Im Dunkeln lesen verdirbt die Augen - mit dieser Weisheit wollen Eltern seit Generationen ihre Kinder vom Lesen unter der Bettdecke abhalten.

1 Die Hände sollte man nach dem Toilettengang nicht nur waschen, sondern desinfizieren ...

Die Hände mit normaler Seife zu waschen reicht völlig aus. Wer sie desinfiziert, tötet nicht nur gefährliche Keime ab, sondern auch die vielen nützlichen Bakterien, die der Haut helfen, die schädlichen in ihrer Anzahl zu reduzieren. Zusätzlich trocknen Desinfektionsmittel die Haut aus. Also: Finger weg.

2... denn: Der keimbelastetste Ort ist die Toilette

Natürlich soll dieser Text nicht dazu animieren, das Abendbrot von der Klobrille zu essen, aber: Man könnte es. Zumindest, wenn es um die durchschnittliche Klobrille geht. Deren Keimbelastung ist nämlich meist deutlich geringer als die in der Küchenspüle. Oder die auf einer Computertastatur. Diese wird von einer vierhundertfachen Anzahl von Mikroben besiedelt gegenüber einem normalen Toilettensitz. Man kann sich also ganz beruhigt auch auf fremde Klobrillen setzen.

3 Man muss mindestens drei Liter Wasser am Tag trinken

Wasser ist das wichtigste Nahrungsmittel von allen. Schließlich verdurstet man viel schneller, als man verhungert. Aber machen wir es an dieser Stelle kurz und räumen auf mit der Mär von den vielen Pflicht-Litern. Der Körper weiß selbst, wie viel Flüssigkeit er benötigt, und meldet sich bei Bedarf – das nennt sich dann Durst. Mehr braucht er nicht. Ausnahmen gibt es bei alten Menschen, deren Durstgefühl manchmal nicht mehr richtig anspringt. Sie sollten ab und an dazu animiert werden, etwas mehr zu trinken.

4 Testosteron macht (Männer) aggressiv

Dieses Klischee ist tief in uns verankert, nicht nur in Deutschland. Im Englischen gibt es etwa den Begriff des testosterone poisoning. Er bezeichnet ein aggressiv-dissoziales männliches Verhalten – "typisch testosterongesteuert" halt. Doch die Wissenschaft weiß noch nicht allzu viel darüber, wie das Sexualhormon das Verhalten beeinflusst. Sicher ist aber: Im Blut von Männern liegt es in zehnfach höherer Konzentration vor als in dem von Frauen. Und neuere Studien deuten sogar darauf hin, dass das Testosteron Männer fairer sein und weniger lügen lässt – also ganz das Gegenteil vom üblen Klischee.

5 Cholesterin ist böse

Gut und Böse sind manchmal nur schwer zu unterscheiden, so ist es auch beim Cholesterin. Deshalb sollte man zunächst wissen, dass der Körper Cholesterin selbst herstellt – es ist lebenswichtig für den Menschen, er braucht es zum Beispiel für den Aufbau von Zellen. Weil Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es im Blut von speziellen Proteinen – nennen wir sie Cholesterin-Taxen – transportiert. Die zwei bekanntesten Taxen heißen HDL und LDL, sie werden auch als gutes und als böses Cholesterin bezeichnet. Von HDL kann man also fast gar nicht genug haben, zu viel LDL dagegen kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa einen Herzinfarkt, erhöhen. So geriet das Cholesterin in einen schlechten Ruf. Die Leute aßen keine Eier mehr und verzichteten auf leckere Butter. Doch nun stellte sich heraus, der beschriebene Zusammenhang zwischen LDL und Herzinfarkt ist deutlich schwächer ausgeprägt, als man lange Zeit dachte. Das haben aktuelle Untersuchungen gezeigt. Viele andere Faktoren haben deutlich mehr Einfluss auf das Herzinfarktrisiko – eine familiäre Vorbelastung etwa.

6 Der Körper muss regelmäßig entschlackt werden

Einmal im Jahr kommt der Schornsteinfeger und reinigt den Kaminabzug von Ruß. Und einmal im Jahr macht der Gesundheitsbewusste eine spezielle Diät und reinigt den Körper – zwar nicht von Ruß, aber von allem Möglichen. Der Körper ist kein Kaminabzug, deswegen ist mit ihm alles nicht so einfach. Aber, oh Freude: Im Grunde ist alles noch viel einfacher – der Körper muss gar nicht gereinigt werden! Er reinigt sich selbst. Ganz ohne Abführmittel und Gemüsebrühe. Auch wenn es die Ratgeber und Frauenjournale gebetsmühlenartig behaupten – der Körper braucht keinen Frühjahrsputz. Es setzt sich nichts in unserem Darm fest, auch Leber und Nieren kommen gut damit klar, den Körper und sich selbst zu entgiften, es ist schließlich ihr Job. Wer also eine Entschlackungskur macht, tut damit eher etwas für seine Seele als für den Körper, weil er sich danach vielleicht wohler fühlt. Und vielleicht ein bisschen weniger wiegt.

7 Lesen bei schwachem Licht schadet den Augen

Kurze Antwort: Nein, es schadet nicht, es strengt nur an. Dieses aber oft nicht nur beim Lesen, sondern auch noch am nächsten Tag, wenn man wieder soooo müde ist, weil man noch so lange gelesen hat. Den Augen selbst macht schwaches Licht nichts aus. Auch wer bei Kerzenschein liest, braucht auf absehbare Zeit keine Brille.

8 Ein Kind sollte möglichst lange gestillt werden

In mancher Krabbelgruppe herrschen raue Sitten. Dort gilt nur als gute Mutter, wer ausgiebig und ausdauernd stillt. Und auch der Fachmann weiß, dass Muttermilch tatsächlich die perfekte Nahrung für Säuglinge ist. Bleibt die Frage: perfekt für wie lange Zeit? Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt sechs Monate ausschließlichen Stillens, erst dann sollte zugefüttert werden. Ein Grund für diese Empfehlung ist, dass sie sich vor allem an Länder richtet, in denen die Mütter kein Geld für teures Milchpulver haben und die hygienischen Bedingungen für die Zubereitung künstlicher Milch oft recht unzureichend sind. Ein weiterer Grund ist: Stillen soll Allergien vorbeugen. Doch diese Sichtweise ändert sich gerade. Einige Experten vertreten neuerdings die Meinung, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Zu langes, ausschließliches Stillen ebnet möglicherweise Allergien den Weg. Werde ein Kind länger als vier Monate bloß mit Muttermilch ernährt, komme der Magen-Darm-Trakt nicht in Kontakt mit fremden Stoffen, und das Immunsystem könne nicht richtig lernen, später mit diesen umzugehen – das wiederum erhöhe das Risiko einer späteren Allergie. Noch ist diese Frage nicht endgültig beantwortet, aber man kann sagen: Vier Monate volles Stillen sind absolut ausreichend.