Oliver North legt am 7. Juli 1987 im Prozess zur Iran-Contra-Affäre seinen Eid ab. © Chris Wilkins/AFP/Getty Images

Am 25. Mai 1986 landen der ehemalige US-Sicherheitsberater Robert McFarlane, Oberst Oliver North und drei weitere Amerikaner in Teheran. Die Männer reisen unter falschem Namen mit irischen Pässen. Im Gepäck haben sie eine Palette amerikanischer Flugabwehrraketen. Sie wollen in Teheran über die Freilassung von im Libanon entführten US-Bürgern verhandeln. Im Gegenzug bieten sie weitere Waffen – ein Vorgang, der heute so verblüffend ist wie damals.

Die iranische Revolution liegt 1986 gerade einmal sieben Jahre zurück. 1979 ist das von den Amerikanern gestützte Schah-Regime gestürzt worden; im November des Jahres stürmten radikale iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran und nahmen Dutzende Diplomaten als Geiseln. Der Iran und die USA brachen daraufhin ihre diplomatischen Beziehungen zueinander ab. Bei den Freitagsgebeten werden die USA fortan regelmäßig als "Großer Satan" beschimpft. Umgekehrt wirft die US-Regierung dem Iran wegen seiner Verbindungen zur libanesischen Hisbollah vor, den Terrorismus zu unterstützen. Amerikanische Rüstungslieferungen verbietet Washington aufs Strengste. Auch ihren Verbündeten drohen die USA mit Sanktionen, sollten sie dem Iran die im Krieg gegen den Irak dringend benötigten Waffen verkaufen.

Trotz aller öffentlich bekundeten Feindschaft aber denken Mitte der achtziger Jahre beide Seiten insgeheim über einen Politikwechsel nach. In Teheran hat die Führung um Ajatollah Ruhollah Chomeini einsehen müssen, dass ihre Versuche, die Revolution zu exportieren, von den arabischen Nachbarn als Bedrohung empfunden werden. Der Iran hat sich selbst ins Abseits manövriert: Während der Irak, mit dem er sich seit 1980 im Krieg befindet, reichlich Unterstützung erfährt, ist kaum noch jemand bereit, Waffen und Ersatzteile an das Ajatollah-Regime zu liefern.

Im Sommer 1985 beauftragt Chomeini daher den einflussreichen Parlamentspräsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, einen Pragmatiker und gewieften Taktiker, eine Lösung für die Geiselkrise im Libanon zu finden, die zum Haupthindernis für eine Annäherung an den Westen geworden ist – seit 1984 sind im Libanon immer wieder Amerikaner von der radikalen Schiitenmiliz Hisbollah entführt worden; im Juni 1985 hat sie insgesamt sieben US-Bürger in ihrer Gewalt. Parallel dazu nimmt der iranische Waffenhändler Manucher Ghorbanifar Kontakt mit Israel und den USA auf und bietet sich als Vermittler an. Sein Vorschlag: Um ins Gespräch mit der "moderaten" Fraktion im Iran zu kommen, solle Israel US-Waffen an Teheran liefern. Sobald dadurch eine Vertrauensbasis hergestellt sei, könne man über eine grundlegende Neuausrichtung der Politik diskutieren. So beginnt, was sich später unter den Namen Iran-Contra-Affäre und "Irangate" zu einem Skandal auswächst, der die gesamte US-Regierung erschüttern und auch im Iran zu tiefen Zerwürfnissen führen wird.

Ghorbanifar ist eine dubiose Gestalt. Dennoch gelingt es ihm, in der israelischen und der amerikanischen Regierung Unterstützer zu gewinnen. Im August 1985 schickt Israel mit Billigung des US-Präsidenten Ronald Reagan Panzerabwehrraketen in den Iran. Weitere Lieferungen folgen.

Was als vertrauensbildende Maßnahme dienen sollte, wird bald mit der Frage nach den Entführungsopfern im Libanon verknüpft. Der Plan ist nun, dass der Iran im Gegenzug für die Waffen bei Hisbollah die Freilassung der Geiseln erwirkt. Um die Einzelheiten zu klären, schlägt Ghorbanifar im Frühjahr 1986 ein persönliches Treffen vor. Die Amerikaner willigen ein. So reist Ende Mai die Delegation unter Führung McFarlanes nach Teheran.

An den Geheimverhandlungen ist auch der heutige Präsident Hassan Ruhani beteiligt

Die Amerikaner werden ins Hotel Esteghlal gebracht. Sie erwarten, direkt mit der iranischen Führung verhandeln zu können; Ghorbanifar hat ihnen weisgemacht, dass Rafsandschani, Präsident Ali Chamenei oder Premier Mir Hussein Mussawi sie empfangen würden. Nach einiger Verzögerung treffen allerdings nur drei niederrangige Politiker im Hotel ein – darunter der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Hassan Ruhani, heute Präsident des Irans.

Die Amerikaner beschreiben den 37-jährigen Ruhani später als umgänglichen, klarsichtigen Gesprächspartner, der die Interessen seines Landes deutlich benennt, jedoch zu Kompromissen bereit ist. Schnell allerdings zeigt sich, dass Ghorbanifar zu hohe Erwartungen geschürt hat: Er hat bei Ruhani und den anderen Iranern den Eindruck erweckt, dass die Amerikaner zu umfassenden Waffenlieferungen bereit seien. Doch die wollen zuerst die entführten US-Bürger frei sehen. Als die Iraner daraufhin Hisbollah kontaktieren, stellt diese Forderungen, auf die McFarlane unmöglich eingehen kann. Den Amerikanern wird klar, dass Teheran keinen direkten Einfluss auf das Geiseldrama hat. Die Stimmung sinkt weiter, als die Sprache auf den Preis der Waffen kommt, der den Iranern viel zu hoch erscheint.