DIE ZEIT: Sie halten das derzeitige Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Bewerbern für überholt. Warum?

Robin Sudermann: Der gesamte Stellenmarkt ist starr und dreht sich um die Unternehmen. Dort sitzt ein Personalbeauftragter mit einem mehrere Jahre alten Text, etwa der Stellenbeschreibung eines Industriemechanikers. Den publiziert er als Anzeige bei Jobbörsen wie Stepstone, Monster oder Jobware. Der Kandidat wiederum loggt sich in die Karriereseiten vieler Konzerne ein, schreibt um die 40 Bewerbungen und erhält am Ende im besten Fall eine politisch korrekte Absage. Diese Abläufe sind überholt, sie existieren seit 20 Jahren.

ZEIT: Wie wollen Sie das mit Ihrem Start-up Talents Connect ändern?

Sudermann: Wir fragen nach den Wünschen der Bewerber und vergleichen diese mit den Anforderungen der Unternehmen. Auf unserer Plattform werden Kandidaten und Unternehmen wie beim Onlinedating zusammengeführt: über gemeinsame Interessen und Vorlieben. Nur dass der Arbeitsmarkt etwas komplexer funktioniert.

ZEIT: Welche Informationen müssen Bewerber bei Ihnen angeben?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 52 vom 17.12.2014.

Sudermann: Die klassischen Stammdaten wie Name, Schul- und Studiennoten sowie den Ort, an dem sie arbeiten möchten. Die angestrebte Position brauchen wir auch. Das ist aber nur der kleinere Teil. Der größere ist ein Persönlichkeits- und Interessenprofil.

ZEIT: Zum Beispiel?

Sudermann: Wir fragen: Wie lange willst du pro Woche arbeiten? Von wo aus willst du arbeiten? Zu wie viel Prozent im Büro oder von zu Hause? Wie stellst du dir deinen Tagesablauf vor? Wir bitten die Kandidaten dann, ihre persönliche Rangfolge zu erstellen, etwa: Was ist ihnen bei ihrer Arbeit wichtig – Kreativität, eigenständiges Arbeiten, offener Umgang mit Fehlern oder geregelte Abläufe?

ZEIT: Wie haben Sie diese Kategorien entwickelt?

Sudermann: Ich habe dabei mit meinem ehemaligen Professor für Personaldiagnostik, Christian Dries vom Kölner Institut für Managementberatung, zusammengearbeitet. Er hat mir geraten: Halte dich fern von Kompetenzen, die werden noch früh genug im Assessment-Center abgefragt. Setze auf Charakter und Interessen!

ZEIT: Wie kamen Sie auf die Idee zu Talents Connect?

Sudermann: Nach meinem Bachelorabschluss in Wirtschaftspsychologie habe ich auf den Arbeitsmarkt geschaut – und einen Überblick vermisst. Und ich habe festgestellt, dass dieses Problem viele Absolventen teilen: Wie man als Student in den Beruf findet, ist ziemlich willkürlich. Ich hatte keine Ahnung, wofür mich mein Abschluss qualifiziert – und meine potenziellen Arbeitgeber wussten es wahrscheinlich auch nicht. Mit etwas Glück bin ich dann in einer Werbeagentur gelandet.

ZEIT: 2013 gründeten Sie dann das Start-up.

Sudermann: Ja, gemeinsam mit vier Freunden. Die Idee für eine bessere Recruiting-Plattform hat mich einfach nicht losgelassen. In der Werbeagentur musste ich prüfen, wie gut die neue O₂-Kampagne die Zielgruppe trifft – wir haben das dann für den Personalmarkt weitergedacht. Heute haben wir 30 Mitarbeiter.

ZEIT: Kostet Ihr Service etwas?

Sudermann: Die Bewerber bezahlen nichts. Für Unternehmen kostet ein Stellenprofil zwischen 50 und 300 Euro.

ZEIT: Welche Unternehmen sind vertreten?

Sudermann: Etwa der Energiekonzern E.on oder der Sportartikelhersteller Nike. Die Plattform ist aber gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen interessant, die unter Bewerbern noch weniger bekannt sind.