Seine rechtschaffenen Eltern dachten an eine Karriere in der Lederbranche, er aber schmiss die Lehre hin, erstritt sich Gymnasium und Abitur, nahm ein Studium auf und brach es vor der Promotion ab. Die Bühne wurde seine neue Welt. Erstaunlich schnell stieg er zum Dramaturgen eines renommierten Theaters auf und ersann eine Flut von Projekten: Theaterstücke, Anthologien, Dokumentationen und ambitionierte Gesamtkunstwerke. Überhaupt absolvierte der rastlose Geist im Lauf seines Lebens einen Parcours durch alle literarischen Gattungen und Weltanschauungen seiner Zeit. Zu Beginn war er Nietzscheaner, dann rasch ernüchterter Militarist, Anarchist, Marxist, Republikaner und Demokrat, schließlich gnostischer Mystiker.

Vorerst aber kommentierte er euphemistisch Kriegsbilder fürs liebe Geld und packte seine Ideen in ein literarisches Manifest, denn er wollte "aufreizen, bluffen, triezen, zu Tode kitzeln", vor allem aber "immer gegen sein". Seine große Zeit kam allerdings erst im Exil: Seine Künstlerkneipe wurde zum Schauplatz eruptiver, lärmender und verstörender Auftritte; im kreativen Chaos zelebrierte er in phantastischer Kostümierung reinen Klang und Rhythmus. Nach wenigen Monaten floh er mit seiner Lebensgefährtin in den Süden. Dort schloss er einen konventionell erzählten Roman ab. Nur kurz kehrte er mit einem neuen Projekt in die Stadt seiner Spektakel zurück. Dann begann für ihn und seine kongeniale Frau eine bittere Zeit der Reisen und Auftritte auf der Jagd nach Arbeit, Geld und preiswerten Unterkünften. Seine prekären Lebensumstände beruhigten sich dank der Unterstützung eines neuen Freundes: Er fand einen Gönner für ihn, der eine Bleibe in seiner Nähe finanzierte.

In einer neuerlichen intellektuellen Wendung vertiefte er sich in die Geschichte des frühen Christentums. Dort sah er die Wurzeln einer "neuen Internationale der religiösen Intelligenz", nur sie könne die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen betreiben, denn sie allein habe Autorität, weil sie keine Macht besitze. Nach seinem Tod rief ihm sein Freund nach: "Beinahe alle haben ihn geliebt, manche ihn glühend bewundert und verehrt, einige ihn gefürchtet." Doch ist sein Werk heute fast vergessen. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 40:

Jürgen Klinsmann (geb. 1964), aufgewachsen in Stuttgart-Botnang und Bäckergeselle. 1987 bis 1998 spielte er in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wurde 1990 Weltmeister. Als Fußballtrainer erreichte er bei der WM 2006 den 3. Platz. Seit 2011 trainiert er in seiner Wahlheimat USA die US-Nationalmannschaft