"Luft und Licht" hieß das Konzept des brandneuen Universitätskrankenhauses in Hamburg-Eppendorf. Großzügige Häuser sollten den Patienten das Atmen erleichtern und ihre Genesung beschleunigen. Doch das wichtigste Detail war die Trennung der Abteilungen in alleinstehende, einstöckige Backsteinpavillons. Dadurch wurde die Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern auf dem Gelände verhindert, gleichsam "zerstreut". Pavillonkrankenhaus nannte sich diese revolutionäre und wirksame Seuchenprophylaxe Ende des 19. Jahrhunderts.

Heute sollen im Kampf gegen Ebola mit deutscher Hilfe drei Einrichtungen für Ebola-Patienten in Westafrika entstehen. Das Deutsche Rote Kreuz will ein Krankenhaus mit 200 Betten in Liberia aufbauen und ein Behandlungszentrum mit 100 Betten in Sierra Leone. Sollte ein Hospital gründlich geplant sein wie damals die Pavillonkrankenhäuser, oder ist nun schnelle Hilfe nötig, ohne sich allzu sehr um die Details zu sorgen?

Schon einmal hat sich bei einem Ebola-Ausbruch gezeigt, dass ein Krankenhaus, in dem unterschiedslos alle Patienten behandelt werden, die Epidemie noch anheizt. Im St. Mary’s Hospital Lacor im Norden Ugandas hatte vor 14 Jahren das Personal ahnungslos Ebola-Opfer neben anderen Patienten behandelt und damit die Zahl der Infizierten in die Höhe getrieben. Bald war das einstige Vorzeigehospital als Krankenhaus des Todes verschrien.

Manche Experten fürchten deshalb, dass zusätzliche Krankenhausbetten, Gesundheitspersonal und medizinisches Material allein nicht genügen. Die Hilfe dürfe sich nicht nur auf die Ebola-Infizierten konzentrieren, so ihre Argumentation, sondern müsse die Bedürfnisse anderer Menschen und "normaler" Patienten berücksichtigen. Denn angesichts der schlechten Krankenversorgung würden auch Schwangere, Patienten mit Knochenbrüchen oder Malaria die neuen Ebola-Hospitäler aufsuchen. Sie alle wären hoch ansteckungsgefährdet und würden den Erreger womöglich weitertragen. Auf diese Weise könne ein einzelnes, nicht gut geplantes Krankenhaus unter ungünstigen Umständen schädlicher sein als gar keines. Deshalb müsse man die Trennung zwischen infizierten und nicht infizierten Patienten von vornherein planen.

Aus solchen Überlegungen heraus wägen die Helfer jeden Schritt sorgsam ab. "Wir schicken jetzt Mitarbeiter in die Gebiete, um die Lage zu erkunden", sagt Susanne Pohl, Pressereferentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Sorge gilt nicht nur dem angemessenen Aufbau von medizinischen Strukturen, sondern auch dem sinnvollen Einsatz von Freiwilligen und Mitarbeitern. Zurzeit melden sich in Deutschland Tausende Mediziner und Soldaten für die Ebola-Hilfe. Allein das DRK zählte bis Montag dieser Woche 1250 Anfragen, wovon allerdings online nur 100 die Bewerbungsunterlagen ausfüllten und 25 als geeignet erachtet wurden. Ihr Einsatz wird jeweils acht Wochen dauern, nur vier davon sind wirklich Arbeit am Patienten. "Mehr hält man unter diesen Bedingungen nicht aus", sagt Pohl. Eine Woche dauert die Schulung, über drei Wochen müssen alle Freiwilligen, die dann in Deutschland mit vielen Menschen in Kontakt kommen, nach dem Einsatz in Quarantäne bleiben – die maximale Inkubationszeit für Ebola beträgt drei Wochen.

So kann es noch Wochen dauern, bis die erste Krankenstation ihren Betrieb aufnimmt und die deutsche Hilfe am Einsatzort greift. Gleichzeitig jedoch spitzt sich die Situation mit jedem Tag weiter zu. Anderen Hilfsorganisationen geht das alles zu langsam. Zurzeit werde viel zu viel über die Feinheiten der Versorgung in den betroffenen Gebieten nachgedacht, findet Maximilian Gertler, Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen.

Die Idee von separierten Krankenhauspavillons ist eine sinnvolle Seuchenvorsorge in ruhigen Zeiten. In Sierra Leone und Liberia jedoch ist die allgemeine Krankenversorgung zusammengebrochen. Dort geht es jetzt nicht mehr vordringlich darum, einzelne Menschenleben zu retten, sondern die Masse der Bevölkerung vor Ansteckung zu bewahren.

Natürlich sind in naher Zukunft auch Krankenhäuser für eine breitere Versorgung der Bevölkerung nützlich. Jetzt aber kommt es auf pragmatische und schnelle Lösungen an. Man könne sich auch mit zu viel Perfektionismus im Weg stehen, warnt Gertler. Notwendig seien im Moment vor allem Isolierstationen mit einer einfachen Versorgung der Patienten. Diese Maßnahme bringe zwar dem Einzelnen nur wenig Linderung, bremste aber die Verbreitung von Ebola. Die amerikanischen Centers of Disease Control haben jüngst errechnet, dass die Ausbreitung der Ebola-Epidemie gestoppt werden könne, wenn 70 Prozent der Infizierten isoliert würden. "Mir sind 200 Isolierbetten jetzt wichtiger", sagt Gertler, "als 200 geplante Krankenhausbetten in zwei Monaten."