Golden Pudel Club, Hamburg 2014 CC BY-SA 3.0

Zwei alte Freunde kaufen ein Haus. Der eine – Autor, Musiker, Tausendsassa – sieht das Haus als artistisches Gemeinschaftsprojekt. Der andere – Kaufmann und Handwerker – hat eher gastronomische Pläne. Ist doch kein Widerspruch, finden die beiden. Fünf Jahre später steht man vor Gericht. Die alte Freundschaft ist zerbrochen.

Das Haus ist nicht irgendein Haus. Es ist der Golden Pudel Club, neben dem Mojo der einzige Hamburger Club von internationalem Renommee. Wer Besuchern das wilde, experimentelle Hamburg zeigen möchte, führt sie nachts um zwei in die kleine Kaschemme in Fischmarktnähe. Was sie dort antreffen, ist schwer vorauszusehen. Die Programmmacher verbergen die Attraktionen gerne hinter zotigen Titeln. "Mittwochs: Die Kotze hat meine Jacke verklebt" heißt es da etwa. Wer sich von diesem Insider-Humor abschrecken lässt, verpasst fantastische DJ-Sets und Livekonzerte im Sardinenbüchsen-Ambiente.

Die einstmals alten Freunde, das sind Rocko Schamoni, Bestsellerautor und Teil des Humoristentrios Studio Braun, und Wolf Richter, Bruder des Malerstars Daniel Richter. Beide kommen aus Lütjenburg, einer Kleinstadt östlich von Kiel. Die Hamburg-Lütjenburg-Connection – eine eingeschworene Gemeinschaft. Was sollte da schon schiefgehen? Am Ende alles. 2008 kauften Schamoni und Richter das Häuschen, das der Pudel seit 1995 gemietet hatte. Zwei Jahre standen sie gemeinsam auf der Baustelle, ließen die beiden Obergeschosse bauen, um deren Nutzung sie nunmehr prozessieren. Ganz oben, ins Dachgeschoss, zog das Pudel-Büro ein. Das Oberstübchen im ersten Stock wurde ein Café, es sollte genauso experimentell und unkommerziell sein wie der Club selbst – so sieht es Schamoni. Wolf Richter wurde Geschäftsführer. Dazu gab es einen Deal unter Freunden: Nur wenn Richter mit seinem Café Gewinn macht, zahlt er Miete. Die Preise waren günstig. Bloß das Hipster-Heißgetränk Latte macchiato – typisch Pudel-Humor – steht mit 10 Euro auf der Karte.

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Doch Wolf Richter passte die Richtung nicht. Im Oktober 2010 tauschte er die Schlösser zu den oberen Stockwerken aus und kündigte der Café-Belegschaft. Warum? Er selbst kommuniziert nur über seinen Anwalt, und der äußert sich nur zu rechtlichen Fragen. Als Richter noch mit der Presse sprach, hatte er die Nacht-und-Nebel-Aktion als "Notbremse" bezeichnet. Aus seiner Sicht hatte der Laden ein kommerzielles Problem. Im Pudel-Umfeld hingegen spricht man von verletztem Stolz. Richter habe sich von den Programmmachern wie ein Lakai behandelt gefühlt.

Zuerst versuchen es die Kontrahenten noch mit Mediation. Richter und Schamoni einigten sich auf eine gemeinsame alte Freundin – ebenfalls aus Lütjenburg –, die das Café in Absprache mit dem Pudel-Kollektiv betreibt. Nach drei Vermittlungs-Sessions war klar: Nichts geht mehr. Die alte Freundin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will ("Ich bin genug zerfetzt worden"), übernahm das Oberstübchen-Café ohne Absprache mit der Pudel-Crew um Viktor Marek. Der Krieg begann. Oben gegen unten. Für Außenstehende wurde die Lage schnell unüberschaubar. Die von oben sagten, man habe den unteren eine Mitnutzung angeboten. Und die von unten wollten nicht die subkulturellen "Mahlzeitenaufwerter" für eine Gentrifzierungsgaststätte sein. Es geht um den verwehrten Toilettenzugang für Parkbesucher, um öffentliche Boykottaufrufe ("Trinkt euren Latte woanders!"), um den Vorwurf, das Oberstübchen zahle keine Miete.

Man landete vor dem Kadi. Am 21. November entschied das Hamburger Landgericht, dass Wolf Richter seinem Kompagnon Schamoni einen Schlüssel für das Büro im Dachgeschoss geben müsse. Und er solle offenlegen, wie viel die Oberstübchen-Gastronomie einbringe – ob also Miete zu zahlen sei.

Es ist nicht das Ende des Streits. Am 15. Dezember steht der nächste Gerichtstermin an. Richter will per einstweiliger Verfügung den Pudel-Betreibern die Behauptung verbieten lassen, er zahle keine Miete.

"Dieser Besitz hat uns beiden nur Ärger eingebracht. Und uns unsere Freundschaft gekostet", sagt Rocko Schamoni. "Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich es sicher nicht so gemacht. Was für ein Scheiß-Deal!"