Der Hangar 2 am ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof ist eine Halle mit alten Stahlträgern, rohen Wänden und so viel Platz, dass Riesen darin auftreten könnten. Es gibt keinen Ort, der besser passt zu dem Anspruch, den Massen zu gefallen und trotzdem Avantgarde zu bleiben.

Jetzt aber steht der größere der beiden Retter des deutschen Fernsehens im Hangar zwischen kreisenden weißen und blauen Lichtkegeln und zupft sich besorgt die Barthaare. Was ihm gestern noch gigantisch vorkam ("Ein MTV-Studio würde hier 200-mal reinpassen! Wahnsinn!"), beunruhigt ihn heute: Ist es vielleicht zu groß? Hallt es zu sehr?

Der kleinere der beiden Retter des deutschen Fernsehens hat wie so oft zu wenig geschlafen, seine Augenringe, tief und dunkel, erzählen von der Anstrengung, die es kostet, lustig zu sein. Auch er macht sich Sorgen. Das Tor des Hangars wird sich mit einem Alarmschrillen öffnen, sie werden durch einen Vorhang aus Licht schreiten und über einen Catwalk aus Plexiglas in dieses gigantische Studio einziehen, und dann, wenn der Zuschauer die ersten Gags erwartet – ist keine Zeit für Gags. Dann müssen sie die Spielregeln erklären.

Wird der Zuschauer das aushalten?

Wenn es gut läuft, werden zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren die Sendung sehen. Der kleinere der Retter sagt, dass er sich über die Quote keine Gedanken macht. Dass eine Samstagabendshow pro Sendung im Schnitt 700.000 bis 800.000 Euro kostet, dass er daran aber jetzt nicht denkt. Er will es locker nehmen – und ist sich doch bewusst, dass der hochgeschraubte Anspruch der siamesische Zwilling des schnellen Erfolgs ist. Um den Titel "Retter des Fernsehens" haben sie sich nicht beworben. Er ist ein riesiges Kompliment – und eine Gefahr für die Karriere.

Heute also: die letzte, "heiße" Probe vor der Aufzeichnung der Show Mein bester Feind, die am 6. Dezember auf ProSieben zum ersten Mal laufen wird. Es soll der nächste Aufschlag von Joko Winterscheidt (dem Großen) und Klaas Heufer-Umlauf (dem Kleinen) werden. Joko und Klaas werden von den Kritikern als die neuen Superstars des deutschen Fernsehens gefeiert. Keine Bühne, auf der sie nicht mit dem Hinweis begrüßt würden, sie seien "die originellsten Köpfe", die "Hoffnung", die "größten Talente" der Branche. "Wenn Leute unter zwanzig überhaupt noch TV gucken, dann wegen Joko und Klaas", hieß es kürzlich im ZEIT- Feuilleton.

Das Fernsehen ist in einer Verteidigungsposition. Der Vorwurf lautet, es sei nicht mehr innovativ, nicht mehr jung, nicht mehr unterhaltsam. Es gibt Quiz-, Ranking-, Koch-, Casting- und Talkshows und ansonsten die Wiederbelebung von Dalli Dalli aus den Siebzigern. Es gibt aber auch zwei Moderatoren, die eine Idee vom modernen Fernsehen zu haben scheinen: Sie sind wild, sie haben keine Angst, und sie machen alles anders. Vor allem machen sie eine Menge Quatsch.

Joko und Klaas, das sind: ein nicht ganz fertig ausgebildeter Werbekaufmann und ein gelernter Friseur, die sich in ihren Sendungen Circus HalliGalli und Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt gegenseitig reinlegen und einander Mutproben stellen. Jungshumor. Pubertätsspäße vor Millionenpublikum. Für das Duell um die Welt lässt Klaas, mit einer hauchdünnen schusssicheren Weste bekleidet, in Bogotá auf sich schießen. In Kanada wird Joko der Mund zugenäht. Auf den Bahamas steigt Klaas zu Haien ins Meer. In Österreich wird Joko lebendig begraben. Wenn Joko und Klaas Poker spielen, dann sind der Einsatz Buttertäfelchen, die sie aufessen müssen. Dass einer kotzt, ist immer eingeplant. Fress- und Ekel-Mutproben gehören zu ihrem Repertoire, genauso wie das Runterspringen aus höchsten Höhen und das Besaufen vor der Kamera.

Man kann es so formulieren: Was Joko und Klaas machen, ist Trash. Oft ist es aber auch: ein riesiger, intelligenter Spaß mit dem Unintelligenten. Deshalb haben sie den Echo bekommen, den Deutschen Fernsehpreis, den Deutschen Comedypreis, den Grimme-Preis.

