Die Datenlage zum Klimawandel war nie fundierter. Das Bild ist so düster, dass Klimaforscher mittlerweile von extremen Extremwetterereignissen sprechen. Doch alles Wissen führt zu keiner Verringerung des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Vor wenigen Jahren noch dominierte die Angst vor dem Klimakollaps die Schlagzeilen. Heute, obwohl die Gefahren konkret sind wie nie, hält es die Kanzlerin nicht mal für nötig, zum Klimagipfel der Vereinten Nationen zu reisen. Dabei war die Sitzung der Auftakt für das neue Klimaabkommen, das im Herbst 2015 in Paris beschlossen werden soll.

Die gute Nachricht: Noch kann der Kollaps verhindert werden. Doch dafür müssten sich die Nationen – vor allem auch Deutschland – zu einer schadstoffarmen Wirtschaft bekennen. Konkret geht es um einen Fahrplan zum phasing out, also zum schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Energien bis zur Mitte des Jahrhunderts. Dies muss mit konkreten Verpflichtungen zum Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohleverstromung und zu einem Umschichten von Subventionen für fossile Energien hin zur Förderung erneuerbarer Energien untermauert werden.

Die Zeit drängt: So drastisch wie im vergangenen Jahr stieg der weltweite Treibhausgasausstoß zuletzt 1984, allen Minderungszielen und neuen Windrädern zum Trotz. Zentraler Grund dafür ist die Doppelmoral der Politik. Einerseits führt das Wissen um den Klimawandel weltweit zur Förderung erneuerbarer Energiequellen. Rund 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs werden mittlerweile durch Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gedeckt. Zeitgleich findet jedoch weder ein Abbau klimaschädlicher Energien noch ihrer öffentlichen Finanzierung statt. So fließen nach Angaben des Internationalen Währungsfonds umgerechnet acht Prozent der nationalen Staatshaushalte als direkte und indirekte Subventionen in die Förderung fossiler Energien. Dabei sind diese für zwei Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Deutschland schien lange Beispiel für den Umstieg zu sein: Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde binnen kürzester Zeit ein Viertel unseres Strombedarfs klimafreundlich erzeugt. Unter Angela Merkels Kanzlerschaft wurde mit Verweis auf den Atomausstieg die Rolle der Kohle im Energiemix manifestiert. Doch ohne Kohleausstieg keine Energiewende. Wegen des kollabierten Emissionshandels und eines fehlenden Pfades zum Ausstieg aus der Kohle strauchelt der einstige Klimaprimus. So sind die Kohlenstoffdioxid-Emissionen hierzulande zuletzt wieder gestiegen. Einen besonderen Anteil daran trägt mit rund 40 Prozent der deutschen Emissionen die Kohleverstromung. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) musste zuletzt eingestehen, dass nach heutigem Stand das nationale Klimaziel um mindestens sieben Prozent verfehlt wird.

Ohne Kohleausstiegsplan wird diese Lücke nicht geschlossen. Ein solcher Plan wäre auch ein notwendiger deutscher Beitrag zum neuen Klimaabkommen. Andere Länder zeigen, wie es geht. Dänemark hat sich beispielsweise als erstes OECD-Land verpflichtet, seine Strom- und Wärmeversorgung bis 2030 ganz auf erneuerbare Energien umzustellen und bis 2050 vollständig frei von fossiler Energie zu sein. Um bis Paris noch weitere Länder dahin zu lenken, müssen Klimapolitiker und Öffentlichkeit weltweit den Druck erhöhen und die Frage des Ausstiegs aus Öl und Kohle auf die politische Agenda setzen.

Es ist absurd, über die Kosten der Energiewende zu klagen, wenn für jeden Dollar für erneuerbare Energien weltweit ganze sechs Dollar in die Subventionierung von fossilen Energien fließen. Die G 20 müssen ihr bereits beschlossenes Vorhaben in die Tat umsetzen und sich völkerrechtlich verbindlich zu einem Abbau der Subventionen für fossile Energien bis 2020 verpflichten; außerdem müssen sie die Kohlefinanzierung über die Entwicklungsbanken einstellen. Wer das Klima retten will, muss an die fossilen Energien und ihre Finanzierung ran. Ohne Wenn und Aber.