Die ARD hat dankenswerterweise die ungeschnittenen Interviews online gestellt, die ihre Panorama-Redaktion am Rand der jüngsten Pegida-Demonstration in Dresden geführt hatte. Allein der erste Teil des Materials dauert quälende 45 Minuten, aber man muss das gesehen haben. Unter anderem wegen des unsäglichen RTL-Reporters, der inkognito mitging und dem ARD-Team pegidistische Antworten gab – auch der Journalismus hat einen Bodensatz.

Vor allem jedoch wegen einer jungen Frau, genauer gesagt, wegen ihres Lachens.

Was Pegida für sie bedeute, wird sie gefragt. Sie gibt Antwort, streut relativierende Vokabeln wie "vielleicht" hinein, fühlt sich sichtlich unwohl. Nur die politisch Verfolgten sollten Asyl erhalten, sagt sie, "alle anderen sollten vielleicht doch" – und da hellt sich ihr hübsches Gesicht unversehens auf, sie strahlt geradezu, und es bricht aus ihr heraus – "das Land verlassen" –, jetzt sind Augen und Mund aufgerissen, sie schlägt sich die Hand vor den Mund, wendet sich ab und ruft lachend, "oh Gott, darf man das überhaupt sagen" – aber ja, das darf ich, scheint sie zu denken, beseelt und glücküberströmt wendet sie sich ihrem Begleiter zu, gewiss, meint er, das dürfe man. Welche Freude. Pärchenglück. Die beiden sind jetzt gar nicht mehr wütend, sie wirken befreit, entspannt, gelöst.

Pegida ist erotisch.

Die Frau hat nur die Gesetzeslage wiedergegeben, aber das ist nicht der springende Punkt. Sehenswert ist vielmehr die genussvolle Enthemmung, die diese Szene vor Augen führt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 53 vom 23.12.2014.

Jeder zeigt sie auf seine Weise. Die einen grölen "Lügenpresse", die anderen hauen auf Fernsehmikros, und wo vorher Wut war, ist aggressives Gelächter. Doch am erhellendsten ist das Glückserlebnis dieser Frau, die so herzlich lachen kann, frisch wie eine Weihnachtsmandarine. Die so fröhlich sein kann bei dem Gedanken, Flüchtlinge aus dem Land zu jagen. Die sich so frei fühlt in ihrer Lust, zu sagen, was sie schon immer sagen wollte. Jetzt ist es raus. Endlich. Weihnachten kann kommen.