Hause bei ihren Kindern bleiben.

Vier Milliarden Euro jährlich kostet die Pendlerpauschale. Seehofer beschenkt damit all jene Menschen, die zwischen ihrem Arbeitsplatz und ihrem Wohnort hin- und herfahren. Auch von denen gibt es in Bayern besonders viele.

Im Bundestagswahlkampf 2013 schließlich gelang Seehofer ein Coup, auf den der SPD-Gelegenheitspopulist Sigmar Gabriel bis heute neidisch ist: die Mütterrente. Sie ist Seehofers teuerstes Wahlgeschenk: Sechs Milliarden Euro verschlingt die Rente pro Jahr.

Seehofers Meisterstück aber ist die Senkung der Hotelsteuer. Die verlangt vom Staatshaushalt etwa eine Milliarde Euro im Jahr. Hotelsteuer, das riecht nach Klientelpolitik. Doch obwohl keiner so laut nach der Steuersenkung rief wie Horst Seehofer, hat sich im kollektiven Wählergedächtnis ein anderer Schuldiger festgebrannt: die FDP. Während die Liberalen als "Mövenpick-Partei" verspottet wurden und aus dem Bundestag flogen, freuen sich die Bayern jetzt auf die nächste Feriensaison. Nirgendwo nämlich gibt es so viele Hotels wie dort.

Ein guter Populist verteilt nicht nur Wahlgeschenke. Er versteht es auch, im richtigen Moment andere dafür verantwortlich zu machen.