Das bringt uns noch um, so hieß der Text über die Gefahren multiresistenter Keime in der Tierhaltung und die zunehmende Wirkungslosigkeit von Antibiotika, der deutschlandweit ein großes Echo ausgelöst hat. Fast 30 Regionalzeitungen von der Nordsee bis an den Bodensee haben prominent darüber berichtet. Der Auftakt der Serie Tödliche Keime, die die ZEIT mit ZEIT ONLINE, der Funke-Mediengruppe und Correct!v gemeinsam realisiert hat, fand auch national Widerhall, etwa in der Bild und beim ZDF.

Die taz machte darauf aufmerksam, dass die laut ZEIT vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) geschätzte Zahl der Todesfälle durch multiresistente Erreger nicht stimme. Diese beziehe sich auf alle Infektionstoten. Als die ZEIT das BMG im Vorfeld mit dieser Zahl konfrontierte, wurde jedoch kein Widerspruch erhoben. Sollte diese Zahl dennoch falsch interpretiert worden sein, dann wird die Aussage der Geschichte nur stärker. Denn dann lägen die Zahlen des BMG und die tatsächlichen noch weiter auseinander.

Auch bei unseren Lesern hat es enorm viele Reaktionen gegeben. Lob, Zustimmung, Bestürzung, aber auch eine Menge Kritik. Einige Leser sahen die gesamte Berufsgruppe der Landwirte diskreditiert, anderen war die Fixierung auf die Landwirtschaft als Adressat des Problems zu einseitig. In diese Richtung geht auch ein Leserbrief, der uns ganze 450-mal erreichte – immer im gleichen Wortlaut, aber immer von jemand anderem unterschrieben. Dieser Brief, so heißt es dort, komme von Landwirten, die sich mit dem Thema "bereits seit langem" beschäftigten. Die ZEIT blende völlig aus, dass "die Landwirtschaft zur Lösung des Problems vor Jahren ein Antibiotikamonitoring startete", durch das der Einsatz der Medikamente reduziert werden sollte. In der Humanmedizin fehle ein solches Transparenzsystem. Die Antibiotikagabe in der Landwirtschaft ist zwischen 2011 und 2013 zwar tatsächlich um rund 250 Tonnen reduziert worden. Allerdings wurden dafür erheblich mehr Arzneimittel mit Wirkstoffen verwendet, die auch in der Humanmedizin zum Einsatz kommen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 49 vom 27.11.2014.

Die vielen anderen Aspekte des Themas, wie mangelhafte Krankenhaushygiene und der oft falsche Gebrauch von Antibiotika in der Humanmedizin, wurden und werden auf ZEIT ONLINE in zahlreichen Artikeln ausführlich behandelt. Dort wurde von den Lesern in Hunderten Kommentaren intensiv diskutiert. Viele äußerten sich betroffen, gleichzeitig wurden – oft sehr differenzierte – Vorwürfe gegen Ärzte und die Nahrungsmittelindustrie erhoben. Ein Nutzer schlug vor, Antibiotika verpflichtend auf Etiketten von Fleischprodukten auszuweisen.

In Facebook-Postings berichteten Leser von persönlichen Krankenhauserfahrungen, einige nutzten auch den elektronischen Briefkasten. Unter www.zeit.de/briefkasten kann jeder die Redaktion anschreiben und Dokumente oder Fotos anonym deponieren. Ein Bauer berichtete dort, welchen Erfolg er ohne Medikamenteinsatz in seinem Stall hat. Ein Arzt erzählte von einem Freund, der an einer Infektion mit multiresistenten Keimen starb. Persönliche Erfahrungen sammelt ZEIT ONLINE in einem Fragebogen. 

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Antibiotikamissbrauch tatsächlich in der Tierhaltung endet? Zudem sind die Keime nun in der Welt und werden selbst bei einer sofortigen Umkehr nicht wieder verschwinden. Wir stehen hier an einer vergleichbaren Schwelle wie beim Klimawandel: Man könnte noch etwas tun, aber niemand will verzichten, sei es auf Lebensqualität oder Gewinne.
JeanLuc7, ZEIT ONLINE, Pseudonym

Die Dramatik des Themas kommt in Ihrem Artikel nur mittelbar rüber: Die Bedeutung der wirksamen Antibiotika in der Medizin entspricht der Bedeutung des elektrischen Stroms für die Funktion unserer modernen Lebenssysteme! Daher hat das Thema wirksamer Antibiotika im Gesundheitsbereich dieselbe infrastrukturelle Wichtigkeit wie die Stromversorgung unseres Landes.
Michael Parbs-Dalitz, Lübeck

Der inflationäre Gebrauch von Antibiotika bei den kleinsten Erkältungen sowie der flächendeckende Einsatz in der Massentierhaltung ist die eine Seite. Die andere Seite ist die ständige Einsparung von Krankenhauspersonal und die daraus resultierende mangelnde Umsetzung von Hygienestandards. Hier genügt ein Blick in die skandinavischen Länder, um zu sehen, wie man es richtig macht. Krankenhauskeime sind dort eher kein Thema, weil genügend qualifiziertes Personal für optimale Bedingungen sorgen kann.
slipstream, ZEIT ONLINE, Pseudonym