Man möchte es beinahe Voodoo-Politik nennen, was das EU-Parlament gerade mit Google vorhat: den übermächtigen Feind treffen, indem man eine Nadel in den Körper einer Puppe sticht und darauf hofft, dass es etwas bewirkt. Auch wenn man weiß, wie sinnlos das ist. Und wie hilflos.

Das Parlament wolle Google zerschlagen, die Suchmaschine nötigenfalls trennen von allen anderen kommerziellen Aktivitäten des Netzgiganten. Das war Anfang der Woche zu lesen. Mehrere Parlamentarier hätten einen entsprechenden Antrag eingebracht, über den nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe der ZEIT in Straßburg debattiert und dann abgestimmt werden sollte, mit einiger Aussicht auf Erfolg.

Google zerschlagen? Einen Weltkonzern mit Sitz in Kalifornien? Zerlegt ausgerechnet von EU-Parlamentariern?

Absurd, das. Oder Zauberei.

Denn natürlich hat das Europaparlament weder die politische Power noch die Kompetenz, einen solchen weitreichenden Schritt zu beschließen.

Nur war das in Wahrheit auch gar nicht die Absicht des Antrags. In dem Papier kommen weder die Wörter Google noch Zerschlagung vor. Es ist kein Beschluss, es ist nur ein Appell: Die Parlamentarier wollen die EU-Kommission auffordern, man könnte auch sagen: antreiben, endlich mit der Kartellkontrolle im Suchmaschinenmarkt ernst zu machen und sich notfalls auch mit Google anzulegen, da das Unternehmen ziemlich nahe an die Rolle eines Monopolisten herankommt. Rein rechtlich könnte die Kommission das auch, aber sie ziert sich, sie verhandelt vor und zurück, sie traut sich ziemlich wenig zu. Oder sie will nicht.

Wenn der – nicht bindende – Antrag also ein Nadelstich ist, dann einer in den, pardon: Hintern der EU-Kommission. Wir schauen euch auf die Finger, sagen die Abgeordneten, unsere Geduld ist endlich. Wir wollen mehr Entschlossenheit sehen.

Und auch das ist schon eine ganze Menge, wenn man bedenkt, mit welcher Lobbymacht die Internetkonzerne in Straßburg und Brüssel unterwegs sind, um genau solche Debatten und Anträge zu verhindern.

Selbstermächtigung – das war das Stichwort nach der letzten Wahl zum Europaparlament. Die kontinentale Volksvertretung wollte mutiger werden und durchgreifender. Irgendwo muss man damit beginnen und irgendwie. Womöglich sogar mit Nadelstichen. Jedem Zauber wohnt ein Anfang inne.