Manche Dinge sind ohne einander nicht denkbar. Deswegen treten sie stets gemeinsam auf. So wie Tom und Jerry. Dick und Doof. Bonnie und Clyde. Mariacron und Kopfschmerzen.

Die Getränkewirtschaft hat eine Reihe ganz ähnlicher Paarungen in unseren Köpfen installiert. Sie funktionieren rein sprachlich, werden nicht mehr hinterfragt und verbinden banale Produkte auf diese Weise mit positiven Eigenschaften. Nur indem sie stets zusammen auftreten. Ein Bier ist selten solo, stattdessen wird meist ein "gepflegtes Glas Bier" zu sich genommen, wie Leser Bernhard S. bemerkte. Also kein frisches oder leckeres, nein, nur ein gepflegtes Bier. Ungepflegte Biere sind selbst auf Nachfrage nirgendwo zu bekommen, wenngleich mir bislang kein Wirt erklären konnte, worin denn nun die Gepflegtheit seines Bieres bestehe. Ein gepflegtes Glas hätte ich mir ja vorstellen können: Es wurde von sanften Händen ohne Druck mit dem Schwämmchen gereinigt, abgetupft und trocken geföhnt, bevor es sanft befüllt wurde. Aber die Gepflegtheit betrifft eindeutig den Inhalt, nicht das Glas.

Geht es hingegen um Wein, wird nie von einem gepflegten, sondern zwanghaft von einem "guten Glas Wein" gesprochen. Dass es schlechten Wein gar nicht geben kann, verrät schon das Etikett der Flasche, das den Inhalt zum "idealen Begleiter" von fast allem erklärt, was der Mensch so essen kann: Gemüse, Fisch, dem "saftigen Steak" oder dem "frischen Salat". Hauptsache, Sie trinken das Zeug.

Wer ein "gutes Glas Wein" oder ein "gepflegtes Glas Bier" genießt, tut das fast immer in einer urigen Gastwirtschaft, die zum Verweilen einlädt und die sich trotz Massenandrangs ihren ursprünglichen Charme bewahrt hat. Was man spät abends sogar glaubt.