Ein Bürgersteig, parkende Autos, dahinter sieben Meter Asphalt unter Gründerzeitfassaden und dem Grün alter Linden: So sieht die Welt durch das Schaufenster des Hutladens Papenhut auf der Uhlenhorst aus. Das Problem ist der Asphalt: Wer darf ihn nutzen und wozu?

Für Vanessa Rathje, die Inhaberin des Hutgeschäfts, verhält es sich so: Viele ihrer Kunden kommen mit dem Auto, freie Parkplätze gibt es praktisch nie, also parken sie auf der Straße. Anhalten ist erlaubt, bis zu drei Minuten lang. "Aber einen Hut kauft man nicht in drei Minuten."

Für den HVV ist die Papenhuder Straße, an der Frau Rathjes Hutgeschäft liegt, ein Engpass. Morgens und abends müssen da drei Gelenkbusse in zehn Minuten durch, in jede Fahrtrichtung. Das geht nur, wenn Frau Rathje gerade keine Kundschaft hat. "Sonst warten da 105 Leute, bis kein Gegenverkehr mehr kommt", sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der aktuellen ZEIT. Sie finden die Hamburg-Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Vanessa Rathje ist eine junge Frau, die viel lacht und unbekümmert erzählt. Sie findet es ganz normal, dass ihre Kunden auf der Fahrbahn parken. Manche hätten Einkäufe in mehreren Läden zu erledigen, in drei Minuten gehe das nicht. Und was sie selbst betreffe: "Beim Friseur bin ich ja auch ein bisschen länger."

Die Inhaberin des Geschäfts nebenan will anonym bleiben, stimmt Frau Rathje aber zu: Ja, auch ihre Kunden parkten mal auf der Straße.

Wer darf die Straße nutzen und wozu?

In den vergangenen Tagen hat der Streit um die Busbeschleunigung eine bizarre Zuspitzung erfahren. In der Uhlenhorster St.-Gertrud-Kirche gerieten Kritiker des Programms mit Bezirkspolitikern und Fachplanern in einer Weise aneinander, die Vertreter des Protestlagers "lebhaft" und "emotional" nennen und die Planer unfassbar. Vanessa Rathje ergriff dort gleich mehrfach die Gelegenheit, die Probleme des Hutfachhandels zu erläutern. Was die Verteidiger des Busprogramms hatten vorbringen wollen, blieb unklar, interessierte aber wohl auch nicht viele.

Stimmt es, dass die Fachleute niedergeschrien wurden, Frau Rathje? "Teilweise schon."