Unter Umweltschützern gilt die geplante Erweiterung der Elbfahrrinne gewöhnlich als Verbrechen an der Umwelt. Hier ist eine Gegenrechnung: Was bedeutet es für den Umweltschutz, wenn die Elbe nicht vertieft wird? Genauer gesagt: Was bedeutet es für das Klima?

Dies soll eine optimistische Betrachtung werden. Nehmen wir an, auch ohne Elbvertiefung wachse der Hamburger Hafen weiter, bloß nicht ganz so schnell. Sagen wir: nicht mehr um fünf Prozent im Jahr, sondern nur noch um die Hälfte.

Wer wird davon profitieren? Für die Hafenwirtschaft heißt der Hauptgegner Rotterdam. Seien wir – aus deutscher Sicht – noch einmal optimistisch: In unserer Rechnung teilen sich die Niederländer das zusätzliche Wachstum, das sie auf Kosten der Hamburger erzielen, mit Bremerhaven.

Aus Öko-Sicht haben Rotterdam wie Bremerhaven einen Nachteil: Container werden dort oft auf Lkw verladen. Seien wir ein drittes Mal optimistisch: Nehmen wir an, beide Häfen machen in dieser Hinsicht erhebliche Fortschritte.

Dies ist, das muss betont werden, eine Überschlagsrechnung. Es geht nicht um exakte Zahlen, sondern um die Größenordnung des Problems.

Also: Hamburg im Jahr 2025, ohne Elbvertiefung – was heißt das für das Klima?

  • Ein knappes Drittel aller Güter, die in Hamburg umgeschlagen werden, sind für die Stadt und ihr Umland bestimmt oder stammen von hier. Sie verlassen und erreichen den Hafen auf Lastwagen. Wenn der Anteil von Rotterdam und Bremerhaven an diesem Verkehr auch nur minimal wächst, hat das erhebliche Folgen. In unserem Rechenbeispiel ergibt sich ein Zuwachs von 360.000 Tonnen CO₂ im Jahr.
  • Österreich, Tschechien und Bayern verfügen über gute Schienenverbindungen nach Hamburg. Im Handel mit Rotterdam und Bremerhaven würden Lastwagen eine größere Rolle spielen. Dadurch entstehen zusätzliche 62.000 Tonnen CO₂ im Jahr.
  • Polen ist ein wichtiger Handelspartner Hamburgs, ein Teil des Transports erfolgt mit Lkw. Die Strecken von Bremerhaven und erst recht von Rotterdam sind erheblich weiter. Die Folge: zusätzliche 67.000 Tonnen CO₂ im Jahr.

Hätte es auch Vorteile, mehr Waren über Rotterdam und Bremerhaven zu verschicken? Durchaus:

  • Nordrhein-Westfalen liegt nicht nur näher an Rotterdam als an Hamburg, es ist von dort aus auch mit Binnenschiffen gut zu erreichen, während der Verkehr mit Hamburg überwiegend per Lkw abgewickelt wird. Das ergibt eine Einsparung von 30.000 Tonnen CO₂ im Jahr.
  • Ähnliche Effekte von geringerer Größe ergeben sich für Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland: Insgesamt minus 13.000 Tonnen CO₂ im Jahr.
  • Schließlich verlassen vier von zehn Containern Hamburg, wie sie gekommen sind, per Schiff. Erfolgt dieser Umschlag in weiter westlich gelegenen Seehäfen, entfällt die Fahrt die Elbe stromauf und stromab. Die Folge: 65.000 Tonnen CO₂ im Jahr werden eingespart.

Am Ende aber überwiegen die Nachteile. Betrachtet man den Lieferverkehr in sämtliche Bundesländer, und bezieht man zusätzlich zum Containerverkehr auch den Handel mit Stück- und Massengütern ein, ergibt sich selbst unter optimistischen Annahmen ein zusätzlicher Ausstoß von etwa einer halben Million Tonnen CO₂ im Jahr. Das entspricht, grob überschlagen, drei Milliarden zusätzlich gefahrener Kilometer im privaten Autoverkehr.