Philip, vor fast 50 Jahren hatte der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman eine ziemlich verrückte Idee: Er wollte aus einem Hubschrauber in großen Bündeln Geldscheine abwerfen, um die Wirtschaft zu stützen. Das ist genau das, was Europa braucht.

Denn die bisherige Rettungspolitik stößt allmählich an ihre Grenzen: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen auf annähernd null Prozent gesenkt, sie kauft Pfandbriefe und Kreditpakete auf. Die Konjunktur in der Währungsunion kommt trotzdem nicht in Gang.

Das liegt daran, dass die EZB zwar die Banken mit Geld überschwemmen kann, nicht aber die reale Wirtschaft. Denn weil die Banken derzeit kaum neue Kredite vergeben, kommt das Geld der Zentralbank nicht bei Unternehmen und Haushalten an. Deshalb steigt übrigens die Menge des insgesamt umlaufenden Geldes in Europa schon seit Monaten kaum noch – obwohl doch die Zentralbank ihre Schleusen weit geöffnet hat.

Daran wird auch der jetzt diskutierte Aufkauf von Staatsanleihen nichts ändern. Wahrscheinlich würden die Kreditzinsen zwar noch weiter sinken, wenn die Notenbank ein Anleiheprogramm beschlösse. Doch ob das, für sich genommen, zu mehr Investitionen und damit zu mehr Wachstum und Beschäftigung führt, ist fraglich. Dass die Firmen kein Geld ausgeben, liegt an den miserablen Absatzperspektiven – und nicht etwa daran, dass Geld zu teuer wäre.

Die Staaten wiederum haben sich der Haushaltskonsolidierung verschrieben und sich durch strenge Budgetregeln die Hände selbst gebunden. Deshalb hat die Europäische Kommission in der vergangenen Woche ein milliardenschweres Investitionspaket vorgestellt, das praktisch kein zusätzliches Geld enthält – und deshalb hält Deutschland an der schwarzen Null fest, obwohl das Land zum Nulltarif Kredite aufnehmen könnte.

In Europa wird also zu wenig Geld ausgegeben – und daran kann die Notenbank mit ihren herkömmlichen Instrumenten nichts ändern. Das funktioniert nur, wenn sie denjenigen Bares zukommen lässt, die damit etwas anzufangen wissen. Und genau darum ging es Friedman. Die EZB könnte jedem erwachsenen Bürger der Währungsunion – sagen wir – 10.000 Euro gutschreiben. Das dafür nötige Geld druckt sie einfach selbst. Sie muss nicht einmal einen Hubschrauber aufsteigen lassen, die Überweisung könnten die Steuerbehörden übernehmen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 50 vom 4.12.2014.

Selbst wenn ein Teil des Betrags auf dem Sparkonto landete, käme so ein ordentlicher konjunktureller Impuls zustande. Er würde dafür sorgen, dass die Produktionskapazitäten in den Betrieben besser ausgelastet wären und neue Leute eingestellt werden müssten, um die Nachfrage zu bedienen – und er könnte den Unternehmen und den Verbrauchern die Zuversicht zurückgeben, die ihnen abhanden gekommen ist, weil es in den vergangenen Jahren immer nur abwärts ging.

Wenn Du jetzt einwendest, dass durch eine solche Aktion Inflation entsteht: Genau darum geht es! Die Teuerungsrate liegt derzeit erheblich unter dem von der Notenbank festgelegten Richtwert. Es droht eine Deflation, und deren wirtschaftliche Folgen sind noch schlimmer als die einer Inflation. Deshalb ist es wichtig, dass die Preise wieder steigen – und das wird nur geschehen, wenn die Wirtschaft besser läuft.

Ganz klar: Das Helikoptergeld wäre ein Experiment, und jedes Experiment ist riskant. Aber genauso riskant ist es, nichts zu tun und zuzusehen, wie die Krise die Menschen in Europa zermürbt. Dein Mark

Lesen Sie hier die Antwort von Philip Faigle.