Mark, ich glaube, dass Firmen wie Google oder Facebook gerade den Kapitalismus verändern. Sie werden mächtiger als Firmen außerhalb des Netzes, denn sie wissen immer mehr über unser Leben. Sie bilden Konsumentenprofile aus unseren Daten und verwandeln sie in Gewinne. "Überwachungsgüter" hat die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff das Produkt genannt, das so entsteht. In dem Wort steckt die Gefahr der nächsten Jahre.

Aber gerade weil die Gefahr so groß ist, ist die Antwort der deutschen Politik so falsch. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich dem Kampf gegen den Suchmaschinenkonzern Google verschrieben und droht ihn, in kleine Einheiten zu zerlegen. Und Justizminister Heiko Maas fordert Google dazu auf, den Algorithmus seiner Suchmaschine offenzulegen. Beide argumentieren, dass Google immer mehr einem Energiekonzern der alten Schule gleiche: zu fett, zu mächtig, zu unangreifbar.

Aber das stimmt so nicht. Monopole im Netz funktionieren nämlich bei näherer Betrachtung anders als in der Offline-Welt. Das beginnt im Fall von Google schon mit einer Rechnung: Der Konzern beherrscht zwar rund 70 Prozent des Suchmaschinenmarktes weltweit. Sein Geld verdient das Unternehmen aber mit Onlinewerbung, und hier liegt der Marktanteil am gesamten Werbemarkt bei weniger als zehn Prozent. Zunehmend baut Google auch Brillen und selbstfahrende Autos und versteht sich als Technologiekonzern. Auf diesem Feld ist Google aber keinesfalls dominant.

Entscheidender aber ist: Anders als bei monopolistischen Energie- und Telekommunikationskonzernen können die Kunden im Netz selbst entscheiden, welchen Anbieter sie wählen. Dass sie Google, Facebook und Twitter aufsuchen, hat einen einfachen Grund: Diese Firmen bieten im Moment die besten und subjektiv relevantesten Produkte. Bei Monopolen der alten Schule müssten Kunden zudem irgendwann Preiserhöhungen oder schlechtere Produkte fürchten. Google aber wird kostenlos bleiben und seine Suche eher verbessern.

Deshalb wäre eine Zerschlagung der falsche Weg. Der Staat würde das erfolgreichste Unternehmen bestrafen und schwächen. Und er würde dem Kunden vorschreiben, welcher Anbieter gut für ihn ist.

Monopole im Netz, das lehrt die Vergangenheit, verschwinden eben nicht dann, wenn die Politik es will. Meistens lösen sie sich selbst auf oder werden durch andere ersetzt. IBM etwa hatte in den siebziger Jahren ein Monopol auf Großrechner, bis der Softwarehersteller Microsoft auf den Plan trat. Anschließend fürchteten sich alle vor Microsofts Macht bei PC-Betriebssystemen, bis der Markt irrelevant wurde und neue mächtige Firmen auftauchten: Apple, Amazon, Facebook. Auch Googles Marktstellung wird nicht unangefochten bleiben.

Es stimmt schon: Sollte Google seine Macht missbrauchen, muss die Politik eingreifen. Doch statt einzelne Firmen zu bekämpfen, sollte sich die Politik endlich um den Datenschutz kümmern. Deutschland könnte zu einem Vorreiter einer internationalen Bewegung von Regulierern werden, die eine Antwort auf die Kernfrage unserer Zeit findet: Wer darf unsere Daten sammeln, und was darf er damit tun? Darum geht es – nicht um die vermeintlich gefährlichen Monopole von Facebook und Google. Dein Philip

Lesen Sie hier die Antwort von Mark Schieritz.