DIE ZEIT: Herr Drews, die Hamburger SPD möchte fair gehandelten Kaffee von der Steuer befreien. Was halten Sie davon?

Thimo Drews: Nichts.

ZEIT: Warum nicht?

Drews: Also erst mal, ich bin nicht gegen Steuern. Ich profitiere als Bürger von Steuern. Und obwohl das jetzt komisch klingt: Ich bin auch für die Kaffeesteuer. Ich finde es ziemlich populistisch, zu sagen, die Kaffeesteuer muss abgeschafft werden. Kaffee ist ein Genussmittel. Das darf ruhig besteuert werden.

ZEIT: Aber hier geht es ja nicht um die Kaffeesteuer als solche, sondern nur um den fair gehandelten Kaffee. Sollte der nicht unterstützt werden?

Drews: Nein. Für mich wäre das eine Bevorteilung von zertifizierten Produkten durch eine staatliche Verordnung. Das führt zu einer Marktverzerrung.

ZEIT: Ist das so schlimm, wenn es sich um einen guten Zweck handelt?

Drews: Ja. Weil wir es mit einer Monopolisierung des Begriffs zu tun haben. Fairtrade heißt heute, dass man eine Zertifizierung benötigt. Man darf das Wort "fair" nur benutzen, wenn man sich der Zertifizierung unterwirft. Da werden viele kleinere Röster mit ihren Projekten ausgegrenzt. Zum Beispiel in den Hamburger Behörden, wo nur noch Fairtrade-Kaffee bestellt werden darf. Eines der Projekte, die wir hier haben, ist das Orang-Utan-Kaffeeprojekt. Wir setzen uns für den Erhalt des Regenwaldes in Sumatra ein und zahlen dem Bauern vor Ort einen hohen Mehrpreis. Wenn Sie mich jetzt fragen: Herr Drews, ist das fair?, dann muss ich sagen: Ja, das ist ein faires Projekt. Aber wir dürfen es nicht fair nennen, weil es nicht zertifiziert ist.

ZEIT: Sie könnten es zertifizieren lassen.

Drews: Aber dann müsste ich dem Projekt weitere Kosten aufbürden. Schon der Antrag kostet einen Haufen Geld, und danach gibt es noch eine laufende Zertifizierung, die kostet auch ein paar Tausend Euro. Das Geld fehlt, um es für so ein Projekt zielführend zu verwenden.