DIE ZEIT: Es ist Freitagnachmittag, einige von Ihnen sind mit dem Rollkoffer direkt vom Flughafen aus zu diesem Gespräch gekommen. Wie viel Zeit haben Sie in dieser Woche mit Ihren Kindern verbracht?

Birgit Härle: Viel weniger als mit Arbeit. Ich bringe meine Tochter morgens um acht Uhr in den Kindergarten, und abends sehe ich sie selten vor sieben, halb acht.

Nicole Voigt: Also, in Gedanken war ich zu 100 Prozent bei meinen Kindern. Aber zu Hause war ich diese Woche gar nicht. Ich bin seit Montagfrüh unterwegs. Das ist aber die Ausnahme. Normalerweise bin ich nur an drei Tagen in der Woche nicht zu Hause.

Julia Fitzner: Ich arbeite 80 Prozent und versuche, die Kinder so gegen 16 Uhr aus der Kita und dem Hort abzuholen. Zweimal in der Woche arbeite ich länger, da unterstützen uns die Großeltern.

Phoebe Kebbel: Ich arbeite Vollzeit, genau wie mein Mann. Wir sehen zu, dass einer von uns um 19 Uhr zu Hause ist. Und dann haben wir so eine Art heilige Zeit, von sieben bis neun, da isst die Familie gemeinsam, man redet darüber, wie der Tag war, übt mit einem Kind noch mal Cello und hört ein paar Vokabeln ab.

ZEIT: Frau Kebbel, Sie haben 2007 das Netzwerk Working Moms gegründet. Zutritt zu diesem Club erhält nicht jede Mutter. Welche nehmen Sie auf?

Kebbel: Die meisten unserer Mitglieder arbeiten Vollzeit oder vollzeitnah. Das ist ein ganz gutes Kriterium, weil die Probleme einfach andere sind, als wenn man halbtags arbeitet.

ZEIT: Wie kam es zur Gründung der Working Moms?

Kebbel: Als meine Kinder ein und drei Jahre alt waren, sprach mich eine befreundete Investmentbankerin an und sagte: Phoebe, du bist die einzige Mutter, die ich hier in Frankfurt kenne, die gleich wieder eingestiegen ist und Vollzeit arbeitet. Wie macht man das? Da hab ich mich so zwischen den Bankentürmen umgesehen und mir gesagt: Das kann doch nicht wahr sein, dass ich hier wirklich die Einzige bin! Gemeinsam mit einer Freundin habe ich das Netzwerk dann gegründet, heute hat es 300 Mitglieder bundesweit.

ZEIT: Es geht Ihnen nicht nur um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie nehmen nur Frauen auf, die Karriere machen wollen. Ist das nicht ziemlich elitär?

Härle: Also elitär? Wenn die Working Moms das wären, würde ich schon mal gar nicht hingehen.

Kebbel: Wir wollen nicht nur ein privates, sondern vor allem ein berufliches Netzwerk sein. Vielen Frauen fällt es leicht, nach einem Tipp für einen Babysitter zu fragen, aber sie tun sich schwer damit, klar zu formulieren: "Ich brauche einen beruflichen Draht zu dem oder dem Vorstand." Ich selbst habe über einen Kontakt aus den Working Moms einen großen Kunden kennengelernt. Dass ich den mit in die Firma bringen konnte, hat mir schließlich auch dabei geholfen, in den Partner-Status aufzusteigen. Wir sehen uns als Mutmacherinnen. Oft fehlen ja die Vorbilder am Arbeitsplatz. Und wenn man dann in ein Forum kommt, in dem lauter Frauen sitzen, die zwar Augenringe haben, aber sagen: "Wir sind trotzdem fröhlich und machen das, weil es uns Spaß macht", dann kann das hilfreich sein. Ich glaube, das hätten wir uns alle früher sehr gewünscht.

ZEIT: Was hat Ihnen damals gefehlt?

Voigt: Die Bestätigung zum Beispiel, dass man nicht völlig irre ist, wenn man seinem Kind Gummibärchen zuschiebt, damit man sich auf die Telefonkonferenz konzentrieren kann. Da erzählt dann eine, dass sie es genauso macht, und schon fühlt man sich weniger schlecht.

Fitzner: Man empfindet die eigene Situation ja längst nicht als normal. Und gerade in den männerdominierten Branchen kann man bestimmte Fragen einfach überhaupt nicht stellen.

Kebbel: Wie man die abgepumpte Milch durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen Heathrow schmuggelt zum Beispiel ...

Fitzner: ... oder wie man das Kind auf die Toilette setzt, während man am Telefon irgendwelche Rechtsfragen klärt.

Kebbel: Es gibt Phasen, in denen die Arbeitsbelastung höher ist, als man möchte, weshalb man seinem Anspruch als Mutter nicht immer gerecht wird. Da tut es gut, wenn man sieht: Die anderen sind auch nicht perfekt, die haben den Kuchen auch nicht selbst gebacken und die Schultüte nicht selbst gebastelt. Davon geht die Welt nicht unter.

Fitzner: Also ich habe die Schultüte selbst gebastelt, und ich backe auch gern!