Männer transportieren schwere Lasten auf einem Fahrrad © dpa

Es ist noch nicht lange her, dass Ghana einem ganzen Kontinent Hoffnung spendete. Weil eine stabile Regierung das Land führte und weil die neu entdeckten Ölfelder vor der Goldküste Wohlstand versprachen. Ghanas Wirtschaft wuchs in den nuller Jahren durchschnittlich mit sechs Prozent, und da das Land nur eine Schuldenlast von 40 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu bedienen hatte, schaffte es die frühere britische Kolonie 2007 als erstes Land Schwarzafrikas, eine Anleihe im Gegenwert von 750 Millionen Dollar auf dem internationalen Kapitalmarkt zu verkaufen.

Und als die ausländischen Anleger die Emission auch noch überzeichneten, nahmen sich die anderen Staaten Ghana zum Vorbild und wollten ebenfalls Kredite in Dollar aufnehmen. Allein in diesem Jahr werden afrikanische Länder laut Datenanbieter Dealogic Dollaranleihen für mehr als sieben Milliarden Dollar verkaufen. Selbst das einzige Hungerland Äthiopien will im Dezember auf diese Weise eine Milliarde Dollar einsammeln. Geht das so weiter, löst die Finanzierung über Staatsanleihen die Entwicklungshilfe als wichtigste Geldquelle ab. Schließlich profitieren Ghana & Co. von den niedrigen Zinsen im Dollarraum gleich doppelt: Sie können sich je nach Bonität für sechs bis acht Prozent verschulden und finden dafür offenbar genügend verzweifelte Anleger, die für diesen Coupon die Risiken ausblenden.

Davon gibt es eine Menge zu besichtigen: in Ghana. Im August bettelte das Land zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen fünf Jahre um Hilfe beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Landeswährung Cedi verlor allein 2014 40 Prozent gegenüber dem Dollar. Ein Einbruch, der den Zinsvorteil einer Dollaranleihe mehr als wettmacht und dem Land erhebliche Probleme bereitet, seine Schulden zurückzuzahlen.

Der Absturz folgt einer laxen Finanzpolitik der Regierung. Um sich die Gefolgschaft seiner Beamten zu sichern, hat Präsident John Mahama, deren Gehälter um satte 75 Prozent erhöht. Die Staatsverschuldung ist inzwischen auf über 60 Prozent des BIP gestiegen, die Inflation marschiert, und der Export leidet unter dem niedrigen Ölpreis. So liefert ausgerechnet Ghana den Anlegern eine Blaupause für den Verdacht, dass Afrika den Vertrauensvorschuss womöglich nicht rechtfertigt und so seinen neuen Kredit verspielt. "Ich glaube, dass nicht die gefeierte Erstausgabe von Anleihen ein Erfolg ist, sondern die pünktliche und vollständige Rückzahlung in ein paar Jahren", warnt Moritz Kraemer von der Rating-Agentur Standard & Poor’s. "Staatsanleihen haben bei den Regierenden ein ähnliches Prestige wie Privatjets oder der präsidiale Palast", sagt ein Fondsmanager, der den Markt seit Jahren beobachtet. "Fast jeder Präsident will sich mit dem Geld ein Denkmal setzen."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 50 vom 4.12.2014.

So baut Ruanda ein Konferenzzentrum, der Senegal saniert Straßen und Stromnetz, Kenia baut Häfen und Eisenbahnnetz aus. Die Afrikaner selbst sehen das Interesse an ihren Anleihen als Bestätigung ihrer Politik. "Afrika wird endlich auch für Privatkapital interessant und ist künftig weniger auf Entwicklungshilfe angewiesen", sagt etwa Kingsley Chiedu Moghalu, Vizechef der nigerianischen Zentralbank. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Kontinent mal wieder auf eine Umschuldung zusteuert.

So wie vor zehn Jahren, als westliche Finanzinstitutionen ihre Forderungen im großen Stil aufgaben. Sambia etwa reduzierte seinen Schuldenanteil am BIP auf einen Schlag von 190 auf 10 Prozent. Die meisten Anleger wissen allerdings nicht, dass die, verglichen mit den EU-Staaten, niedrigen Schulden afrikanischer Länder nicht auf ihre solide Finanzpolitik, sondern auf den Schuldenschnitt von damals gründen. Er sehe jedenfalls nicht mehr viel Potenzial, sagt Jack Deino, der bei Invesco für Schwellenländer-Anleihen verantwortlich ist. Sein Unternehmen hat zuletzt Positionen im afrikanischen Markt abgebaut.