25 bis 35 Jahre

Schon der Einstieg in den Beruf kann einen Anstoß zur Weiterbildung geben: Auf der ersten Stelle zeigt sich, was einem zum Wissen aus dem Studium noch fehlt. Biologisch gesehen, ist diese Phase für das Lernen sehr günstig. Wenn es um schnelles, analytisches Denken geht, erreicht man zwischen 28 und 32 Jahren den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Praktischerweise kann man ab 25 Jahren auch die Bildungsprämie beantragen und sich dadurch finanziell unterstützen lassen. Allerdings kann sich jetzt nicht jeder aufs Lernen konzentrieren. Manch einer will erst mal im Job richtig durchstarten, andere wollen eine Familie gründen. Mütter in Deutschland bekommen ihr erstes Kind durchschnittlich mit rund 29 Jahren.

Trotzdem würden die meisten Menschen im Alter von 30 bis 35 Jahren eine Weiterbildung absolvieren, sagt Regina Egetenmeyer, Professorin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Universität Würzburg. Dabei handelt es sich oft um betriebliche Fortbildungen und Kurse zu bestimmten Kompetenzen, die die Uni noch nicht vermittelt hat. Es kann aber auch eine gute Idee sein, nach den ersten Jahren Berufserfahrung für einen Vollzeit-Master an die Uni zurückzukehren, bevor der Altersunterschied zu den Kommilitonen zu groß wird. Wer ein Vollzeitstudium zeitlich nicht schafft, kann einen berufsbegleitenden Master machen: An der Fern-Uni Hagen sind die Studenten im Durchschnitt 30 Jahre alt.

35 bis 45 Jahre

Im Beruf ist man jetzt angekommen, die ersten Hürden sind genommen. Man kennt inzwischen seine Aufgaben im Unternehmen und hat Routinen entwickelt. Fachlich erreicht man in dieser Phase in den meisten Berufen das, was man erreichen kann. Gleichzeitig wird aber auch die Familie wichtiger. Die Kinder kommen in die Schule und fordern viel Aufmerksamkeit, während die eigenen Eltern älter werden und möglicherweise mehr Hilfe benötigen. Das Zeitbudget ist also begrenzt – und das finanzielle ebenso. Zwar verdienen die meisten nun ganz gut, das Geld scheint jedoch ebenso knapp wie vorher. Das liegt daran, dass viele durch den Kauf einer Eigentumswohnung oder die Investition in ein Auto größere Verpflichtungen als vorher übernommen haben.

Anders als die häusliche Umgebung ist die Biologie dem Lernen in dieser Phase förderlich. Das Gehirn ist weitgehend stabil, der Erfahrungsschatz wächst und wird durch Kinder noch einmal neu gefordert. Die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt allerdings ab. Zudem kann die Doppelbelastung durch Familie und Beruf dazu führen, dass man weniger leistungsfähig ist als mit 25 Jahren.

Die große Frage lautet jetzt: Wie lässt sich in möglichst wenig Zeit möglichst viel erreichen? Weiterbildung, die nicht während der Arbeitszeit stattfindet, muss sich flexibel organisieren lassen – man muss sie abends oder am Wochenende einplanen können. Auch wie die Kurse gehalten werden, spielt eine Rolle: "Mit 40 will man keinen Vortrag mehr hören, wie an der Uni", sagt Erwin Wagner, Professor und Geschäftsführer des Center for Lifelong Learning der Universität Hildesheim. Infrage kommen Formen wie E-Learning oder Blended Learning (siehe auch Seite 98). Inhaltlich sind auch Seminare zu Zeitmanagement, Stressbewältigung oder Burn-out-Prävention empfehlenswert.