Pilzkopfsuche

Die vier jungen Briten, die im März 1965 in Obertauern ankamen, konnten nicht einmal ansatzweise Ski fahren. Nachdem die Einheimischen das aber umso besser beherrschten und sich als Doubles zur Verfügung stellten, wurde aus dem Beatles-Film Help! am Ende doch noch etwas. Devotionalien von den Dreharbeiten, die signierte Speisekarte eines Pilzkopf-Mittagsmenüs etwa, lassen sich in der Beatles-Bar des Hotels Seekarhaus bestaunen: Hotelier Gerhard Krings doubelte damals George Harrison. Um die Beatlemania zum 50. Dreh-Jubiläum noch einmal zu befeuern, machen im März sowohl das Musical all you need is love als auch die Multimediashow Magical History Tour von Paul McCartneys Stiefmutter Angie und ihrer Tochter Ruth in Obertauern Station.

Picasso auf Eis

Meisterwerke haben oft ein langes Nachleben. 1954 schuf Pablo Picasso eine Holzskulptur namens Tête de femme, Frauenkopf, in die sich Jahre später bei einer Ausstellung eine reiche Dame verliebte. Sie fragte beim Meister an, ob sie die Skulptur nachbauen lassen dürfe, zwölf mal sechs Meter groß, Picasso sagte zu. Als er 1973 verstarb, brüteten Schiffs- und Flugzeugkonstrukteure noch immer über dem Bauplan. Sobald dieses Problem gelöst war, diskutierten andere Experten über den richtigen Pinselanstrich – den Meister konnte man ja nicht mehr fragen. Schließlich tüftelte ein Speziallabor weitere neun Jahre an den geeignetsten Farben für extreme Witterungsbedingungen herum. Den Tête de femme wollte die reiche Dame nämlich in 1.600 Metern Höhe aufstellen, an einer Piste über dem Bauhaus-Skiresort Flaine. Im Sommer 1991 war es dann schließlich so weit. Dank der ausgefeilten Konstruktion soll das Kunstwerk nun aber auch dem Klima trotzen.

Fingerzeig nach Rom

Der Pistenbetrieb auf dem Rauschberg wurde schon vor Jahren eingestellt. Und doch treffen sich noch immer Skifahrer auf dem Gipfel im Chiemgau: Tourengeher, die hier ein wenig Einsamkeit suchen – und einen Fingerzeig. Adams Hand heißt die sechs Meter hohe Skulptur, die der bayerische Künstler Walter Angerer der Jüngere auf dem Berg platziert hat – neben einigen anderen Arbeiten in der Nähe der Rauschbergbahnstation. Wie es sich für das katholische Bayern gehört, weist Adams Hand exakt nach Rom.

Der Zahn der Zeit

Viele Künstler träumen davon, ein Werk für die Ewigkeit zu schaffen. Die zehn Bildhauer-Paare aus ganz Europa, die vom 12. bis 16. Januar 2015 bei der 22. Ausgabe des Wettbewerbs "Formen in Weiß" auf den Pisten über Ischgl gegeneinander antreten, sind allerdings von vornherein zu vergänglichen Arbeiten verurteilt: Das Skigebiet garantiert Schneesicherheit bis Anfang Mai – danach werden die eisigen Skulpturen unweigerlich an Kontur verlieren und schließlich dahinschmelzen.

Hochprozentige Werke

Wenn Finger und Zehen trotz der neuesten Funktionstextilien kalt werden, schnallen viele Wintersportler die Bretter ab und bestellen in der nächsten Hütte einen Jagertee, den schwer alkohöllischen Mix aus Schwarztee, Rum und Zucker. Auf der Kristallhütte im Skigebiet Hochzillertal kann man dem Alkohol auch auf andere Art begegnen: Udo Lindenberg hat der Hütte 15 sogenannte Likörelle zur Verfügung gestellt, gemalt unter anderem mit Blue Curaçao, Kirsch- und Mandarinenlikör. Während drei Tassen Jagertee manchmal zu Knochenbrüchen bei der Talabfahrt führen, sind die Likörelle für betrachtende Skifahrer ungefährlich. "Keine Panik!", würde Udo sagen.

