Auf ihre Facebookseite hat Nabila das Foto ihres Liebsten gestellt, eines Teenagers von vielleicht 17 oder 18 Jahren, mit Bartflaum auf zarter Haut. Seine halblangen Locken hängen ihm ins Gesicht, er lächelt direkt in die Kamera, den Kopf verträumt an die Schulter eines Kameraden geschmiegt. Auf einem anderen Bild sitzt er auf einer staubigen Straße, neben ihm lehnt die Kalaschnikow. "Dein Zukünftiger?", schreibt eine Internetfreundin in einem Kommentar unter die Fotos. Nabila antwortet: "Jaaaaa" und "mashallah" – wie Gott will. Ihren Eintrag hat sie mit roten Herzchen verziert.

Nabilas Schwarm ist Dschihadist und kämpft irgendwo in Syrien oder im Irak. Sie selbst lebt noch in Deutschland, vermutlich in Berlin, wie ihre Fotos im Netz erahnen lassen. Während er kämpft, zeigt sie sich stets voll verschleiert und mit schwarzen Handschuhen, mal beim Sushi-Holen, mal im Linienbus mit ihren neuen Winterboots. Oder sie steht zu Hause in ihrem Jugendzimmer zwischen Blümchenbettwäsche und einer riesigen Fahne mit dem islamischen Glaubensbekenntnis an der Wand. Darunter schreibt sie: "Chillen. Und was macht ihr so?" Ein deutscher Teenager.

Neben Herzchen und Smileys hat sie auch den Nachruf auf einen Berliner IS-Kämpfer geteilt, einen "edlen" Märtyrer, der im Irak einen Selbstmordanschlag verübte. Der "Islamische Staat", das verbirgt sie nicht, ist ihre Utopie. Seit zwei Wochen ist ihr Facebookprofil gesperrt, wohl weil sie zu offensichtlich ihre Sympathie für die Terrororganisation bekundete, die in Deutschland seit Kurzem verboten ist. Mädchen wie sie tönen im Netz sehr laut, doch auf Interviewanfragen antworten sie mit Schweigen. Reden mögen sie nicht, aber ihr Umfeld spricht.

Eben noch wohnte sie in Konstanz, jetzt kämpft sie gegen den Westen

Bislang waren es vor allem junge Männer, die in den Dschihad zogen. Seitdem der IS Gebiete in Syrien und dem Irak unter seine Kontrolle gebracht und dort das "Kalifat" ausgerufen hat, den Traumstaat radikaler Islamisten, werden nun verstärkt auch Frauen angeworben. Man braucht sie, um dem Kalifat Kinder zu gebären, um den Männern den Haushalt zu führen, aber auch als Krankenschwestern und Lehrerinnen.

Aus Deutschland sind bis jetzt mehr als 450 Islamisten in Richtung Syrien ausgereist. Etwa 40 davon sind Frauen, sagt das Bundesamt für Verfassungsschutz. Weitere Ausreisen stehen bevor, davon sind die Sicherheitsbehörden überzeugt. Und es sind keineswegs nur gebürtige Muslime, die in den "Heiligen Krieg" ziehen. 14 Prozent der aus Deutschland Ausgereisten sind Konvertiten.

Was treibt Frauen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, nach Syrien zu reisen und einen "Gottesstaat" aufzubauen?

Eine der ersten Deutschen, die nach Syrien gegangen ist, um "Allah zu dienen", ist Sarah O. aus Konstanz. Sie war erst 15 und besuchte noch das Gymnasium, als sie im letzten Oktober heimlich nach Stuttgart fuhr, von dort ins türkische Gaziantep flog und über die syrische Grenze nach Aleppo gelangte. Ihre Eltern, der Vater gebürtiger Algerier, die Mutter Deutsche, hatten nichts davon geahnt. Um das Flugticket kaufen zu können, hatte sie die Unterschrift ihres Vaters gefälscht.

Ein Mann hatte per E-Mail um Sarah geworben und sie in den Dschihad nach Syrien gelockt. Stets sind die Sozialen Medien wie Facebook oder Tumblr die Hauptkommunikationswege junger IS-Kämpfer und ihrer weiblichen Fans. Und es ist dieser Internetkontakt, der die Vorbereitung der Ausreise so leicht macht. Im Netz fühlen sich die Jugendlichen rasch als Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft, einer globalen Bewegung, die dem "verlogenen Westen" die Stirn bietet.