Mark, Du verdrehst die Geschichte. Wäre der internationale Bankenpopulismus wirklich ein so großes Problem, wie Du schreibst, hätten die Bürger nicht mit Milliardensummen für unverantwortliche Banker einstehen müssen.

In manchen Fällen ging die Rettung für den Steuerzahler zwar halbwegs glimpflich aus, aber unter dem Strich waren die Bankenrettungspakete eine gewaltige Belastung für die öffentlichen Haushalte und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – übrigens auch in den USA, deren Vorgehen du so vorbildlich findest.

Nach dieser Erfahrung ist es mehr als vernünftig, wenn die Regierungen einen Plan entwerfen, wie Banken weitgehend ohne Steuergeld abgewickelt werden könnten. Ein solcher Plan ist auch ökonomisch richtig. Denn der Folgeschaden der letzten Bankenrettung wird schon bald sichtbar werden, und er besteht darin, dass die Investoren und Banken gelernt haben, dass der Staat am Ende einspringt, wenn eine Bankpleite droht.

Ich glaube nicht, dass diese Lehre so schnell aus den Köpfen verschwinden wird. Aber anders als Du hoffe ich, dass allen Beteiligten mit den neuen Regeln klar wird, dass es nicht so weitergehen kann. Denn das Versprechen von Staatshilfen hat in der Vergangenheit zu perversen Anreizen geführt und letztlich die Welt in die Finanzkrise gestürzt.

Ökonomisch betrachtet, glich die Staatsgarantie einer gigantischen versteckten Subvention: Weil alle wussten, dass der Staat keine Großbank in die Pleite schickt, bekamen auch Banken mit riskantem Geschäft weitaus leichter Kredit als andere Unternehmen. Bis heute ist die versteckte Staatssubvention einer der Gründe dafür, warum der Finanzsektor in vielen Staaten größer ist, als es volkswirtschaftlich sinnvoll wäre. Und bis heute führt das Versprechen dazu, dass Banker leichtfertig zocken und ihre Häuser zu großen Risiken aussetzen.

Es stimmt schon: Wenn die neuen Regeln kommen, könnten einige Investoren vorsichtiger werden. Die jüngste Vergangenheit zeigt aber, dass man dieses Problem etwas gelassener sehen sollte. Der portugiesische Staat etwa bürdete vor Kurzem die Kosten der Rettung der Banco Espirito Santo fast komplett den Eignern auf – ohne dass die Anleger in Panik gerieten.

Es gibt volkswirtschaftlich ohnehin keinen guten Grund, warum der Staat einen einzelnen Wirtschaftszweig immerzu mit Steuergeld protegieren sollte. Niemand etwa würde auf die Idee kommen, Google oder Siemens mit Staatshilfen beim Wachstum zu helfen. Diese Unternehmen finden ganz von alleine Kapitalgeber, und zwar deshalb, weil ihr Geschäft solide ist und die Firmenführung die Risiken im Rahmen hält.

Wie Du ganz richtig schreibst, gibt es nur einen Grund, warum Banken eine Sonderbehandlung erfahren: Aus Bankenkrisen können Wirtschaftskrisen werden. Aber gerade weil das so ist, ist es der falsche Weg, die Banken mit Staatshilfen zu riskanten Geschäften zu verleiten. Die effektivste Methode, Banken sicherer zu machen, ist bekannt: Sie besteht darin, die Banken zu mehr Eigenkapital zu zwingen.

Gerade diese Eigenkapitalregeln aber sind bisher zu lasch und wirken zu spät. Deshalb sollte unsere Sorge eine andere sein: dass in der nächsten Krise die neuen Vorsätze über Bord geworfen werden – und die Allgemeinheit doch wieder für die Fehler der Banker zahlen muss. Dein Philip

Lesen Sie hier den Text von Mark Schieritz.