Es war nicht Al-Kaida. Die CIA selber hat am 11. September 2001 das World Trade Center gesprengt. Ins Pentagon schlug auch kein von Terroristen gesteuertes Flugzeug ein, sondern eine Rakete, abgeschossen vom US-Militär. Mit welcher Absicht? Ist doch klar: Die Bush-"Administration" (Regierung ist ein viel zu harmloses Wort für sie) brauchte einen Reichstagsbrand, einen monströsen Vorwand, um im Mittleren Osten einzumarschieren und die Region nach ihrem Hauptinteresse umzugestalten. Dieses Interesse lautet, wie man ja wohl weiß: Öl.

So steht es geschrieben, in hunderttausendfach verkauften Büchern, viele davon aus Deutschland; und das wird auch geglaubt, vor allem von Millionen Menschen in der islamischen Welt.

Verschwörungstheoretiker antworten auf jeden Einwand mit zwei neuen Behauptungen. Eigentlich möchte man deshalb gar nicht erst den Versuch unternehmen, die Mutter aller modernen Weltverschwörungsthesen, diese 9/11-war-eine-CIA-Aktion-These, zu entkräften. Es muss aber versucht werden, denn diese Verschwörungstheorie ist schon lange kein Spaß mehr, denn katalytisch wie kein anderes Ereignis hat 9/11 die Weltsichten in westlichen und islamischen Ländern auseinandergetrieben. Gibt es ein Gegenmittel?

Lassen wir all das Gefiesel um Trümmerteile, Sprengstoffspuren und Avionik. Legionen von "Experten" haben angeblich unwiderlegbare Beweise dafür vorlegt, dass die Zwillingstürme des World Trade Center, so wie sie in sich zusammensackten, nur gesprengt worden sein können und dass kein Pilot eine Boeing in einem solchen Anstellwinkel ins Pentagon hätte manövrieren können. Ebenso viele Legionen von Fachleuten behaupten das Gegenteil. Die entscheidende Frage lautet ganz anders, nämlich: Wie plausibel ist die Existenz eines Verschwörungsplans?

Wenn die These von der CIA-Verschwörung stimmt, dann muss man sich schon fragen, warum die großen Puzzleteile nicht zusammenpassen wollen? Schon die Ausführung: Musste die CIA denn tatsächlich gleich vier Flugzeugentführungen vortäuschen? Der Schock von Manhattan hätte doch wohl gereicht. Wozu auch noch der Pentagon-Plot und die Entführung der United Airlines 93, die über einem Feld in Pennsylvania abstürzte? Das wäre doch bereits in der Planungsphase eine total unnötige Ausweitung des Mitwisserkreises gewesen. Profis arbeiten anders.

Es kann natürlich sein, dass die CIA-Leute derart ausgebufft waren, dass sie ihre Inszenierung mit Mängeln versahen, dass sie also ganz bewusst Perfektion vermieden, weil sie gerade dadurch umso glaubwürdiger wirkte. Okay.

Dann bleibt trotzdem die nächstgrößere Frage: Wieso hat die amerikanische Militärmaschinerie auf ihrem Marsch zum Öl des Mittleren Ostens diesen bizarren Umweg über Afghanistan genommen? Soviel man weiß, haben die Amerikaner am Hindukusch in den vergangenen 13 Jahren rund eine halbe Billion Dollar versenkt, für Militär und Aufbauhilfe. Für all das haben sie nicht einen Tropfen Öl geerntet. Ein befremdliches Geschäftsmodell. Also: Wenn die CIA schon alles fingiert hat, konnte sie dann nicht von Anfang an die Schuld an den 9/11-Attacken dem Mann in die Schuhe schieben, der tatsächlich im Öl schwamm: Saddam Hussein? Gut, war vielleicht ein Planungsfehler, kommt ja vor in größeren Bürokratien.

Aber dann, zwei Jahre später, als die Geheimen gemerkt haben, wo das Öl tatsächlich lag, wieso dieses nächste Debakel mit den Massenvernichtungswaffen, die nicht gefunden wurden? Dieselbe CIA, die es schafft, der Welt vier Flugzeugentführungen vorzugaukeln, zwei Hochhäuser in New York zu sprengen und die Kunstfigur Osama bin Laden zu erschaffen, soll es nicht fertigbringen, als Vorwand für einen Krieg ein paar Giftgasgranaten in der irakischen Wüste zu verbuddeln?

Mag sein, dass eine solche Operation im CIA-Hauptquartier in Langley niemand der Mühe wert fand – schließlich war George W. Bush entschlossen einzumarschieren, Begründung hin oder her. Aber als es so weit war, nachdem die Amerikaner sich den Irak unter den Nagel gerissen hatten, warum haben sie es zugelassen, dass die Regierung des Iraks die Einnahmen aus dem Ölverkauf selber verwalten durfte?

Da ist wohl wieder gründlich etwas schiefgelaufen – so schief, dass die Amerikaner mittlerweile ihr eigenes Grundwasser vergiften müssen, um ihren Energiehunger stillen, mit diesem Fracking. Dabei sind sie allerdings so erfolgreich, dass sie mittlerweile Öl und Gas im Überfluss aus den eigenen Böden pumpen und auf dem besten Weg sind, zum größten Energieproduzenten der Welt zu werden. Oder steckt dahinter eine ganz neue Verschwörung?

Man könnte über all das schmunzeln. Aber Erzählungen, die die Welt erklären, können gefährlich sein, wenn sie derart polarisieren. Wer sich nicht annähernd über die faktischen Grundlagen der Politik einigen kann, dem fehlt nicht nur die Gesprächsbasis, der unterstellt dem anderen auch permanent böse Motive, Lügen, ja Feindschaft. Nicht zuletzt die Fähigkeit zur Selbstkritik und Kritik an den Bedingungen des Terrors in vielen arabischen Ländern kommt dabei abhanden. Genau dieses geistige Gift zu verbreiten ist der ernste Langzeitschaden der CIA-These.