Das Café Bravo in den Kunst-Werken in Berlin-Mitte. Eine Überraschung ist, dass er allein kommt, irgendwie hatte man gedacht, dass es ihn nur zusammen mit seinem Partner Klaas Heufer-Umlauf gibt: Joko Winterscheidt, 35, gebürtig aus Schwalmtal bei Mönchengladbach. 

Als Duo Joko und Klaas liefern sie den amtlichen, tendenziell sadomasochistischen Unsinn, der heutzutage bei den jungen Leuten gut ankommt (das Brandenburger Tor ablecken, sich lebendig begraben, mit Stromschlägen bestrafen, den Mund zunähen lassen): Wenn Leute unter zwanzig überhaupt noch Fernsehen gucken, dann wegen Joko und Klaas und ihrer Sendungen Circus HalliGalli und Duell um die Welt. Er sieht aus wie im Fernsehen (Hornbrille, Nike-Air-Max). Rühreier. Die Frage ist, ob man während des halbstündigen Frühstücks nur Unsinn redet (was in Ordnung wäre) oder ob doch ein ernster Satz fällt. Hinterhältige Frage: Versteht er die jungen Menschen?

Dieser Joko Winterscheidt führt jetzt vor, wie man schnell reden und dabei fast nichts sagen kann, außer das Naheliegende (Die jungen Leute haben heute das Internet, früher gab es das noch nicht, das Internet). Was haben die Wörter "Swag" und "Swagger" zu bedeuten, die bei jungen Menschen derzeit inflationär im Gebrauch sind? Das ironische, von tausend Fallen und Finten durchsetzte Sprechen exerziert er mit seinem Partner Klaas in jeder Sendung, deshalb zögert Joko, ob er sich auf die Junge-Leute-Versteher-Fragen einlassen soll. Einer, der Swag hat, so Joko Winterscheidt, ist einer, der gut drauf ist, so einfach.

Ganz andere Sache: Sein linker Daumen ist mit hellblauem Pflasterstreifen umwickelt. Was ist da passiert? Unangenehme Geschichte, erklärt Joko, das sei die iPhone-Krankheit. Der Daumen sei schlicht nicht für die iPhone-typische Wischbewegung gemacht, jetzt müsse der Daumen mal ein paar Wochen stillhalten. Gelächter. Es ist ein gutes, selbstironisches Gelächter. Er weiß ja selbst, dass er da die Kurzdiagnose seiner Generation geliefert hat: Wir saunetten, supersympathischen Typen aus dem Fernsehen haben keine großen Probleme, wir leiden an der iPhone-Krankheit.

Wir wollen diesen einen, nicht sofort verständlichen, den abgründigen Satz von ihm hören. Ist alles, alles lustig? Sein den Frager prüfender Blick: "Ja. Schon. Fast. Ich würde aber gerne noch mehr lachen." Gehört er zur Generation Ablachen? Er lässt die krawallig-laute Lache aus dem Fernsehen hören. Was ist die politische Aussage von Nike-Turnschuhen? Anders gefragt: Klimaschutz, Asylrecht, Salafisten in Deutschland – berührt ihn irgendein politisches Thema? Es seien schon krasse Zeiten: Syrien, Ukraine, der Terrorkrieg des IS. Das Gesicht der Generation Ablachen bemüht sich um einen ernsten Ausdruck: Sein Vater habe noch eine Kriegskindheit erlebt. Er selber habe nicht für möglich gehalten, dass er sich je um so etwas wie Krieg Gedanken machen müsse. Und nun sei das alles plötzlich nah.

Wir sprechen über seinen Partner Klaas ("Er nervt brutal"), den gerade verstorbenen Blacky Fuchsberger ("letzter Grandseigneur im deutschen Fernsehen"), den Show-Titanen Gottschalk ("Er ist im besten Sinne drüber"). Der Spaßmacher Joko Winterscheidt beschreibt sich als Wertkonservativen, die Familie sei ihm der höchste Wert. 

Kinderfrage: Ist er manchmal auch einfach traurig? Pause. Dann noch eine Pause. "Ich bin zum Beispiel ohne Mutter aufgewachsen, sie ist gestorben, als ich sechs war. Manchmal frage ich mich, wie das wäre, wenn da jemand sagt: Junge, ich bin stolz auf dich." Er haut noch ein paar Gags raus. Und steigt in ein teuer, gleichzeitig dezent aussehendes schwarzes Auto.