Berlin im Mai, ein Montag. Montags produzieren Joko und Klaas ihre wöchentliche Show Circus HalliGalli. Gerade ist Pause, im Cateringzelt des Studios trinkt Joko eine Tasse Cappuccino, Klaas eine Dose Red Bull. Sie haben um ein Kennenlerntreffen gebeten, um zu entscheiden, ob sie sich von der ZEIT begleiten lassen. Vielmehr: Klaas will entscheiden. Joko, nicht ganz bei der Sache, tippt auf seinem Handy herum. Joko sieht das Problem nicht. Klaas aber ziert sich. "Ich habe das Gefühl, wir sind zurzeit mehr in der Zeitung als im Fernsehen. Das ist nicht gut", sagt er. Er will nicht zu einem dieser Gesichter werden, die nerven. "Das Schlimmste wäre, wenn die Leute sagen: Früher waren die mal witzig."

Du musst dich rarmachen! Das ist die erste Lektion, die Showmenschen in ihrer Karriere lernen. Bloß nicht zu früh dran sein. Ein paar Wochen später, eine Stunde vor einer Preisverleihung im Münchner Prinzregententheater, wird Klaas sagen: "Es gibt nichts Schlimmeres, als bei so einem Roten-Teppich-Dings noch mal um den Block fahren zu müssen, weil noch keiner da ist." Die Leute sollen auf einen warten. Das Problem ist: Das Wesen des Showmenschen besteht darin, raus auf die Bühne zu wollen. Er will ja gesehen werden.

Und so gibt auch Klaas nach zwei Stunden Gespräch sein Okay. Die Bedingung der beiden: keine Homestory.

Sie haben sich für einen Beitrag bis auf die Unterhose ausgezogen und filmen lassen, wie ein Schönheitschirurg mit Filzstift ihre Problemzonen markiert. Aber es wäre ein zu großes Risiko, wenn man schriebe, wie es bei ihnen zu Hause aussieht und wie sie sich als Familienvater geben.

Das ist nicht absurd, das ist klug. Es zeugt davon, dass sie Angst haben, verletzlich zu werden, auch wenn ihre Sendungen manchmal anderes vermuten lassen.

Unterhaltung ist nicht das leichte, sondern das schwere Fach. Man spürt das an der Härte, mit der in Deutschland über die Qualitäten von Unterhaltungsmoderatoren gestritten wird. Wenn der Zuschauer sich nicht gut unterhalten fühlt, kann er ernsthaft böse werden. Viel böser, als wenn er schlecht informiert wird. Kann man sich etwa vorstellen, dass ein, sagen wir: Moderator der Tagesthemen oder des heute-journals mit einer solchen Inbrunst fertiggemacht wird wie der Wetten, dass..?- Showmaster Markus Lanz?

Fernsehkarrieren sind schnell vorbei, derselbe Witz, über den die Welt sich heute totlacht, kann sie morgen zu Tode langweilen. Das wissen Joko und Klaas. Sie werden trotz ihrer 35 und 31 Jahre noch immer als Nachwuchstalente gehandelt, sind aber schon seit zehn Jahren im Geschäft. Genug Zeit, um die Mechanismen der Branche zu überblicken. Irgendwann werden sie von der höchsten Brücke gesprungen sein, werden sie die ekligsten Sachen gegessen, die heftigsten Schmerzen ausgehalten haben. Irgendwann wird das Höher, Krasser, Absurder nicht mehr zu steigern sein. Irgendwann werden sie ihren Körper ruiniert haben. Oder keiner will sie mehr sehen. Es sei denn, sie haben eine neue Idee.

Rudi Carrells Laufendes Band passte zum Konsumrausch der siebziger Jahre, Frank Elstner in seiner Ausgeglichenheit funktionierte bestens im Kalten Krieg, in dem man sich nach Balance sehnte, Thomas Gottschalk verkörperte die Sorglosigkeit der Neunziger.

Alle Sendungen von Joko und Klaas drehen sich um Kontrollverlust

Alle Sendungen von Joko und Klaas drehen sich um Kontrollverlust. Denn das ist unsere größte Angst heute: die Kontrolle zu verlieren, der Peinlichkeit ausgeliefert zu sein. Joko und Klaas zeigen: Auch wenn man sich dabei möglicherweise die Rippe bricht oder die Schulter prellt, man kann es überleben. Darin besteht die Katharsis. Die Aussicht auf Läuterung, auf seelische Reinigung sollte schon das antike Publikum in die Arenen treiben. Das älteste aller Erzählprinzipien funktioniert noch immer – und im Fall von Joko und Klaas besonders gut, weil die beiden den Kontrollverlust sehr kontrolliert inszenieren.

Köln, ein Sommertag, von dem man in der dunklen Studiohöhle wenig spürt. Drinnen wird gerade Das Duell um die Welt aufgezeichnet. Der Ertrag aus vier Wochen Reisen rund um den Globus, in fremde Länder, wo Joko und Klaas gesiegt und versagt haben, wird im Laufe einer Woche zu drei Folgen zusammengebaut.

