Am 19. September 2014 melden die Wirtschaftsnachrichten aus München: "Heidi Stopper (45), Personalvorstand der ProSiebenSat.1 Media AG, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch."

Am 7. Juli 2014 lautet die News aus Essen: "Karstadt gibt bekannt, dass sich Frau Sjöstedt entschlossen hat, ihr Amt als Geschäftsführerin der Karstadt Warenhaus GmbH niederzulegen."

Und am 2. Juli 2014 heißt es aus Bonn: "Angela Titzrath, Arbeitsdirektorin von Deutsche Post DHL, hat heute ihr Vorstandsmandat aus persönlichen Gründen niedergelegt."

Aus persönlichen Gründen. Hat sich entschlossen. Auf eigenen Wunsch. Sind das tatsächlich die Motive dreier Spitzenmanagerinnen, ihren Job aufzugeben? Und warum häufen sich gerade jetzt die Abgänge von Top-Frauen aus Top-Etagen?

Denn Heidi Stopper, Eva-Lotta Sjöstedt und Angela Titzrath sind nur die jüngsten Beispiele von Spitzenfrauen, die vom Gipfel der Macht vorzeitig herabgestiegen sind. In den 30 größten Dax-Konzernen Deutschlands saßen zwischen Anfang 2012 und Juli 2014 insgesamt 17 Frauen auf Vorstandsposten – sieben von ihnen sind schon wieder weg. Kaum eine ging wirklich aus freien Stücken. Man kann es auch so sagen: Beinahe jede zweite Top-Managerin in Deutschland scheitert.

Von den 168 männlichen Dax-Vorständen sind im selben Zeitraum 42 gegangen, also gerade jeder vierte. Das hat die Münchner Personalberaterin Michaela Bürger nachgezählt. Frauen scheiden an der Spitze von Konzernen also fast doppelt so häufig frühzeitig aus. Und während die Männer – wenn sie nicht aus Altersgründen gehen – meistens in andere Top-Jobs wechseln, verschwinden die Frauen nach ihrem Abschied aus dem Dax weitgehend von der Bildfläche. Manche sitzen noch in ein paar Aufsichtsräten, andere kehren in ihre Heimatländer zurück, nach Österreich etwa oder Italien. Beruflich noch einmal durchgestartet ist keine von ihnen.

Das Scheitern der Frauen ist kein deutsches Phänomen. Auch im Ausland tun sich Top-Managerinnen schwer. 38 Prozent der weiblichen CEOs, die in den vergangenen Jahren aus den 2500 weltgrößten Aktiengesellschaften ausgeschieden sind, gingen unfreiwillig. Bei den männlichen Chefs waren es nur 27 Prozent. Das ergab eine Studie der Beratungsfirma Strategy& (ehemals Booz & Company). Chefs werden seltener aus dem Job gedrängt, bleiben also länger auf ihren Sesseln. Laut der Beratung Simon-Kucher & Partners sind männliche Dax-Vorstände im Schnitt mehr als acht Jahre im Amt, fast dreimal so lang wie ihre Kolleginnen.

Wird die gesetzliche Frauenquote daran etwas ändern, über die in diesen Tagen heftig gestritten wird? Sie soll den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten von 2016 an auf 30 Prozent steigern. Oder ist es sogar umgekehrt: Könnte die Quote etwas mit dem frühen Scheitern von Managerinnen zu tun haben? Und: Wie haben die Frauen selbst ihre Zeit an der Spitze erlebt?

Wer sich auf die Suche nach Antworten begibt, braucht Geduld. In ihren früheren Unternehmen sind die weiblichen Ex-Vorstände nicht mehr anzutreffen, ihre einstigen Assistentinnen geben die neuen Kontaktdaten nicht heraus. Und selbst wenn man ihnen eine private E-Mail schickt oder sie über das Karrierenetzwerk LinkedIn kontaktiert, kommt meistens – nichts. Oder eine Absage.

Die Ex-Postmanagerin Angela Titzrath erklärt sich zunächst zu einem Hintergrundgespräch bereit, macht nach wochenlanger Funkstille dann aber einen Rückzieher. In ihrer Mail heißt es: "Ich bedauere Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich für ein Interview nicht zur Verfügung stehe."

Elke Strathmann (Continental) ruft zwar zurück, aber nur, um eine freundliche Absage auf der Mailbox zu hinterlassen.

Eva-Lotta Sjöstedt (Karstadt) antwortet auf mehrere Nachrichten überhaupt nicht.

Marion Schick (Deutsche Telekom): schweigt.

Barbara Kux (Siemens) bedankt sich für das Interesse über eine Pressesprecherin der Firma Henkel, wo sie im Aufsichtsrat sitzt, und sagt ab.

Luisa Delgado (SAP) lässt ausrichten: Sie kommentiere das Thema nicht.

Angelika Dammann (ebenfalls SAP) antwortet schließlich: "Zeitlich bin ich momentan nicht in der Lage, Ihren Bericht zu unterstützen."