Die Plastiktüte hat keine gute Presse. Wir sehen sie auf Fotos von im Ozean treibenden Kunststoffinseln und von Tieren, die qualvoll an ihr verenden. Jahrhundertelang können sich nicht biologisch abbaubare Tüten in der Umwelt halten – allerdings nur, wenn sie überhaupt in die Umwelt gelangen. Und das sollte in Deutschland nicht mehr der Fall sein, seit es hier keine Deponien für Hausmüll mehr gibt. Denn eigentlich sollte aller Plastikmüll, der nicht recycelt wird, in der Verbrennungsanlage landen und nicht im Meer.

Es stimmt aber, dass die Papiertüte leichter zu entsorgen ist – das Papier-Recycling ist ein gut eingespieltes System, und auch im Boden zersetzt sich so eine Tüte schnell. Allerdings hat sie ihr Öko-Image zu Unrecht, denn ihre Herstellung belastet die Umwelt mehr als die Produktion einer Plastiktüte: Sie verbraucht mehr Wasser, mehr Rohstoffe, und sie erzeugt mehr Kohlendioxid. Man müsste eine Papiertüte dreimal so oft verwenden wie eine aus Plastik, um diesen Nachteil auszugleichen.

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Weil wir aber in der Realität beide Tütensorten meist nur einmal benutzen, lautet die korrekte Antwort: Beide sind schlecht für die Umwelt. Eine wiederverwendbare Tasche (gern auch aus strapazierfähigem Polyester) hat schon nach ein paar Einkäufen die bessere Bilanz.

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