Selfies bei Tisch

Ein 360-Grad-Panorama mit Großglockner, den Hohen Tauern und dem Kaisergebirge: Die Schmittenhöhe über Zell am See gilt als Österreichs schönster Aussichtsberg. Mehr als 30 Dreitausender lassen sich am Horizont bewundern, und knapp 30 Kunstwerke liegen direkt vor den Skispitzen. Sie sind in den vergangenen 20 Jahren entstanden, mit dem Ziel, die Schmittenhöhe auch als "Kunst- und Kulturberg" bekannt zu machen. Gigantische Kreisel ruhen in Hangnähe, als hätten Riesenbabys sie hier vergessen. An manchen Fichten hängen Bananen – aus Keramik. Am Gipfel laden ein überdimensionierter Tisch und zwei riesige Stühle Fotografen zum Spiel mit den Proportionen ein. Als der Künstler Michael Printschler die Sitzgruppe 1995 aufstellte, nannte er das Werk Grüß Gott, nehmt Platz oder Kommunikation 2000. Dass knapp 20 Jahre später der Selfie-Wahn ausbrechen und sich seine Skulptur prima in die "Kommunikation 2014" einfügen sollte, konnte er da noch nicht ahnen.

Das große Flimmern

Schon die Fahrt zum Spektakel wurde ein Spektakel: In einigen Kabinen der Lecher Rüfibahn laufen am 13. Dezember verschiedene animierte Kurzfilme, andere werden zur Disco-Gondel umdekoriert und entsprechend beschallt. In der Bergstation laufen weitere Filme, und nachts lassen Lichtkünstler die verschneiten Hänge der Gipfel rundherum in grellen Farben und psychedelischen Mustern aufleuchten. Die Berge – für die Künstler aus den Städten eben eine gigantische Projektionsfläche.

Bad Hipsterhausen

Nachdem Friedrich Liechtenstein (Supergeil) seine jüngste Platte schon touristisch werbewirksam Bad Gastein genannt hat, tut jetzt auch der Skiort selbst etwas dafür, neue Zielgruppen anzulocken: Bei der Art on Snow vom 31. Januar bis zum 6. Februar widmen Medien- und Graffiti-Künstler die Lobbys alter Grandhotels zu Galerien um, die Elite der Snowboard-Fotografen stellt, über das ganze Tal verteilt, unter freiem Himmel aus, an den Pisten entstehen abstrakte Eis- und Schneeskulpturen. Und auf einem Areal an der Mittelstation der Fulseck-Bahn dürfen Kinder kreativ werden und mitten im Schnee großflächige Leinwände bemalen. Supergeil.

Pisten-Popper

Ob der Heuler Last Christmas des Achtziger-Jahre-Duos Wham! kulturell wertvoll ist, mag mancher bezweifeln. Andererseits: Sich mehr als ein sattes Vierteljahrhundert lang in den winterlichen Playlists zu halten ist vielleicht auch schon wieder eine Kunst. Die schweizerische Gemeinde Saas-Fee erinnert in dieser Saison daran, dass vor nunmehr 30 Jahren George Michael und sein Band-Kollege Andrew Ridgeley für den Videodreh mit ein paar Schauspielern eine lokale Gondel bestiegen, zu einem Chalet hinaufschwebten, um dort mit toupierter Mähne im Schnee herumzutollen und sich unterm Weihnachtsbaum auf die polsterbewehrten Schultern zu klopfen. Die Gondel von damals hat man inzwischen modernisiert, das einst einsam im Wald stehende Chalet ist längst von Neubauten umwuchert – und der Raum, in dem damals die Innenaufnahmen entstanden, wurde mittlerweile zum Kulturzentrum umgewidmet. Immerhin.