Kreditkarten können ja fatale Folgen haben. Beim Shoppen verliert man schon mal alle Hemmungen, und selbst für Betrüger, Terroristen und sonstige unangenehme Zeitgenossen ist die Sache mit dem kleinen Stück Plastik nicht so einfach: Erst klauen sie fremde Kreditkartendaten und kaufen ein, womit sie jedoch wiederum die Polizei elektronisch auf ihre Spur lenken. Zwar dürfen immerhin auch Frauen Kreditkarten besitzen, bislang allerdings bleibt die andere, noch stärker gefährdete Hochrisiko-Shoppinggruppe von deren Besitz ausgeschlossen: die Teenager. Die mehr oder weniger lieben Nicht-mehr-ganz-so-Kleinen können aus rechtlichen Gründen noch nicht so, wie sie gerne wollen – mit überraschenden Folgen für den Buchmarkt. Zwar haben sie mit den üblichen brutalen Psychotricks ihren Eltern ein ums andere Mal die angeblich überlebenswichtige allerneueste Heimelektronik abgepresst. Doch gelesen wird – wenn überhaupt gelesen wird, was ja oft eine konfliktträchtige Frage ist – immer noch auf dem guten alten Papier. Die amerikanische Marktforschungsagentur Nielsen hat nämlich herausgefunden, dass in den Vereinigten Staaten unter den jugendlichen Buchkäufern unter 18 Jahren – also den klassischen, ständig in Sozialen Netzwerken lebenden Digital Natives – nur 20 Prozent E-Books erwerben; bei den Erwachsenen dann steigt die Quote der E-Book-Käufer deutlich an.

Mit einer Kreditkarte würden Teenager also mehr E-Books kaufen – allerdings vielleicht auch nicht unbedingt. Denn gerne leihen sie untereinander ihre Lieblingslektüren aus, was offenbar mit dem gedruckten Buch als Objekt einfacher und besser geht. Zudem wird dabei Lesespuren-Aura mit ausgetauscht: Hier, auf dieser Seite hat meine beste Freundin bestimmt auch geweint ... Und die Eltern, die 80 Prozent der Kinder- und Jugendbuchkäufer in den USA stellen, prägen ihren Nachwuchs ja doch ein wenig, auch wenn sie selbst daran schon lange nicht mehr glauben: Den Kindern werden aus pädagogischen Gründen noch immer Bücher geschenkt und keine Dateien, somit gewöhnen sich Kinder und Jugendliche frühzeitig an das Buch in seiner herkömmlichen Form. Natürlich folgen lesende Teenager oft den Empfehlungen via Facebook und Twitter (46 Prozent), verblüffend ist aber der deutlich höhere Anteil derjenigen, die angeben, durch das Stöbern in Buchläden oder Bibliotheken auf ihre Lektüre zu stoßen (um 60 Prozent).

In Deutschland wächst der E-Book-Markt nur langsam; am Publikumsmarkt (also ohne Schul- und Fachliteratur) macht er laut Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung im dritten Quartal 2014 4,8 Prozent des Gesamtumsatzes im Buchhandel aus (2013: 4,3 Prozent). Die Buchbranche insgesamt kann in Deutschland, nach den lauten Klagen der Vergangenheit, wieder etwas gelassener der Zukunft entgegensehen: Erstmals steigern sich die Umsätze wieder leicht, auch die Buchhandlungen verkaufen mehr als noch vor zwei Jahren – das mag an der guten Wirtschaftslage ebenso liegen wie am verheerenden Image von Amazon. Es sieht ganz danach aus, dass das Lesen auch 2015 so wenig aussterben wird wie das hemmungslose Bücherkaufen.