Menschen, die über Religionen gute Witze machen, verstehen sich als Ministranten der Aufklärung. Sie verspotten den Frömmler und verlachen den Scheinheiligen. Aber nicht, um Gott zu lästern, sondern um ihn vor dem Hokuspokus der Heuchler in Schutz zu nehmen.

Der Kabarettist Dieter Nuhr ist so ein Aufklärer und macht Witze über den Islam. Er tut es nicht, weil er diese Glaubensrichtung verabscheut; er tut es, weil er all jene Kopfabschneider hasst, die sich auf den Islam berufen. Nun hat ihn ein türkischstämmiger Bürger aus Osnabrück wegen religiöser "Hetze" und "Einseitigkeit" bei der Polizei angezeigt. Empörend findet der Muslim Sätze wie diesen: "Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben."

Bekanntlich müssen Kabarettisten weder dem gesellschaftlichen Betriebsfrieden dienen noch vor höheren Mächten zu Kreuze kriechen. "Einseitigkeit" ist für sie ein Ehrentitel, vor allem angesichts der Tatsache, dass der Koran von marodierenden Killern derzeit ohnehin sehr einseitig interpretiert wird. Es ist ihnen gelungen, eine große Weltreligion in Verruf zu bringen, und selbst Wohlmeinende begegnen dem Islam nun mit epochaler Ratlosigkeit.

Natürlich darf sich ein Osnabrücker Bürger über Dieter Nuhr aufregen, aber es wäre der kabarettistischen Kunst gewiss dienlicher gewesen, er hätte sich über die Schlichtheit seiner Pointen beschwert. Sie sind nämlich nicht maßlos, sie sind nur mäßig. Nuhr macht sich darüber lustig, dass die arabische Welt "nix auf die Reihe kriegt". Gerade einmal zwanzig Patente habe man angemeldet, die Hälfte davon seien "Steinigungsautomaten". Der Kleinkunstpreis, den man für solche Hochleistungswitze bekommt, ist vermutlich so klein, dass man ihn mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Es ist unselig, dass der Streit um den Islam nicht politisch geführt wird, sondern als Kampf um die wahre Religion. Islamkritiker verlesen prekäre Koranstellen, und Muslime revanchieren sich mit dem christlichen Schwertvers, der auf den ersten Blick auch nicht gerade gemütlich ist. Das geht immer so weiter, und am Ende geht die Saat der Islamisten auf. Sie träumten schon immer vom planetarischen Religionskrieg, und der Westen war töricht genug, darauf mit einem Kreuzzug für "unsere Werte" zu antworten. Statt im Koran nach bösen Suren zu suchen, würde es völlig reichen, sich über die Verletzung von Menschenrechten zu empören, die einst aus den Religionen hervorgegangen sind. Das funktioniert vermutlich sogar im Kabarett, jedenfalls so lange, bis einem das Wort im Halse stecken bleibt.