Immer wieder fallen bemerkenswerte Künstler durchs Gitter: 1001 tragische Biografien. Memphis Schulze ist so ein Fall. Im brodelnden Düsseldorf der siebziger Jahre war er eine Szenegröße und eng mit Sigmar Polke verbunden. Als Jürgen Max Schulze kam er 1944 zur Welt, arbeitete als Polsterer und sammelte manisch Platten und Comics. Ende der Sechziger wurde er Teil des Freundeskreises um den Ober-Ironiker Polke. Es gab ausschweifende Feiern, Provokationspose und Sarkasmus wurden zur Lebensform erhoben – und es wurde gemeinsam Kunst gemacht. Der Autodidakt Schulze ließ psychedelische Formen über die Leinwand wuchern, mit Sprayfarbe und Schablonen übertrug er Figuren aus Underground-Comics in seine poppig-bunten Bilder. Oft erinnern seine Werke sehr an den Weltstar Polke, doch haben die beiden bis 1977 so eng zusammengearbeitet, dass es gar nicht klar ist, wer hier was zuerst gemacht hat. Nach einem Schlaganfall 1993 war es mit Memphis Schulzes Kunst vorbei; 2008 starb er.

Jetzt wird er endlich wiederentdeckt. Der Snoeck Verlag hat ein Werkverzeichnis herausgebracht, und die Setareh Gallery in Düsseldorf widmete ihm gerade die erste Einzelausstellung seit 2008. Dort ist dieses Acrylgemälde auf Papier zu haben: ein überdrehtes Farbfest, auf dem sich Motive aus der Sprechblasenwelt tummeln. Das Banale wird zum Fetisch, die ewige Pubertät zum Kunstprinzip. Der Preis von 32.000 Euro ist nicht zu hoch für diese Wiederentdeckung.

Memphis Schulze: "Ohne Titel", Acryl auf Papier, 1990. Der Autor ist stellv. Chefredakteur von "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen".