Die Zeit des Tschakka ist vorbei, des festen Auf-die-Brust-Getrommels, des Wenn-du-nur-willst-dann-kannst-du-auch. Die Gurus mit Motivations-Phrasen haben ausgedient. Positiv denken hilft nicht mehr, zumindest nicht mehr ganz allein. Das Berufsleben ist härter geworden, man sieht es an den Ratgebertiteln, die in diesem Herbst die Läden füllen. Zwar werden noch immer Erfolge versprochen, doch sie entstehen aus Niederlagen.

Kein Wunder. Das Tempo der Veränderung, das in Büros und Laboren herrscht, ist höher geworden. Unternehmen wissen: Wer nicht rechtzeitig auf Trends reagiert, droht den Anschluss in die Zukunft zu verpassen. Sie reagieren mit Umstrukturierung, im schlimmsten Fall mit Kürzungen. Für den Einzelnen bedeutet das Unsicherheit – oder die Chance auf einen Neuanfang.

Dass aus negativen Erfahrungen die größten Kräfte erwachsen können, illustriert der Psychologe Rolf Schmiel an Promis wie Markus Lanz und Kim Dot Com. Sie hätten sich – wie viele andere – aus kleinen Verhältnissen emporgearbeitet; die Entbehrungen ihrer Jugendjahre seien zu ihrem Antrieb geworden.

Senkrechtstarter heißt sein Buch, Untertitel: Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen (Campus Verlag). Unter diesem Anspruch bleibt er auch nicht: Seine Anregungen richten sich an jene, die wirklich nach ganz oben wollen. Entsprechend hoch ist der Einsatz, den Schmiel von seinen Lesern fordert. Sein Rezept: positive Psychologie – und vor allem harte Arbeit.

Wer als "Senkrechtstarter" wahrgenommen werde, habe meist schon viele Jahre unbeirrten Ranklotzens hinter sich. Denn meist sei nicht die erste Idee, sondern eine von zehn die zündende. Damit geht einher, sich nach Misserfolgen immer wieder aufzurappeln. Frei nach der Ameisenphilosophie, die der Motivationstrainer Jim Rohn geprägt hat: Wenn ein Hindernis vor einem liege, müsse man eben darüberklettern.

Viel Freizeit bleibt da nicht mehr. Von Work-Life-Balance hält Schmiel auch wenig, für ihn ist sie "der garantierte Weg in die Mittelmäßigkeit". Stattdessen rät er zu "Work-Life-Tides": In unterschiedlichen Lebensphasen soll man unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Wo der Schwerpunkt beim Senkrechtstarten liegt, versteht sich dabei von selbst. Leider passt das nicht ganz mit anderen Ratschlägen zusammen. Etwa mit der Empfehlung die eigene "Krisenkompetenz" zu verbessern, indem man sein Herz nicht nur an eine Sache, also an die Arbeit hängt. Denn wenn im Rest des Lebens Ebbe herrscht, fehlt der emotionale Ausgleich. Der aber verleiht Schmiel zufolge die nötige Frustrationstoleranz. Ähnlich paradox argumentiert er, was die erforderliche Menge an Schlaf angeht: "Wer weiterkommen will, muss früh aufstehen." Genügend Nachtruhe brauche er trotzdem.

Obwohl Schmiel im Plauderton schreibt, Anekdoten einstreut, die gut zum Small Talk auf der After-Work-Party passen, ist sein Buch psychologisch fundiert: Schmiel ist vom Fach, und das zeigt er auch, indem er einschlägige Studien zitiert. Manches davon hat man schon gelesen, unter anderem bei Malcolm Gladwell, auf dessen Bestseller Überflieger die These vom vielen Üben zurückgeht. Gleichzeitig besticht Schmiel nicht nur durch eine realistische Sicht auf die Arbeitswelt, sondern auch durch die Menge an Fakten.

Die fehlen leider bei Ilja Grzeskowitz, Vortragsredner und gelerntem Diplomkaufmann. Seine Tipps kommen aus dem Bauch, dafür im Brustton der Überzeugung. Der Unsitte folgend, dass Ratgeber mindestens eine Strategie oder Philosophie haben müssen, oft benannt nach diversen Kreaturen der Schöpfung, präsentiert er Die Veränderungsformel. Aus Problemen Chancen machen (Gabal Verlag). Einen nicht unerheblichen Teil des Buches verbringt er damit, den Leser aus einer möglichen Opferhaltung herauszubugsieren und in die Verantwortung zu nehmen. Motto: Jammerst du noch, oder machst du schon? Schließlich sei Veränderung zuallererst "eine innere Haltung".

Für die empfiehlt Grzeskowitz seine vier Ws: Wählen, Wollen, Wagen, Wiederholen. Wählen heißt, das anzunehmen, was man hat, und sich damit zufriedenzugeben. Oder eben, sich dagegen zu entscheiden. Hauptsache, man verharrt nicht im bequemen Zustand des Dauernörgelns. Wollen ist die Einstellung, die Konsequenzen der Entscheidung zu tragen, auch wenn sie – Achtung, Wiederholung! – natürlich harte Arbeit bedeuten. Mut braucht man, weil Veränderung oft auch bedeutet, etwas auszuprobieren. Durch Wiederholen festigt man schließlich die neu erworbenen Fähigkeiten.

Leider nerven beim Lesen die vielen Kalenderweisheiten wie zum Beispiel die Batman-Lektion ("Wir fallen, um wieder aufstehen zu lernen"). Auch dass einem anhand der Person des Autors immer wieder vor Augen geführt wird, was Erfolg bedeutet (Golf spielen! Und Hummer essen!), mutet zwanghaft an.

Bei all der Menge an Motivation möchte man fast "Tschakka!" schreien. Wenn man nicht schon verinnerlicht hätte: Ganz so leicht ist es dann doch nicht.