Viele Filmarchitekten haben die Welt immer nur nachzuahmen versucht. Es kommt indes darauf an, sie zu verändern. Jedenfalls, wenn es nach jemandem wie Ken Adam geht. "Kein Design ist die Mühe wert, wenn man damit nur die Wirklichkeit wiederholen will", sagt er. Und hat eine eigene Welt erschaffen; gewiss, im Dienste von Kino-Storys, von Helden und Stars, von Regisseuren und Konzepten. Aber immer unverkennbar als Ken Adam. Ein Autoren-Designer, wenn man so will, der nun mit einer gewaltigen Retrospektive in Berlin geehrt wird.

Sir Kenneth Adam, als Klaus Hugo Adam 1921 in Berlin geboren, ist ein Kind des Dr. Caligari, von Vincent van Gogh und Adolf Hitler. Der Erste, diese dämonische Stummfilmfigur, drang in seine frühen Kinoträume und hinterließ dort eine Vorstellung vom Raum, der nach eigenen, inneren Gesetzen funktioniert und sich mehr einem Seelenzustand verdankt als der architektonischen Logik. Der Zweite schien dem bildnerisch begabten Kind als Vorbild für seine frühen Versuche mit Farbe und Form. Und der Dritte war dafür verantwortlich, dass der glücklichere Teil der Familie Adam 1934 nach Großbritannien emigrierte und andere Familienmitglieder in den deutschen Konzentrationslagern umgebracht wurden. Ken, wie sich Klaus Hugo nun nannte, flog als Pilot der Royal Air Force Einsätze im Krieg. Wobei er betont, er habe immer gegen die Nazis, nie gegen "die Deutschen" gekämpft. Nur dass der Unterschied oft schwer auszumachen ist.

Kann man sich vorstellen, dass jemand ein solches Leben, solche Erfahrungen nicht in Autobiografien, in Romanen oder Drehbüchern aufhebt, sondern in Bauten für das Kino? Ken Adam sollte mit seinen Raumerfindungen berühmt werden, mit den bizarren Kommandozentralen der Schurken aus den James-Bond-Filmen, mit den absurden "War Rooms" von Stanley Kubricks Dr. Strangelove oder dem viktorianisch wuchernden Haus der Addams Family. Diese Kino-Räume sind nicht dazu gedacht, dass sich die Darsteller in ihnen bewegen. Es verhält sich umgekehrt: Die Räume bewegen sich in den Darstellern. Die Architekturen zeigen nicht die Welt, sondern das, was die Figuren im Kopf haben. Und das ist immer beides zugleich: schrecklich und komisch. So schrecklich und komisch wie die berühmte Episode um den einstigen Präsidenten der USA, Ronald Reagan, der sich erkundigt haben soll, wo denn der in Kubricks Film präsentierte War Room tatsächlich liege, den er womöglich für die eigenen Lagebesprechungen nutzen wolle.

Ausstellung - James-Bond-Designer Ken Adam liebt es überlebensgroß

Angefangen mit seiner Arbeit für den britischen Film hat Ken Adam in den fünfziger Jahren. Zu Beginn musste er sich mit bescheideneren Mitteln begnügen und seine eigenen Ideen eher heimlich an den Produzenten vorbeischmuggeln. Vor allem die Begegnung von Technik und Wasser faszinierte ihn immer wieder. Die Segelschiffe von Captain Horatio Hornblower R.N. (1951), The Crimson Pirate (1951) oder The Master of Ballantrae (1953) oder die griechische Flotte in Helen of Troy (1956) zeichnen sich durch eine besondere Eigenschaft aus: Sie stellen nicht nur dar, sie funktionieren. Darin liegt das Geheimnis vieler der späteren Gadgets von Ken Adam in mehr oder weniger fantastischen Filmen. Sie sind so konstruiert, als wären sie nicht für das Kino, sondern für die Wirklichkeit gedacht. Während das "normale" Film-Design lauter Bauten, Objekte und Formen aus der Wirklichkeit auf die Leinwand saugt, um sie dort in konzentrierter oder parodierter Form zu nutzen, tendiert das Design von Adam dazu, nach Plätzen in der Wirklichkeit zu suchen.