Vorn auf der Bühne läuft ein Einspieler: Joko soll einen Halo-Jump vollführen. "Halo", das steht für "High altitude, low opening". Joko, der Höhenangst hat, soll 12.000 Meter über Lake Elsinore in den USA mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug springen. Da oben verkehren normalerweise Langstreckenflieger. Umgebungstemperatur: minus 50 Grad. Fallgeschwindigkeit: 300 Stundenkilometer. Erst nach zwei Minuten freiem Fall soll der Schirm sich öffnen.

Auf dem Monitor sieht man nun Joko in einem Spezialanzug und mit einer Sauerstoffmaske im Flugzeug sitzen, er ist an seinem Tandempartner festgeschnallt, einem ehemaligen Navy Seal. Man sieht, wie Joko mit den Händen an seiner Maske herumfuchtelt und wie er dann – nicht mehr fuchtelt. Joko ist ohnmächtig. Der Sauerstoff war zu schnell verbraucht, weil Joko vor Nervosität zu schnell geatmet hat, heißt es im Film. Der echte Joko vergräbt den Kopf in den Händen. Er will diese Bilder nicht noch mal sehen. Obwohl sie einen entscheidenden Teil nicht zeigen.

Vor der Studiotür sitzt Tom Hangarter, der Stuntkoordinator, mit einem Kollegen beim Kaffee. Hangarter, der die Sicherheit der Studiospiele überwacht, ist gut gebucht. Seit ein paar Jahren laufen die Geschäfte blendend. Hangarter wird jetzt nicht nur für Serien und Filme engagiert, sondern auch für Unterhaltungsshows: Big Brother, Elton zockt, Das Supertalent. Alles soll immer spektakulärer aussehen. Aber natürlich soll es absolut ungefährlich sein. Für die meisten seiner Kunden sei ein blauer Fleck schon ein Drama, sagt Tom Hangarter. Bei Joko und Klaas sei es anders. "Die trauen sich was." Die müsse er eher bremsen. Doch an jenem Tag in Lake Elsinore war Tom nicht dabei.

Die Geschichte, die auf dem Bildschirm im Studio nicht zu sehen ist, geht so: Auch Jokos Tandempartner, der Navy Seal, war ohnmächtig. Weil der so einen Sprung schon unendlich viele Male absolviert hatte, hatten sie auf den Stuntkoordinator verzichtet. Und dann hatte der Exsoldat sich mit dem Sauerstoffgemisch vertan. Auf dem Flug nach oben war nicht nur Joko bewusstlos, sondern auch der Mann, der auf ihn aufpassen sollte. Joko kann froh sein, dass seine Lunge nicht kollabiert ist, dass er keinen Gehirnschaden hat. Nach dem verunglückten Dreh verordnete ihm der Arzt vier Tage am Boden. Er hat sich geschworen, nie wieder ohne seinen Stuntman auf solche Drehs zu gehen.

Man hätte erwarten können, dass eine Redaktion, die stets auf der Suche nach den eindrucksvollsten Bildern ist, den Kontrollverlust genüsslich auserzählt. Sie hat es nicht getan, weil nur die kleine Furcht unterhaltsam ist, das Spiel. Die existenzielle Angst ist es nicht.

Joko und Klaas arbeiten seit ihren Anfängen als Duo mit derselben Redaktion, zu der auffallend viele bärtige Männer gehören. Vor fünf Jahren haben Joko, Klaas und ihre Truppe sich gefunden, als sie für den Musiksender MTV die Show MTV Home erfanden. Später, beim Sender ZDFneo, entwickelten sie ihr Konzept weiter. Jetzt, bei ProSieben, machen sie im Grunde immer noch das Gleiche, bloß dass sie nun mit viel mehr Geld für ein viel größeres Publikum viel mehr Sendungen produzieren.

Wenn sie bei ZDFneo 100.000 Zuschauer hatten, schickte der Chef Champagner. Heute können zehnmal so viele Menschen unter Umständen nur acht Prozent der Zuschauer ausmachen – ein schlechter Schnitt für eine Circus HalliGalli- Sendung.

Wie unterhält man die Masse? Wie funktioniert Humor für Millionen? Und muss man, wenn man die Masse erreichen will, entweder so beliebig werden wie Jörg Pilawa oder aber so verschroben wie Harald Schmidt?

Als die bärtigen jungen Männer zu ProSieben kamen, dachten sie, sie müssten nun mainstreamiger sein. Dafür bekamen sie ein paar üble Kritiken und wurden noch nicht mal mit guten Quoten entschädigt. Spiegel Online überschrieb einen Artikel mit Circus Langiweili, den Namen des Autors weiß Klaas noch heute. Die Redaktion von Joko und Klaas hat sich dann darauf besonnen, einfach das zu machen, was ihr gefällt.

