Im Zentrum steht der Pokal, er thront auf einem schwarz glänzenden Kaminsims. Verschnörkelte Blumen aus Silber übersäen ihn, vorne überkreuzen sich zwei Hockeyschläger, und unten, am Sockel, glänzen Plaketten mit den Namen vergangener Meistermannschaften. Cito Aufenacker steht vor dem Pokal, er streichelt den Henkel, er sagt: "Das ist das Ding, um das es geht, Deutscher Meister der Herren, das ist die absolute Krönung."

Wenn Cito Aufenacker vom Pokal spricht, sagt er immer nur "das Ding". Solange "das Ding" hier, im Trophäenzimmer des Harvestehuder Tennis und Hockey Clubs (HTHC), steht, ist Cito Aufenackers Sportlerwelt in Ordnung.

Aufenacker trägt Clubmode, einen grauen Pullover mit V-Ausschnitt, der Rand in Schwarz-Gelb abgesetzt, den Farben des Vereins. Er ist Präsident des HTHC, des erfolgreichsten Hamburger Hockeyclubs, des erfolgreichsten deutschen Hockeyclubs, des erfolgreichsten europäischen Hockeyclubs. Der HTHC hat in diesem Jahr alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er ist, wenn man so will, der FC Bayern München des Hockeys. Cito Aufenacker macht das so stolz, dass er die Titel in seiner E-Mail-Signatur trägt:

Triple 2014:

  • Euro Indoor Champion 2014
  • Euro Hockey League Champion 2014
  • Deutscher Feldmeister 2014

Aufenacker könnte ein glücklicher Mann sein. Der Verein, den er 2009 in schlechten Zeiten übernahm, ist an der Spitze angekommen. Er könnte ein glücklicher Mann sein – wäre da nicht die Sache mit dem Geld. Und dem Image.

Ein Verein, so erfolgreich, der muss doch für Sponsoren und Zuschauer attraktiv sein, dachte sich Aufenacker im Frühjahr, nach den ganzen Titelfeiern. Er suchte Hamburger Firmen, die zum Hockey passen, 200 insgesamt. Banken, Versicherungen, Drogeriemärkte. Er rief bei den Unternehmen an, vereinbarte Termine. Er sprach mit den Entscheidern. Alle fanden es toll, so viele Titel, Wahnsinn. Aber niemand wollte Geld geben.

Niemand will sein Geld für einen Nischensport ausgeben.

Das tat weh. Wie kann es sein, fragte sich Cito Aufenacker, dass ein Verein, der alles richtig macht, von der breiten Öffentlichkeit der Stadt nicht für seine Erfolge gefeiert wird? Mehr noch: dass er nicht gesehen wird? Und das, obwohl die Voraussetzungen doch nicht besser sein könnten: Nirgendwo in Deutschland ist Hockey so groß wie in Hamburg. 10 000 Mitglieder hat der Hamburger Hockey-Verband, er ist der zweitgrößte Verband des Landes. In einer Stadt, in der die Sportvereine chronisch die Erwartungen enttäuschen und an den Enden ihrer Tabellen kleben, ist Hockey die Ausnahme. Allein in der ersten Liga der Männer spielen drei Hamburger Clubs. Einer von ihnen, der Uhlenhorster Hockey-Club, ist der älteste Verein Deutschlands, 1901 gegründet. Und der HTHC hat so viele Mitglieder, dass er keine neuen mehr aufnehmen kann. "Wir haben keine Luft nach oben", sagt Aufenacker.

Aber kaum einer klatscht. Kaum einer zahlt.

Das ist die paradoxe Situation des Hamburger Hockeys. Auf dem Gipfel seines Erfolgs gerät der Sport in eine Identitätskrise: Wollen die Hockeyspieler, die sich selbst gerne die "Hockeyfamilie" nennen, mit ihrem elitären Ruf weiterleben, oder wollen sie aus ihrer Nische raus, mehr Zuschauer begeistern, mehr Sponsoren finden?