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In diesen Wochen geht es wieder los, Banker und Versicherungsvermittler bringen sich in Stellung für ihren traditionellen Jahresendspurt. Und ein Produkt werden sie ihrer Kundschaft dabei besonders warm ans Herz legen, die gute alte Lebensversicherung. Ihr schlagendes Argument: Im kommenden Jahr sinkt der garantierte Zins für Neuverträge von 1,75 auf 1,25 Prozent. Was die meisten Vertriebler dabei lieber nicht erwähnen? Dass sie mit den Policen bis zum Jahreswechsel hohe Provisionen verdienen können. Zum letzten Mal. Von Januar an gelten strengere Gesetze; der Bund der Versicherten warnt bereits vor einem "massiven Schlussverkauf".

Sparer sollten deshalb mit gesundem Misstrauen in die Gespräche gehen. Denn Provisionen werden von ihren Sparbeiträgen abgezogen und zehren an der ohnehin schon mickrigen Rendite. "Angesichts des Zinstiefs sind die teilweise sehr hohen Kosten bei Lebensversicherungen nicht mehr gerechtfertigt", sagt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz (ITA) in Berlin. Und auch bei anderen Anlageprodukten zehren die Kosten wegen der Niedrigzinsen den Rest Rendite auf. Bei Aktienfonds zum Beispiel seien sie "der stärkste Indikator für die künftige Performance", sagt Ali Masarwah von der Ratingagentur Morningstar. Mit anderen Worten: Preisgünstige Fonds laufen im Schnitt besser als teure.

Die meisten Geldanlagen sind erst mal teuer, bevor sie überhaupt anfangen, Geld zu erwirtschaften. Zu Beginn fallen einmalige "Abschlusskosten" an, jährliche Verwaltungsgebühren; hinzu kommen pauschale Stückkosten oder Erfolgshonorare. "Das Gebührensystem ist sehr intransparent und für Anleger schwer nachzuvollziehen", sagt Ortmann.

Beispiel Lebensversicherungen: Die Abschlusskosten betragen laut einer Analyse der Hochschule Ludwigshafen unter den zwölf größten Lebensversicherern im Durchschnitt 5,2 Prozent der Beitragssumme. Dieses Geld fließt vor allem als Provision an den Vermittler. Für eine Police, in die während der Laufzeit 100.000 Euro eingezahlt werden sollen, kassiert der also rund 5.200 Euro – und zwar auf einen Schlag. "Die Versicherer bezahlen den Vermittler sofort und ziehen das Geld innerhalb der ersten fünf Jahre von den Sparbeiträgen der Kunden ab", sagt Ortmann. Neben den erheblichen Renditeeinbußen, die der Sparer in Kauf nehmen muss, führt das auch zu Fehlanreizen. Denn die Aussicht auf das schnelle Geld verleitet manchen Vermittler dazu, auch dann eine Lebensversicherungen zu empfehlen, wenn ihr Kunde gar keine braucht.

Lebensversicherungen sind keine Ausnahme. Ähnlich hoch sind die Gebühren bei staatlich geförderten Altersvorsorgeverträgen, die das Institut für Transparenz analysiert hat. Zwar fallen die Abschlusskosten bei klassischen Riester-Renten mit durchschnittlich 3,94 Prozent niedriger aus. Dafür sind die jährlichen Kosten mit 5,79 Prozent der gesamten Beitragssumme allerdings deutlich höher als bei Lebensversicherungen, bei denen laut Studie der Hochschule Ludwigshafen im Schnitt 2,3 Prozent anfallen.

Bei Riester-Renten, in die Sparer während der Laufzeit 100.000 einzahlen, gehen damit im Schnitt fast 10 000 Euro für Abschlusskosten und laufende Gebühren drauf. Wie viel tatsächlich fürs Alter bleibt, hängt in erster Linie von der Laufzeit und von der Höhe der staatlichen Förderung ab. Laut Studie büßen Sparer bei Riester-Rentenversicherungen zwischen ein und zwei Prozentpunkten ein. Von versprochenen vier Prozent Jahresrendite vor Kosten bekommt der Sparer also oft nicht viel mehr als die Hälfte, wenigstens etwas mehr als die Inflationsrate.

Für Aktienfonds zahlen Anleger ähnlich hohe Abschlusskosten wie für Lebensversicherungen und Riester-Renten. Sie heißen hier "Ausgabeaufschläge" und belaufen sich meist auf fünf Prozent des investierten Betrags. Die laufenden Kosten sind auf den ersten Blick niedriger, laut Ratingagentur Morningstar knapsen Aktienfonds im Schnitt 1,85 Prozent pro Jahr ab.

Das ist aber längst nicht alles: In dieser sogenannten Total Expense Ratio sind zwar auch die erfolgsabhängigen Gebühren enthalten, die bei vielen Fonds fällig werden, wenn sie bestimmte Mindestrenditen erzielen. Nicht drin sind allerdings Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. "Die können pro Jahr bis zu 0,8 Prozent ausmachen", sagt Morningstar-Experte Masarwah.

Ein weiterer Haken: "Bei Investmentfonds bemessen sich die laufenden Kosten am Fondsvermögen", so Masarwah. Das bedeutet: Steigt der Wert des Fonds, steigen auch die prozentualen Gebühren. Bei Lebensversicherungen orientierten sich die jährlichen Kosten dagegen an den eingezahlten Beiträgen – Wertzuwächse haben also keinen negativen Effekt.