Die bärtigen jungen Männer sind Nomaden, mal schlagen sie ihre Zelte im HalliGalli- Studio in Berlin auf, mal in Köln, wo das Duell aufgezeichnet wird, mal sind sie, wie jetzt, im Büro von Florida TV, der Produktionsfirma von Joko und Klaas, in einem Loft im tiefen Berliner Osten. Die Schreibtische von Joko und Klaas: unter Post und Geschenken begraben und unbenutzbar, ihr Arbeitsplatz sind Redaktionssofa und Konferenzraum. Inzwischen ist es November geworden. Die Duell-Folgen sind fertig, jetzt dreht sich fast alles um die neue Show Mein bester Feind. In einer Woche beginnen die Proben. Dann wird ein Nomadengrüppchen ein Büro im Hangar beziehen.

Am Konferenztisch sitzen unter anderem: der Autor, der die Moderationstexte für Joko und Klaas schreibt, der zuständige ProSieben-Programm-Manager, der Executive Producer der Sendung. Und es liegt eher in seinem Stuhl, als dass er darauf sitzt: Klaas.

"Wie geht’s?", fragt Benedikt Nordmann, der ProSieben-Manager.

"Ich warte auf die einsetzende Ohnmacht", sagt Klaas. Am Abend davor war er in München bei der Talkshow Pelzig hält sich eingeladen, danach noch ein Bier, vielleicht auch mehr, am Morgen zurück nach Berlin, am Abend soll er schon wieder in Köln sein. Jetzt ist die Frage: Will der Zuschauer gesiezt oder geduzt werden?

"Siezen, das ist stilvoll!", sagt Jakob Lundt, der Autor. Lundt ist sozusagen das Sprachzentrum im Gehirn von Joko und Klaas. Er kennt die beiden bis in den Satzbau hinein. Er schreibt, was sie sagen sollen. Sie sagen, was er schreiben soll. So genau lässt sich das nicht auseinanderhalten. Im Studio siegt oft die Spontaneität.

"Duzen", sagt also Jakob Lundt, "hat was von Jugendfernsehen."

Klaas: "Aber sobald ich bei HalliGalli das Publikum sieze, hat es was Ironisches."

Der ProSieben-Manager Nordmann: "Na ja, es wäre gut, wenn wir neben der Million, die bei HalliGalli zusieht, noch ’ne Million mehr hätten."

Lundt: "Also, meine Mutter will gesiezt werden. Der Samstagabend ist was Feines."

Klaas brummelt was, das nach Zustimmung klingt.

Nordmann: "Und was für Klamotten tragt ihr?"

Klaas rappelt sich auf, bis er halbwegs aufrecht sitzt. Er schaut an sich runter. "So wie jetzt halt: ordentliche Stoffhose und Hemd. Wie wenn man zu ’nem wichtigen Abendessen geht, es aber nicht übertreiben will."

Öffentlich-rechtliche Sender ringen darum, ihr Publikum zu verjüngen. Bei ProSieben geht es ums Gegenteil: Die Schulhöfe regieren Joko und Klaas schon. Jetzt müssen sie für die Älteren – für die 30- bis 49-Jährigen – attraktiv werden.

"Es war nie beabsichtigt, dass wir eine Marke werden"

Der Vorgesetzte von Programm-Manager Nordmann ist Hannes Hiller. Er ist der Comedy-Chef von ProSieben, über ihm steht nur noch der Geschäftsführer. Hiller und der Geschäftsführer entscheiden darüber, ob es bei den zwei Folgen Mein bester Feind bleibt, die sie jetzt produzieren, ob es danach weitergeht – oder ob, schlimmstenfalls, die zweite Folge gar nicht mehr ausgestrahlt wird. So etwas kann passieren, falls sich keine Werbekunden für eine Sendung finden. Eine Show soll im Privatfernsehen nur in zweiter Linie unterhalten. Vor allem soll sie Geld einspielen.

Hiller ist ein kleiner, glatt rasierter Mann, der die Sprache der Zahlen spricht. Mit ruhigen, gesetzten Worten erklärt er das Geschäft der Unterhaltung. 50 Prozent der Menschen, die sich an einem Samstagabend vor den Fernseher setzen, seien "showaffin", sagt Hiller. An dem Abend, an dem Mein bester Feind zum ersten Mal zu sehen sein wird, laufen parallel noch drei andere Shows: Das Supertalent auf RTL wird 22, vielleicht 25 Prozent holen, dagegen kann man wenig ausrichten. Bleiben also 25 bis 28 Prozent, um die sich die Ein Herz für Kinder- Gala des ZDF und Frag doch mal die Maus der ARD balgen – und Mein bester Feind.

Wie Hiller es erklärt, erscheint alles logisch und konsequent. Kein Irrsinn, kein Kontrollverlust, bloß Zahlen und Schlussfolgerungen. Im Kampf um die Quote spielen die Zuschauer zwischen 30 und 49, die Hiller "die Älteren" nennt, eine Schlüsselrolle. Das hat mit der Demografie zu tun. Es gibt, im ganzen Land wie in der Stichprobe der Menschen, die für die Quotenerhebung befragt werden, viel mehr 30- bis 49-Jährige als 14- bis 29-Jährige. Man braucht deshalb vergleichsweise viele Junge, um die Gesamtquote zu heben. Man kann aber denselben Effekt auch mit relativ wenigen Alten erzielen: Um die Quote beispielsweise von elf auf zwölf Prozent zu steigern, muss man entweder den Anteil der Jüngeren um sieben Prozentpunkte ausbauen – oder den der Älteren um drei. Ältere Zuschauer sind also für Joko und Klaas besonders wertvoll.

