Der Aktienmarkt machte Anlegern in den vergangenen Monaten wenig Spaß. Ständig ging es auf und ab, mit teils massiven Ausschlägen. Der Deutsche Aktienindex erreichte vergangene Woche ein neues Allzeithoch, befeuert von Hoffnungen auf neues Geld von der Europäischen Zentralbank. Doch wie es nun weitergeht, ist mehr als ungewiss. Sollten Anleger da investieren? Oder lieber vorsichtig sein, weil sich das Wirtschaftswachstum vielleicht abschwächt und die politischen Krisen sich wieder verschärfen könnten?

"Nach den schlechten Erfahrungen der Finanzkrise sind die Anleger erschöpft. Die emotionale Kraft, Anlageentscheidungen zu treffen, ist nicht mehr groß", sagt Greg Davies, der bei Barclays Wealth Management ein Forschungsteam für das Anlageverhalten von Investoren leitet. Aus Unsicherheit ließen Privatanleger ihr Geld einfach liegen, was seit Jahren auf Kosten der Rendite gehe.

Von den Banken hat der Kleinanleger nicht mehr viel Rat zu erwarten. Laut einer Umfrage des Deutschen Aktieninstituts haben sich mittlerweile 22 Prozent komplett aus der Aktienberatung zurückgezogen und weitere 65 Prozent ihre Wertpapierberatung eingeschränkt. Vorbei ist die Zeit, da sich der Anleger in der Bankfiliale bei einer guten Tasse Kaffee von einem Wertpapierberater "aufklären" ließ. Zum einen lohnt es sich nicht, dem Kunden ein solides Portfolio zusammenzustellen, das Geld abwirft, der Bank aber keine Umsätze und Provisionen mehr einspielt. Zum anderen scheuen viele Institute inzwischen die bürokratischen Beratungsprotokolle, die Haftung bei Falschberatung und die Meldepflicht von Kundenbeschwerden. Der neue Anlegerschutz, gut gemeint, verdirbt den Banken den Spaß, sodass die Anleger mit ihren Fragen heute häufig allein bleiben.

Wer Rat einholen will, noch dazu Rat, der unabhängig und nicht von Provisionen getrieben ist, die nach Abschluss einer Ablage an die Bank fließen – in Deutschlands Instituten das dominierende Modell –, der muss erst selbst Geld in die Hand nehmen. Seit August gibt es in Deutschland den unabhängigen "Honorar-Finanzanlageberater", für den ein Provisionsverbot gilt. Die Kehrseite der Medaille sind Stundensätze von 120 bis 180 Euro, ohne die sich das Geschäft für die Berater nicht rechnet. Wer bereit ist, so viel zu zahlen, wird qua Gesetz allerdings keine Beratung zu Einzelaktien, Anleihen oder Zertifikaten bekommen. Investmentfonds sind erlaubt. "Es ist und bleibt Realität: Die Kosten der Wertpapierberatung und der Infrastruktur, die dafür bereitstehen muss, übersteigen die Rendite, die bei kleinen Depots am Kapitalmarkt realistischerweise erzielt werden kann", sagt Finanzanlagevermittler René Harders, Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Stenner Finanz.

Die Quirin Bank, die schon vor Jahren eine provisionsfreie Anlegerberatung angeboten hat, schätzt die Lage ähnlich ein. Eine Einzelberatung kostet bei ihr 150 Euro, ein Vertrag mit kontinuierlicher Beratung lohnt sich ihr zufolge erst ab einem Anlagevolumen von 100.000 Euro. Und selbst dann reiht sich der Kunde weitgehend in die Philosophie der Bank ein, bei der mit wenigen Variationen das Marktgeschehen über günstige Indexfonds abgebildet wird. Es ist eine langfristige, auf Streuung setzende Strategie, die annimmt, dass ohnehin kein Fondsmanager auf Dauer den Markt schlagen kann.

Wer sich die standardisierte Vermögensverwaltung schon bei einem Portfolio ab 10.000 Euro leisten möchte, kann quirion nutzen, das Internetportal der Quirin Bank. Dort kann zu einem Spottpreis in Indexfonds investiert werden, um ein vorgegebenes Sparziel zu erreichen. In Einzelaktien investiert wird nicht, das passt nicht zur Philosophie und wäre zu teuer. Überzeugt hat das Konzept erst rund 250 Kunden, aber es gibt ähnliche Anbieter, unter anderem die britische Internetplattform Nutmeg, die, ausgehend von mehreren Risikokategorien, eine standardisierte Portfolioverwaltung anbietet. Das Portal setzt auf eine langfristige, breit diversifizierte Geldanlage, um ständiges Umschichten und damit nutzlose Kosten zu vermeiden.

Spontanes "Zocken" oder kurzfristige Spekulation, im Tageshandel gar, sind mit derlei Portalen nicht möglich. Aber auch das gibt es: Portale wie Godmode, Ayondo, Currensee und eToro lassen den Anleger bei Händlern über die Schulter schauen, die ihre persönliche Anlagestrategie zum Besten geben. Bei Godmode verschicken die Händler Nachrichten, wann exakt welche Wertpapiere gekauft und verkauft werden sollen. Die Anlagestrategie kann von Laien also abgekupfert werden, ohne dass diese sich mit den Details auskennen müssten. Das Konzept ist natürlich nur etwas für Leute mit guten Nerven: Wer allein handelt, kann rasch die Risiken aus dem Auge verlieren und mit ein paar falschen Klicks schnell viel Geld riskieren.