Philip, wir drohen gerade zum Opfer einer besonders hartnäckigen Form des Populismus zu werden: des Bankenpopulismus.

In dieser Woche übernimmt die Europäische Zentralbank die Aufsicht über die größten Banken in der Währungsunion. Und das bedeutet unter anderem: Wenn künftig eine Bank kollabiert, wird in aller Regel nicht mehr der Steuerzahler einspringen. Stattdessen sollen die Banken selbst – das bedeutet in erster Linie ihre Aktionäre und Gläubiger – die Rechnung übernehmen.

Das klingt nach einer vernünftigen und gerechten Lösung, angesichts der Tatsache, dass die Steuerzahler auch in Deutschland in den vergangenen Jahren Milliarden für die Rettung der Banken ausgegeben haben. Doch so einfach ist es nicht.

Die Erfahrung lehrt, dass Bankenkrisen nicht deshalb so verheerend sind, weil es so teuer wäre, die Banken zu sanieren. In vielen Fällen sind deren Verluste nur vorübergehender Natur. Die meisten Banken halten Wertpapiere, und wenn die Weltbörsen einbrechen, dann verlieren diese Papiere an Wert. Wenn sich die Aktienmärkte wieder erholen, erledigt sich das Problem.

Beispiel Schweden: Das Land durchlebte in den neunziger Jahren eine schwere Bankenkrise. Die Regierung stützte die Banken mit Steuergeld und verstaatlichte sie – und konnte sie Jahre später mit Gewinn wieder veräußern. Ganz ähnlich ist übrigens die amerikanische Regierung nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vorgegangen, als sie die großen Häuser der Wall Street zwangsrekapitalisierte. Mit Steuergeld. Auch deshalb wächst die amerikanische Wirtschaft deutlich schneller als die europäische.

Der größte Posten bei den Krisenkosten sind eben in aller Regel die indirekten, volkswirtschaftlichen Kosten: Wenn die Banken in Schwierigkeiten sind, können sie weniger Kredite vergeben. Dann investieren die Unternehmen weniger und streichen Arbeitsplätze – und das geht für den Staat mit Einnahmeverlusten einher.

Das Problem ist nun, dass die neuen Regeln die Gefahr erhöhen, dass aus einer Bankenkrise eine Wirtschaftskrise wird. Denn wenn Gläubiger und Aktionäre Verluste einstecken müssen, dann wird das zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen – zumal wenn die aufgeschreckten Investoren ihr Geld auch aus anderen Banken abziehen und damit auch gesunde Institute in Mitleidenschaft ziehen. Denn dann leidet die Wirtschaft.

Wie gefährlich die vermeintlich saubere Lösung sein kann, zeigt der Fall Lehman Brothers. Der Zusammenbruch der Bank war der Auslöser der internationalen Finanzkrise. Vor wenigen Wochen wurden Analysen der amerikanischen Notenbank bekannt, wonach Lehman eigentlich gar nicht insolvent war, sondern lediglich mit temporären Zahlungsengpässen zu kämpfen hatte. Eine der größten und mit enormen Kosten für die Steuerzahler verbundenen Krisen aller Zeiten hätte also vermieden werden können, wenn diese Engpässe mit Steuergeld behoben worden wären. Es wäre gut angelegtes Geld gewesen.

Mit dem Verbot der Bankenrettung hat die Politik auf die Wut der Wähler reagiert, die nicht noch einmal für die Fehler der Banken bezahlen wollen. Doch um die Steuerzahler zu schützen, hat die Politik in Europa eine Regelung verabschiedet, die für eben jene Steuerzahler noch teurer werden könnte. Dein Mark

Lesen Sie hier die Antwort von Philip Faigle.