Deshalb freut es Hiller, wenn sie bei Circus HalliGalli auch mal Anspielungen machen für Freunde des politischen Dokumentarfilms . Als kürzlich ein Berliner von einer Überwachungskamera der U-Bahn beim Sex am Bahnsteig gefilmt wurde, fahndete die Redaktion wochenlang nach dem "U-Bahn-Ficker". Klaas’ Interview mit dem Mann war dann, von der Kulisse über das Licht bis zur Kameraeinstellung, in allen Details einem preisgekrönten Interview mit Edward Snowden nachempfunden.

Und jetzt die neue Samstagabendshow. "Ein amtliches Samstags-Eventprogramm ist nie verkehrt, um Seriosität reinzubringen", sagt der Comedy-Chef Hiller. Seriosität zieht bei den Älteren. Die Gefahr bei dieser Strategie ist: "Sobald wir in der Programmansprache zu alt werden, vergraulen wir die Jungen."

Joko und Klaas müssen die Alten gewinnen und dürfen die Jungen nicht verlieren – und sich selbst auch nicht. Wenn sie das schaffen, wird es die Meisterleistung ihrer Karriere.

Sich selbst nicht zu verlieren in einem Geschäft, das aus Rollenspiel besteht, ist nicht einfach, vor allem nicht, wenn man als Duo eine Marke darstellt. Was wäre Joko ohne Klaas, was wäre Klaas ohne Joko?

Ihre gemeinsame Geschichte begann, als ihre Einzelkarrieren schon fast zu Ende zu sein schienen. Klaas war gelangweilt von den Personalityshows, die er bei Viva moderierte, Joko war bei MTV unter Vertrag, aber es gab gerade nichts für ihn zu tun. MTV und Viva waren in der Krise. Man wusste noch nicht mal, wie lange es die Sender, die beide zum selben Konzern gehörten, noch geben würde. Es sah nicht gut aus. Da schlugen ihnen die Programmmacher vor, sie sollten doch gemeinsam was versuchen. Zwei Typen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, in ein Studio eingesperrt. Und die Verantwortlichen hatten zu viel mit der Zukunft des Ladens zu tun, um sich in die Sendung einzumischen. So entstand MTV Home, die Blaupause zu all den Sendungen, die die beiden heute machen.

Joko und Klaas, 1,90 groß und 1,77 klein, der Sport- und Autobegeisterte und der Nachdenkliche, Intellektuelle, funktionierten von Anfang an glänzend miteinander. Joko, Dampfplauderer schon damals, wunderte sich über Klaas, der seine Moderationstexte vorformuliert hatte. Klaas wunderte sich über den Kerl mit der lauten Lache. Gemeinsam wunderten sie sich über ihren Erfolg.

Es ist nicht so, dass die beiden sich nach fünf gemeinsamen Jahren abends auf ein Bier treffen würden. Sie haben es mal mit einer Kaffee-und-Kuchen-Verabredung am Wochenende versucht, aber dann wussten sie nicht, was sie sich erzählen sollten. Sie haben es nicht wiederholt.

Ihre Partnerschaft soll weiter gut funktionieren. Dafür brauchen sie manchmal Abstand, privat und auch beruflich. Sie brauchen genau die Distanz, die ihre Nähe nicht zerstört.

"Es war nie beabsichtigt, dass wir eine Marke werden", sagt Joko. "Jetzt müssen wir gucken, dass wir die Marke nicht verletzen."

Es ist ein Samstagmorgen im Herbst, und Joko testet, wie es wäre, nicht eine Hälfte des Duos Joko und Klaas zu sein. Er trägt einen dunkelblauen Nadelstreifen-Dreiteiler, die Haare, die sonst ins Gesicht hängen, nach hinten gegelt, ein aufgeklebtes Adler-Tattoo am Hals und eine falsche Rolex am Handgelenk. "Ich bin beruhigt, zu sehen, dass es gut aussieht", sagt Joko, und man sucht nach der Ironie, die sonst in seinen Sätzen mitschwingt.

Kürzlich saß Joko im Flugzeug, auf seiner Duell-Reise unterwegs von Dubai nach Neu-Delhi. Auf dem Bildschirm vor ihm lief Vaterfreuden, eine Komödie von Matthias Schweighöfer. Der Schauspieler und Regisseur Schweighöfer, der Entertainer und Moderator Winterscheidt – es ist schwer zu sagen, wer von beiden stolzer darauf ist, den anderen zum Freund zu haben. Noch im Flugzeug schrieb Joko eine SMS an Schweighöfer: "Matti, ehrlich: Das spiel ich Dir auch noch!" Deal.

