Den richtigen Betreuer für die Promotion zu finden ist fast wie eine Partnerwahl. Was man beachten sollte

Sie müssen raus, um ihn zu treffen

Homepages und Bewertungsseiten wie zum Beispiel meinprof.de sind wie Online-Dating-Plattformen: Sie geben einen ersten Eindruck – mehr nicht. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ein Dozent Ihnen persönlich liegt, müssen Sie das Sofa verlassen. In seiner Vorlesung hören Sie, wie er argumentiert – und Sie sehen auch gleich, wie er mit seinen Studenten umgeht. In einem ersten Gespräch können Sie gezielter nachfragen. Konferenzen oder Tagungen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, um sich Dozenten einmal näher anzuschauen und sie anzusprechen.

Er ist näher, als Sie denken

Im Idealfall hatten Sie bereits Glück mit dem Betreuer Ihrer Masterarbeit, und er bietet sich an, auch die Doktorarbeit zu übernehmen. Dann kennen Sie ihn und seinen Schwerpunkt schon genau und wissen, wie er sich als Betreuer verhält. Wenn das nicht der Fall ist, kann er Ihnen vielleicht einen Kollegen nennen. So können Sie sich diesem schon mit einer Empfehlung vorstellen. Wenn sich an Ihrer Uni niemand findet, können Sie auch die Literaturliste Ihrer Masterarbeit konsultieren. Vielleicht ist hier jemand dabei, dessen Arbeit Sie besonders begeistert hat.

Sie teilen dieselben Interessen

Das Entscheidende ist die Fachkenntnis: Nur wenn Ihr Betreuer mit Ihrem Thema selbst sehr vertraut ist, kann er Ihnen die nötige Hilfestellung geben, um Ihr Forschungsgebiet einzugrenzen. Wenn Sie ihn noch nicht kennen, sind Publikationsliste und Vorlesungsverzeichnisse die ersten Indikatoren. Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte sich für einen Betreuer entscheiden, der in den einschlägigen Fachzeitschriften veröffentlicht. Eine ähnliche Haltung und Arbeitsweise sind auch dann von Vorteil, wenn Sie als wissenschaftliche Hilfskraft für ihn arbeiten wollen.

Er will es auch

Ist er überhaupt ein Beziehungstyp? Dazu befragen Sie am besten Ihre Vorgänger. Was ist aus den Doktoranden geworden, die der Professor bisher betreut hat? Wie viele haben in den vergangenen Jahren erfolgreich abgeschlossen? Viele Unis veröffentlichen eine Liste mit den Titeln und Autoren der abgeschlossenen Arbeiten. Manchmal gibt es auch ein Netzwerk für ehemalige und aktuelle Doktoranden. Schwierig wird die Recherche, wenn es sich um einen frisch berufenen Professor handelt, zu dem es noch keine Erfahrungswerte gibt. Hier können Sie zumindest davon ausgehen, dass er ein Interesse daran hat, Doktorarbeiten zu betreuen. Zudem liegt seine eigene Promotion noch nicht so lange zurück, und er wird sich an viele Probleme noch erinnern.

Nett reicht nicht

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 50 vom 4.12.2014.

Ob ein Professor ein guter Betreuer wäre, lässt sich gleich bei der ersten Kontaktanbahnung testen. Antwortet er zuverlässig auf E-Mails? Findet seine Sprechstunde tatsächlich regelmäßig statt? Kann er genaue – und hilfreiche – Literaturhinweise geben? Was Sie erwarten, sollten Sie natürlich auch selbst beachten. Gehen Sie gut vorbereitet in die Sprechstunde, notieren Sie sich, was Sie fragen wollen, protokollieren Sie die wichtigsten Punkte des Gesprächs.

Er nimmt sich Zeit für Sie

Immer mehr Universitäten lassen Professoren und ihre Doktoranden eine Betreuungsvereinbarung schließen. Darin wird im besten Fall genau festgehalten, wie oft sich die beiden treffen wollen und was sie voneinander erwarten. Der Professor kann so besser abschätzen, wie viel Arbeit auf ihn zukommt. Und der Doktorand muss sich nicht wie ein Bittsteller fühlen, wenn er nach Terminen fragt. Selbst wenn sich der Professor zu regelmäßigen Treffen verpflichtet hat, gibt es allerdings Faktoren, die eine gute Betreuung erschweren: Dazu gehört zum Beispiel, wenn der Professor zur Uni pendelt und nur tageweise im Büro ist. Wenn er durch Mitgliedschaften außerhalb der Universität stark eingespannt ist oder kurz vor dem Abschluss eines neuen Buches steht. Oder wenn bereits abzusehen ist, dass er einen Ruf an eine andere Universität annehmen könnte oder bald emeritiert. Ein Blick auf seinen Lebenslauf und eine Nachfrage in seinem Büro können das beantworten.

Es muss funken

Und zwar auch bei ihm. Das klingt banal, aber nur wenn Ihr Betreuer wirklich von Ihrem Thema begeistert ist, wird er sich auch die nötige Zeit für Sie nehmen.