Jeder Gedanke hinterlässt im Kopf neuronale Fußspuren. Mit der Zeit entsteht ein Trampelpfad, eine Form subjektiver Wirklichkeit. Wer immer wieder bei Meetings denkt: "Ich kann mich nicht gut verkaufen", der wird sich auch schlecht präsentieren. Vielleicht hindert ihn schon dieser Gedanke, das Wort zu ergreifen. Wer anders leben und handeln will, braucht neue Gedanken (frei nach Musil).

Hinderliche Glaubenssätze lassen sich entkräften, indem man sich davon distanziert. Fragen Sie sich zum Beispiel: Was würde ein begnadeter Selbstverkäufer an meiner Stelle denken? Welche Argumente fielen ihm ein? Warum macht es ihm Freude, sich gut zu verkaufen? Und was würde er mir als Berater ins Ohr flüstern? Aus diesem neuen Blickwinkel wirkt der vertraute Stressgedanke fremd, vielleicht sogar lächerlich.

Oder Sie spielen den Verteidiger Ihrer selbst und sammeln Gegenbeweise. In welchen Situationen, und sei es beim Flirten, haben Sie sich gut verkauft? Welche persönlichen Strategien haben Sie dabei eingesetzt? Und wie kann es Ihnen gelingen, dieselben Fähigkeiten jetzt zu aktivieren?

Oder Sie fragen sich: Was ist positiv an dem, was ich an mir kritisiere? Welche Vorteile hat es, beim Meeting wenig zu reden? Vielleicht hilft es, sich mehr auf die Inhalte zu konzentrieren. Oder im Vorfeld der Sitzungen Verbündete zu gewinnen. Wer so denkt, sieht die Chancen, nimmt Druck von sich und mindert seine Hemmung.

Schließlich lässt sich ein Stressgedanke auf seine zeitliche Logik prüfen. Die meisten Ängste sind in der Gegenwart formuliert – "Ich kann mich nicht gut verkaufen!" –, meinen aber die Zukunft: "Ich werde mich nicht gut verkaufen!" Das ist unlogisch. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Logisch wäre: "Bisher habe ich mich nicht gut verkauft." Diese Formulierung lässt Raum für die Vorstellung: In Zukunft kann es anders laufen! Wer sich den Erfolg ausmalt, hat den ersten Schritt getan, um seine Befürchtung zu entkräften. Für positive Gedanken gilt dasselbe wie für negative: Je öfter wir sie denken, desto tiefere neuronale Pfade hinterlassen sie im Gehirn; desto leichter fällt es, das Gedachte in die Tat umzusetzen. Sogar unter Stress.

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