Jetzt also hat Joko seine erste Filmrolle: Er spielt August, Teilhaber einer Immobilienfirma, die in Berlin ein Wohnhaus plattgemacht hat. Der Nanny soll der Film heißen, "Der", weil ein männlicher Kinderaufpasser darin eine zentrale Rolle hat. Im Frühjahr ist der Kinostart. Joko wird darin keine Hauptrolle spielen, aber eine der wichtigeren Figuren. Der Produzent Dan Maag sagt: "Mit einem Namen wie Joko Winterscheidt hat man es bei der Vermarktung und der Finanzierung gleich leichter." Er hofft, dass sie die Drei-Millionen-Zuschauer-Marke knacken.

Matthias Schweighöfer und Joko haben sich vor acht Jahren kennengelernt. Sie wohnen im selben Haus in Berlin, aber sie hatten nichts miteinander zu schaffen, bis Schweighöfer einmal Interviewgast in Jokos MTV-Sendung Total Request Live war. Bevor es losging, fragte Schweighöfer: "Warum sagst du nie Guten Tag?" Seitdem sind sie Freunde, seit 2009 haben sie zusammen eine Modefirma, gegründet vor allem als Exit-Option. Falls ihre Karrieren nicht mehr so laufen.

Im Augenblick läuft es eher so, dass sie Gastrollen im Berufsleben des anderen spielen. Matthias Schweighöfer ist dauernd zu Besuch in den Sendungen von Joko und Klaas. Einmal kam er ins HalliGalli- Studio, und Joko und Klaas hatten ein Trinkspiel vorbereitet: Wer lacht, muss einen Wodka kippen. Dafür gab es eine Beanstandung der Kommission für Jugendmedienschutz. Es war eine Art amtliche Bekanntmachung: Diese Sendung ist "entwicklungsbeeinträchtigend", also spannend für Jugendliche. "Wenn wir nicht ab und zu so eine Rüge kriegen würden, dann würden wir was falsch machen", sagt Joko.

Am Nanny- Filmset, einer Brache an der Spree in Berlin, hat Joko einen Wohnwagen für sich, gleich neben dem von Regisseur und Hauptdarsteller Schweighöfer. Fröhlich-verwundert in seinem Wohnwagen schaukelnd, sagt Joko: "Klar bin ich hier, weil ich ein guter Freund von Matthias bin."

Joko hält sich nicht für einen herausragenden Schauspieler. Er hat auch nicht die Vision, eines Tages einer zu werden. Es ist einfach so, dass Joko nicht versteht, warum er eine Chance, die sich ihm bietet, ausschlagen sollte. Seine Karriere passiert ihm eher, als dass er sie plant. Bisher ist es noch immer gut gegangen. Warum nicht August, der Immobilientycoon, sein?

"Joko hat keinen Schiss", sagt Matthias Schweighöfer in einer Drehpause, "der hat einfach keine Angst!"

Schweighöfer legt den Arm um die Schulter seines Freundes und führt ihn übers Set. Jokos Aufgabe für Szene 130/4: gemeinsam mit Schweighöfer in einem martialischen Geländewagen der Marke Hummer, Kennzeichen B-XL 899, über die Brache fahren, aussteigen, einmal an seinen Manschetten zupfen, eine Blondine im schwarzen Cocktailkleid begrüßen. Alles gefilmt von einer Drohnenkamera, die wie ein absurd großes Insekt über dem Set schwebt und die Geräuschkulisse eines Bienenschwarms über die Szenerie legt. "Das ist wie damals mit 18", sagt Joko: "In Spanien unterwegs im Bulli, und man wünschte sich, man könnte einmal den Gegenschuss im Kino sehen."

Die immerwährende Suche nach dem, was die Menschen sehen wollen

Jetzt sieht er ihn, auf einem kleinen Monitor in einem Zelt am Rande des Sets. Schweighöfer ruft: "Ey, das ist ja richtig geil! Stell dir das mal auf ’ner 30-Meter-Leinwand vor!" Die Blondine ruft: "Fantastisch!" Joko vergisst für einen Moment das Reden, was ihm selten passiert. Dann sagt er: "Wenn man mich zu sehr lobt, werd ich schludrig. Dann bring ich nicht die Qualität."

Diese Schwäche von Joko ist es, weshalb Klaas so wertvoll für ihn ist. Klaas, der ihn manchmal nervt mit seinem ständigen Noch-mal-Überlegen.

Joko will bei allem, was er tut, spielen, Spaß haben. Vielleicht, obwohl er selbst diese Deutung bestimmt für überinterpretiert hielte, will er sich ein Stück Kindheit zurückholen. Die Kindheit, die trostlos war, weil seine Mutter an Krebs starb, als er sechs war. Schwer hatte er’s lange genug. Jetzt reichen ihm Anlässe zur Freude, die anderen banal erscheinen mögen. Zum Beispiel hat Joko ein Faible für die Formel 1. Als er im Sommer für RTL eine Moderation aus dem Fahrerlager in Monaco übernehmen durfte, war das für ihn die Erfüllung eines lange gehegten Traums. Er weiß, dass manche, auch Klaas, das belächeln. Ist ihm egal.

