Es ist das Symbol schlechthin für Wohlstand und Unabhängigkeit: ein dickes Bündel Geldscheine. Vor allem Hollywood hat diesen Mythos geschaffen, mit dem Cowboy, der lässig die gefalteten Dollar abzählt, oder mit dem Neureichen, der sich mit einem Geldschein die Zigarre anzündet. In Deutschland ist das Thema weniger glamourös: Man kennt den Glückspfennig, das Sparschwein, auch den schwarzen Aktenkoffer voller Scheine im Sonntagskrimi, aber das ist es dann auch.

Einige Unternehmen würden den Deutschen die Scheine und Münzen am liebsten ganz abgewöhnen. Immer wieder wird die Debatte neu befeuert, dass Bargeld ein Phänomen von gestern sei. Geführt wird sie teilweise mit abenteuerlichen Argumenten. Manche Beobachter sprechen daher von einem war on cash, von einem Feldzug gegen das Bargeld. Doch das Bargeld behauptet sich – und wird dies wohl noch eine ganze Weile tun.

Stand August gab es in der Eurozone Banknoten und Münzen im Wert von 996 Milliarden Euro. Das Volumen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, vor allem, weil der Euro international zunehmend als Reservewährung und Mittel der Wertaufbewahrung verwendet wird. Im Alltag ließen sich Banknoten und Münzen prinzipiell leicht abschaffen. Schon seit Langem gibt es EC- und Kreditkarten, aber auch Lastschriftverfahren. Bald dürften in größerem Umfang neue technische Lösungen hinzukommen, wie das Bezahlen mithilfe von Smartphone oder Smartwatch.

Eine Studie der Steinbeis Hochschule Berlin kam 2013 zu dem Schluss, dass die Kosten für das Bargeldsystem hierzulande pro Kopf rund 150 Euro im Jahr betragen. Diese Kosten entstehen in erster Linie dadurch, dass Bargeld vorgehalten werden muss – als Wechselgeld im Geschäft, am Bankschalter oder in Geldautomaten. Deswegen legen allein die Bargeldtransporter der Deutschen Bundesbank jährlich 1,3 Millionen Kilometer zurück. Das müsse doch einfacher und günstiger gehen, legt die Studie nahe. Sie ist allerdings umstritten, denn vermarktet wurde sie vom Kreditkartenunternehmen Mastercard.

Die genauen Kosten der verschiedenen Zahlungsverfahren zu ermitteln sei sehr kompliziert, wendet Helmut Kalepky ein, Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Bundesbank. Das gelte nicht nur für das Bargeldsystem, sondern auch für die Kosten elektronischer Zahlungsverfahren – die ja ebenfalls einer Infrastruktur bedürfen. Es gebe viele Bewertungsspielräume, so Kalepky. Andere Studien könnten zu anderen Ergebnissen kommen.

Die Bargeld-Gegner belassen es indes nicht bei dem Kostenargument. Laut einer Umfrage von Mastercard halten 51 Prozent der Deutschen Banknoten für unhygienischer als Kartenlesegeräte, Rolltreppenhandläufe und Bücher aus der Bücherei. Die Umfrage hat begrenzte Aussagekraft, schon wegen der vorgegebenen Antwortoptionen. Doch dürfte bei vielen Lesern hängen bleiben: Geldscheine sind eklig.

Auch ein zweites großes Kreditkartenunternehmen, Visa, hat eine Studie veröffentlicht, gemeinsam mit der Universität Linz. Demnach hat Deutschland mit 350 Milliarden Euro die größte Schattenwirtschaft Europas – dort spielt Bargeld eine große Rolle, will doch der Handwerker, der nach Feierabend Fliesen verlegt und dafür schwarz bezahlt wird, keine Spuren hinterlassen. Ein Anstieg elektronischer Zahlungen um 15 Prozent, heißt es in der Studie nun, könne die Schattenwirtschaft um sechs bis neun Prozent reduzieren. Bundesbanker Kalepky zweifelt an der Logik solcher Überlegungen: "Es ist eine Illusion zu glauben, dass kriminelle Machenschaften verhindert werden, wenn wir Bargeldzahlungen einschränken oder abschaffen." Bargeld sei nicht die Ursache der Schattenwirtschaft.

Teuer, eklig, Treibstoff für Kriminelle – die Studien der Kreditkartenkonzerne rücken Bargeld in ein schlechtes Licht. Frank-Christian Pauli von dem Verbraucherzentrale Bundesverband hält solche Untersuchungen denn auch für interessengeleitet. Würde Bargeld abgeschafft oder eingeschränkt, profitierten vor allem Anbieter elektronischer Zahlungssysteme davon. "Den Unternehmen geht es um Marktanteile", sagt Pauli. Ein Sprecher von Mastercard betont hingegen, seinem Unternehmen gehe es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Bargeld – anders, als viele annähmen – nicht kostenlos sei. Zudem habe der Einsatz elektronischer Zahlungssysteme Vorteile, etwa für Taxifahrer, denen seltener Überfälle drohten, wenn bei ihnen kein Bargeld mehr abgegriffen werden könne.