Hamburg? Ist das nicht die Stadt, in der Gegen die Wand spielt? So wird man reden, wenn die Tanzenden Türme lange eingemottet und die letzten Sexshops von der Reeperbahn verschwunden sind.

Es ist also überfällig, dass Fatih Akin den Douglas Sirk Preis des Hamburger Filmfestes bekommt. Schließlich hat der 41-Jährige die alte Hansestadt quasi im Alleingang auf die Leinwand gebracht. Seine Ideen, seine Drehbücher und Filme haben einfach mehr Elan und Dynamik als die der anderen.

Das mag daran liegen, dass er – geboren und aufgewachsen als türkisches Gastarbeiterkind in Altona – anders ins Kino gegangen ist als seine Mit-Filmstudenten; dass er sein Talent ebenso an Fassbinder und Tykwer wie an Stallone, Jackie Chan und Yilmaz Güney geschult hat. Von den späten Neunzigern an galt er vor allem als deutschtürkisches Wunderkind, aber dieses Image scheint überwunden.

Heute ist Akin die Personifizierung dessen, was man postmigrantisch nennt und was Thilo Sarrazin nie verstehen wird, weshalb er sich Soul Kitchen, Akins vorletzten Spielfilm, anschauen sollte: eine Komödie mit lauter migrationshintergründigen Protagonisten, in der der Migrationshintergrund einfach mal gar nicht Thema ist.

Dass sein neuer Film The Cut wohl nicht sein Meisterwerk ist, tut der Preiswürdigkeit keinen Abbruch. Man möchte die sanften Verrisse des Dramas über den Völkermord an den Armeniern eher als Ermunterung verstanden wissen: Hey, Fatih, dreh mal wieder in Hamburg!