Klaas interessiert sich nicht für Sport und auch nicht für Rennwagen. Er interessiert sich – was man von einem, der es lustig findet, mit einer Pimmelattrappe in einer Tasse Tee zu rühren, eher nicht erwartet – für Politik, Literatur, Theater. Klaas hat kein Abitur, und er hat nicht studiert. Früher machte ihm das was aus. Und heute? Liest er halt. Sein Freund Heinz Strunk, Autor von Fleisch ist mein Gemüse, schleppt ihm Bücher an, wenn er findet, dass Klaas etwas kennen sollte. Also liest Klaas die Tagebücher von Fritz J. Raddatz mit dem Buch auf dem Schoß am Computer, damit er googeln kann, wer all diese Menschen aus Raddatz’ Welt sind.

Wenn Spaß für Joko das Ziel ist, dann scheint er für Klaas eher ein angenehmer Seiteneffekt seines Lebens zu sein. Klaas hat den Ehrgeiz, schlauen Leuten zu gefallen. Und so wie Joko stolz ist auf seine Freundschaft mit Matthias Schweighöfer, so ist Klaas stolz auf seine Kontakte zur SPD.

Ein Freitag Ende Mai. Diesmal: Klaas ohne Joko. Klaas soll beim Bayerischen Fernsehpreis im Münchner Prinzregententheater eine Laudatio auf Palina Rojinski halten, die als Sidekick in MTV Home angefangen hat und jetzt eine eigene Show auf ProSieben hat. Und nebenbei soll Klaas mit seiner Band Gloria auftreten, denn er singt jetzt auch noch. Klaas ist im VIP-Shuttle unterwegs von der Generalprobe zum Hotel. Noch mal ausspannen, nicht zu früh zum roten Teppich kommen. Er hat nichts gegen Rote-Teppich-Termine. Nur würde er nie als Leihgesicht zu einer Shoperöffnung gehen. Es gibt diese Angebote. Eine fünfstellige Summe bloß dafür, dass er sich bei einem Event einer großen Marke blicken lässt. Er müsste noch nicht mal ein Wort sagen.

Klaas plaudert über die aktuelle Politik. "Es ist ja allgemein bekannt, dass ich der SPD nahestehe", sagt er. Es begann damit, dass er im Herbst 2009 ein Juso-Konzert gegen Rechts moderierte. Dort lernte er ein paar SPD-Leute kennen. Wenig später rief Franz Münteferings Büroleiter bei Klaas an. Er bat um Unterstützung. Der damalige SPD-Vorsitzende war bei TV total eingeladen, der Sendung von Stefan Raab, dem damals amtierenden Fernsehretter, der den Körpereinsatz des Moderators in der Abendunterhaltung etabliert hat. Münteferings Büroleiter hatte keine Ahnung, was den Chef da erwartete. Ob Klaas ein paar Tipps geben könne? Und dann flog Klaas im Jet mit Münte zur Sendung. Klaas findet, Müntefering habe das gut gemacht. Vor allem sei er dem jungen Publikum gegenüber nicht ranschmeißerisch gewesen.

Vier Jahre später war Klaas selbst zum Retter des Fernsehens geworden und lud den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zu Circus HalliGalli ein. Die Folge macht den Comedy-Chef heute noch glücklich, weil sie die Sendung in Kreisen ins Gespräch brachte, die davor noch nichts von Joko und Klaas gehört hatten. Ansa Seidenstücker, Klaas’ Manager, freute sich auch. Er stellt sich vor, dass Klaas’ Karriere einmal der von Günther Jauch ähneln könnte. Der kam auch von der Unterhaltung und landete bei der großen Politshow.

Während Klaas auf dem roten Teppich vor dem Prinzregententheater mit seiner Freundin, der österreichischen Moderatorin Doris Golpashin, abgelichtet wird, hat seine Band den Hintereingang genommen. Gloria, das sind im Wesentlichen Klaas und sein Freund Mark Tavassol, der ehemalige Bassist von Wir sind Helden. Im vergangenen Jahr haben sie ihr erstes Album herausgebracht. Independent Rock. Gitarrenriffs, nachdenkliche deutsche Texte über Freundschaft, die Nacht, den Regen.

In der Garderobe erzählt Mark Tavassol von ihrem ersten Konzert. Es war beim Reeperbahn-Festival in Hamburg, das Album war noch nicht draußen, sie waren erst nach Mitternacht dran, das Publikum saß brav auf Stühlen. Tavassol sagt: Es gibt einen Regler, den kann man verstellen von "Man selbst sein" auf der einen Seite bis "Sicher da rauskommen" auf der anderen. Bei diesem Konzert sei der Regler bei "Sicherheit" gewesen. "Es ist gefährlich, man selbst zu sein", sagt Mark Tavassol. Aber wenn man gut sein will, muss man es wagen.

