Bernd Ulrich und Giovanni di Lorenzo © DIE ZEIT

Worum geht es in der aktuellen ZEIT? Was sind die wichtigsten Themen? Diese stellen ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der stellvertretende Chefredakteur Bernd Ulrich Ihnen hier vor.

Was will, was muss man noch wissen, was bewegt unsere Leser nach diesem einschneidenden Ereignis von Paris, was bleibt eine Woche nach den Morden – das fragten wir uns beim Planen dieser Ausgabe. Bei uns jedenfalls bleibt das Gefühl, nicht nur beschreiben zu wollen, sondern auch zu zeigen, für was wir einstehen, für welche Werte wir diesen Beruf ausüben, der jetzt von verschiedenen Seiten attackiert wird. "Wofür wir kämpfen müssen", so heißt darum der Titel. Dabei geht es um die Pressefreiheit, einen neuen Islam, die Selbstbehauptung Europas und darum, wie der islamistische Terror den Kampf darum verändert.

Im Feuilleton formuliert der iranischstämmige Schriftsteller und Reporter Navid Kermani dazu einen dramatischen Appell an die Muslime in Deutschland: "Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, die Fratze abzureißen, die das Gesicht unserer Religion entstellt." Dazu beschreibt Helge Malchow, heute Verleger von Kiepenheuer&Witsch, wie er vor 25 Jahren den von einer Fatwa, also von Todesdrohungen belegten Roman von Salman Rushdie mitherausgegeben hat. Damals haben ihn fast alle deutschen Zeitungen, auch die, die jetzt von Mut sprechen, im Stich gelassen und einen Vorabdruck aus Angst verweigert.

Natürlich haben auch wir versucht uns vorzustellen, wie eine von feigen Attentätern halbierte Redaktion weitermachen, weiterarbeiten kann. Wir konnten es nicht. Unsere Reporter in Paris haben die Schritte von Charlie Hebdo verfolgt, sie beschreiben ihre Trauer und den unbedingten Willen, eine nächste Ausgabe herauszubringen, pünktlich und in Millionenauflage.

So, an dieser Stelle muss Giovanni mal schweigen, denn es geht um ihn. Er hat ein Interview mit dem EZB-Chef geführt und zeigt dabei einen Mario Draghi, wie man ihn noch nicht kannte, offen, verletzlich und deutlich. Draghi ist ein Mann, dessen Worte Milliardensummen in Bewegung setzen können. Umso mehr erstaunt, was er über sein Gefühl des Unverstandenseins in Deutschland sagt und über seinen Umgang mit linksradikalen Studenten. Vor allem aber hätte man dem Herrn über unser Geld nicht zugetraut, dass er mit solcher Härte die "räuberische Instabilität" des Kapitalismus beschreibt.

Ja, das Leben außerhalb von Kampf und Geld und Sorge geht auch weiter, gottlob. Von einigen Menschen nehmen wir an, dass wir über sie nichts Neues mehr erfahren können, beispielsweise über Angelina Jolie. Zu solchen Menschen schicken wir dann zum Beispiel Peter Kümmel, in der Hoffnung, dass dieser originelle Theaterkritiker und Porträtist selbst bei einer, wie er schreibt, "hastigen Begegnung mit einer der berühmtesten Frauen unserer Zeit" ungeahnte Facetten findet. Er hat sie gefunden. Und sie haben nichts mit Terror und Politik zu tun.

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