Die Welt verliert ihre Geschichte. Raubgräber pflügen überall auf dem Planeten ganze Landschaften um, nicht nur in Syrien und im Irak. Und der IS ist nicht der einzige Bösewicht, der gute Geschäfte macht mit Münzen und Statuen. Der IS ist nur der jüngste der Parasiten, die am Erbe der Vergangenheit saugen. Mali, Bangladesch und Samoa sind laut Unesco bereits ausverkauft. Albanien wird seit Jahren geplündert, ebenso Mazedonien und Rumänien. In Kambodscha gibt es nur wenig, was von den buddhistischen Khmer übrig blieb. Die Regierung rief dort schon vor Jahren den "kulturellen Notstand" aus.

Afghanistans wichtigste Minen fördern nicht Eisen oder Lapislazuli. Der wirtschaftlich bedeutendste Bodenschatz des Staates am Hindukusch ist seine Vergangenheit. Hunderttausende suchen mittlerweile ihr Glück in alten Siedlungsschichten. Jeder verdient daran, die Taliban wie die Warlords.

Und währenddessen ist der Antikenhandel zur Kapitalanlage avanciert, besonders in Deutschland, dessen laxe Gesetze international berüchtigt sind. Jahrelang wurden in den Ministerien die Interessen der Kunsthändlerlobby geschützt. Unter dem Eindruck der IS-Plünderungen möchte die Bundesregierung jetzt zaghaft nachbessern. Zum ersten Mal will sie von Besitzern antiker Schätze Herkunftsnachweise verlangen – von 2016 an.

Doch auch das wird wirkungslos bleiben. Nichts ist in Syrien und im Irak schneller zu fälschen als Papiere. Es existiert im Antikenhandel keine effektive Kontrolle darüber, was legaler oder illegaler Herkunft ist.

Es gibt Situationen, in denen ist die einzige Lösung der radikale Schnitt. Die Weltgemeinschaft hat sich schon einmal dazu durchgerungen, als der Elefant wegen seines Elfenbeins ausgerottet zu werden drohte. Man erließ einen internationalen Bann auf den Handel mit Stoßzähnen. Der Preis für Elfenbein sank dramatisch, der Markt brach zusammen. Der Elefant überlebte.

Nichts Geringeres steht jetzt auf dem Spiel. Um die Geschichte der Menschheit zu retten, müssen wir ihr den monetären Wert nehmen. Dann wird in Syrien der IS seine Kämpfer nicht mehr damit finanzieren können und in Afghanistan der Bauer in seinem Acker nicht mehr nach Scherben aus der Zeit Alexanders des Großen buddeln.

Wenn es die Politik ernst meint mit ihrer Empörung: Schließt die Antikenabteilungen der Auktionshäuser! Europaweit. Schiebt den Händlern Riegel vor ihre Türen. Sie sind nicht die Bewahrer von Kultur, sie sind ihre eigentlichen Zerstörer.