Das Album verkauft sich ordentlich, die Kritiken sind freundlich. Klaas’ Band hat mittlerweile 29 Konzerte gegeben. Joko war bei keinem einzigen. Wäre Klaas enttäuscht, würde er es nicht sagen. Im Moment funktionieren sie miteinander viel zu gut, um aufzuhören, ein Duo zu sein.

Das Leben als Joko und Klaas läuft auf höchsten Touren. Manchmal haut Klaas das, was er essen will, einfach in den Mixer, damit er es schnell runterschütten kann. Und Joko hat längst aufgehört, seine Mailboxnachrichten abzuhören. Aber beide wissen: Irgendwann wird es zu Ende sein. Klaas sagt: "Man darf den Hype nicht ernst nehmen. Man muss verstehen, dass man nicht als Person gemeint ist, sondern als die Figur in diesem Moment. Dann kann man auch leichter mit Kritik umgehen."

Mit den Quoten des Duells um die Welt ist der Sender zufrieden. Zwischen 15 und 19 Prozent. Die Zahlen für Circus HalliGalli, die Joko und Klaas jeden Dienstagmorgen per SMS bekommen, sind manchmal gut, manchmal miserabel. Schlechte achteinhalb Prozent waren es in der vorletzten Woche, passable 10,5 in dieser. Im Schnitt liegen sie bei zehn bis 13 Prozent.

So etwas wie einen Bestandsschutz gibt es in der Branche nicht, nicht mal für Hoffnungsträger. Es gibt nur: die immerwährende Suche nach dem, was die Menschen sehen wollen.

Was will das Publikum? Schwerer zu begreifen als der Fernsehzuschauer ist vielleicht nur der Internet-User. Joko und Klaas verstehen den Erfolg der jungen Internethelden nicht, deren Videos von mehreren Hundert Millionen Nutzern angeklickt werden: Kerle wie HerrTutorial, der Schminktipps gibt und Avocado-Gesichtsmasken testet. Zu den meistabonnierten YouTube-Kanälen gehört der des Comedy-Trios Y-Titty mit seinen klamaukigen Songparodien. Klaas und Joko könnten daran verzweifeln, wie so konventioneller Witz so erfolgreich sein kann. Selbst Joko und Klaas, die als die Zukunft des Fernsehens gelten, begreifen nicht mehr alles, was in der Welt der Unterhaltung an Neuem passiert. Liegt es an den Jungen? Oder liegt es an ihnen, an Joko und Klaas? Vielleicht ist es wirklich bald Zeit für sie, erwachsen zu werden? "Mit 40 will ich das Duell nicht mehr machen", sagt Joko.

Im Hangar sind sie fast fertig mit den Proben. Es ist dunkel geworden, weiße und blaue Linien aus Licht unterteilen die Halle in mehrere Räume. Es sieht aus, als befände man sich mitten in einem riesigen Computerspiel.

Mein bester Feind war ursprünglich eine Rubrik aus der wöchentlichen Circus HalliGalli-Sendung. Die Samstagabendshow ist ein Spin-off. Neu im Vergleich zu den bisherigen Sendungen von Joko und Klaas ist: Nicht sie selbst haben die Mutproben zu bewältigen, sondern es sind ganz normale Jedermänner, die einem Freund eine halsbrecherische Aufgabe stellen, die der zum Beweis der Freundschaft erfüllen muss.

Das Grüppchen der bärtigen Männer versammelt sich rund um einen Monitor am Boden. Der ProSieben-Manager ist auf die Knie gegangen, neben ihm steht der Comedy-Chef Hannes Hiller.

Auf dem Bildschirm sieht man, wie einer der Versuchskandidaten, die die Studiospiele ausprobieren, schwankend auf einem Plexiglassteg steht. Der schmale Steg hat kein Geländer, er hängt auf zwölf Meter Höhe unter der Hangardecke. Darauf ist Wischwasser ausgekippt, ein paar Hindernisse sind aufgestellt. Der Versuchskandidat, der jetzt darüberbalancieren soll, wurde 30-mal im Kreis gedreht. Nur wenn es schwierig ist, ist es interessant für die Kamera.

"Krass, sieht das gut aus!", ruft der Executive Producer.

"Wenn ich da durchzappen würde und showaffin wäre, da würd ich wissen wollen: Was ist da los?", sagt der Programm-Manager.

Der Comedy-Chef schweigt und denkt, vielleicht rechnet er auch.

Es ist wie mit der Karriere von Joko und Klaas: Der Kandidat darf nicht zu langsam sein, sonst verliert er. Ist er zu schnell, rutscht er aus und stürzt ab. Es ist alles eine Frage des Timings und des Gefühls für den Untergrund, auf dem man sich bewegt.