Die Arbeitswelt ist schneller geworden - aber nicht wirklich effizienter.

Die Arbeitswelt beschleunige sich, heißt es. E-Mails prasseln in die Postfächer, Aufträge sind "asap" zu erledigen. Ein neuer Geschäftsführer wird nicht mehr an seinem Ergebnis nach fünf Jahren gemessen, sondern nach wenigen Monaten. Doch frei nach Scholochow gilt: Mit ihrer (scheinbaren) Schnelligkeit fangen die Firmen nur Flöhe, statt Großes zu vollbringen.

Denn trotz der schnellen Kommunikationsmittel, trotz des hohen Drucks gab es noch nie so viele Verzögerungen wie heute. Man denke nur an den Bau der Elbphilharmonie in Hamburg oder des neuen Hauptstadtflughafens in Berlin.

Aus dem Privatleben kennt man das. Man bricht zu Terminen später auf, weil man weiß: Es gibt ja das Handy, um eine Verspätung mitzuteilen. Die Schnelligkeit der Kommunikation zieht eine Langsamkeit des Handelns nach sich. Dieses Paradoxon existiert auch im Business: Die Menschen arbeiten durch die modernen Medien nicht effektiver – aber ihre Arbeit wird effektiver behindert. Zum Beispiel durch Internet-Recherchen, die oft nur geringe Erkenntnisse, aber große Zeitverluste nach sich ziehen; durch den täglichen E-Mail-Hagel, der Mitarbeiter regelmäßig aus der Arbeit reißt.

Wer den Zeitdruck erhöht, erreicht das Gegenteil. Werden Termine zu eng gesetzt, richten die Projektteams ihre Energie nicht auf die Arbeit, sondern darauf, sich ein Alibi für die absehbare Verspätung zu basteln.

Es ist wie beim Autofahren: 250 PS sind nur nützlich, wenn man sie steuern kann. Wer mit voller Geschwindigkeit in den Straßengraben rast, wäre mit der Pferdekutsche weiter gekommen. Vergrößert hat sich in den letzten Jahren bei der Arbeit nur die Hektik. Die Effektivität ist auf der Strecke geblieben.