Die Wirtschaft des Teilens gilt vielen Ökologiebewegten heute als Hoffnungsträgerin für eine nachhaltige Entwicklung. Werden Räume, Autos, Geräte, Maschinen, Nahrungsmittel oder Kleidungsstücke in der Sharing-Economy gemeinschaftlich genutzt – also geteilt, getauscht, verliehen oder verschenkt –, braucht man in aller Regel deutlich weniger Material, Energie und Fläche. Weniger Neues muss nachproduziert werden.

Car- oder Food-Sharing, Mitfahr- oder Mitwohnmöglichkeiten, Couch-Surfing oder Gemeinschaftsgärten, Tauschringe oder Verleihstationen für Werkzeuge können die gesamtwirtschaftliche Ressourcenproduktivität deutlich erhöhen und damit die Umweltbilanz verbessern.

Von ihren Ursprüngen her sind viele der Praktiken, die heute unter Überschriften wie "Nutzen statt besitzen" oder "Kollaborativer Konsum" zusammengefasst werden, vor allem sozial motiviert. Gelebt wird die Ökonomie des Teilens und Tauschens bis heute vor allem zwischen Personen, die sich kennen: in der Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Diese Entwicklung wird getrieben durch einen Bedeutungsverlust von Eigentum als Statussymbol und die schier unendlichen Möglichkeiten des Internets, die das Zusammentreffen von Anbietern und Nachfragern so leicht wie nie zuvor machen.

Aber wie sozial ist diese Sharing-Economy?

Beginnen wir aus Gründen der Klarheit zunächst mit der Anti-Vision. Diese lautet: Das marktwirtschaftliche System wird diese sozio-kulturelle Innovation als Frischzellenkur nutzen. Der digitale Kapitalismus wird jedoch auch das Teilen seinen Gesetzen unterwerfen, seiner idealistischen Motive berauben und in eine einzige Kommerzveranstaltung umwandeln.

Car2go, Uber, Airbnb oder Kleiderkreisel sind nur die Speerspitze eines Trends, der auf neue Vielfalt in der digitalen Multimöglichkeitengesellschaft setzt. Was durch das Teilen von Produkten theoretisch an Ressourcen eingespart werden könnte, wird so durch die Schaffung von immer neuen und immer billiger angebotenen Optionen zum Teilen wieder aufgefressen. Ressourceneinsparung: null!

Langsam werden die Konturen der Konfliktlandschaft in Sachen Sharing-Economy erkennbar.

Konfliktlinie Nummer eins ist diejenige zwischen alter und neuer Ökonomie. Taxiinnungen und Hotelinnungen etwa sehen sich durch die neuen Anbieter einem asymmetrischen Wettbewerb ausgesetzt. Während sie selbst von Sicherheits-, Arbeitsschutz- und Hygienestandards bis zum Mindestlohn allen möglichen Regulierungen unterlägen, so ihr Argument, sei die Plattform-Welt der billigen Mitfahr- und Übernachtungsmöglichkeiten von all dem befreit. Wegen dieser Wettbewerbsnachteile fürchten beispielsweise Taxifahrer den privaten Transportdienst von Uber.

Konfliktlinie Nummer zwei: Die Gewerkschaften betrachten voller Argwohn, dass Teile der Sharing-Economy aus der Nische herauswachsen und zu relevanten Konkurrenten etablierter Unternehmen und ihrer Beschäftigten werden. Sie sehen großen Regulierungsbedarf.