Im Mai 2000 nahmen 120 Menschen an einem Festbankett in der spanischen Stadt Castellón teil. Für mehr als die Hälfte von ihnen endete der Abend wenig feierlich: Sie wurden von Übelkeit und Durchfall geplagt, hatten Magenkrämpfe und Fieber. Wie sich herausstellte, hatten sie sich mit Salmonellen infiziert, die sich in der Mayonnaise eines Kartoffelsalats und in Thunfisch-Sandwichs befanden.

Für Juan Bellido-Blasco vom Centro de Salud Pública in Castellón war der Vorfall eine willkommene Gelegenheit, eine These zu überprüfen, der er schon seit einer Weile nachging: dass nämlich Alkohol den Körper vor solchen Infektionen schützen kann. Zusammen mit seinen Mitarbeitern befragte er 120 der Festgäste eingehend, nahm Stuhlproben und untersuchte das Essen im Labor. Das Ergebnis bestätigte seine Vermutungen: Von den Gästen, die keinen Alkohol getrunken hatten, infizierten sich 95 Prozent mit den Salmonellen. Von denjenigen, die bis zu 40 Gramm Alkohol zu sich genommen hatten (das entspricht drei Gläsern Wein), erkrankten 78 Prozent; wer noch mehr trank, hatte die besten Chancen: Fast die Hälfte dieser Schluckspechte blieb von dem fiesen Magenkeim verschont.

Bellido-Blasco veröffentlichte sein Ergebnis in der Zeitschrift Epidemiology. Dort hatten Kollegen von den amerikanischen Centers of Disease Control schon 1994 Ähnliches berichtet – damals ging es um eine Masseninfektion nach dem Genuss roher Austern. Die US-Forscher waren zudem zu dem Schluss gekommen, dass die Getränke mindestens zehn Prozent Alkohol enthalten müssen, um ihre Wirkung zu tun. Also Schnaps und Wein ja, Bier nein.

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Die spanischen Forscher raten natürlich nicht zum Alkoholkonsum, aber sie bestätigen eine Praxis, die schon zur Zeit der Cholera-Epidemien im 19. Jahrhundert üblich war: Alkohol tötet das Cholera-Bakterium ab, er wirkt auch gegen den Magenkeim Helicobacter pylori. Und so ist es nicht abwegig, mit einem kräftigen Schnaps einer Lebensmittelvergiftung vorzubeugen.

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