Fünfzig Tonnen ist er schwer, er hängt an der Decke des Großen Saales, und auch wenn die Architekten ihn freundlich "Klangreflektor" nennen: Bei der Baustellenbesichtigung der Elbphilharmonie wurde schnell klar, dass der monumentale Stöpsel das Assoziationsvermögen der Hamburger nicht unerheblich strapazieren wird.

Olaf Scholz wusste die Verblüffung über das dicke Decken-Dings vor Ort mit seiner bis zur Unmerklichkeit dezenten Süffisanz zu überdecken: "Man merkt richtig, was da auf Hamburg zukommt."

In den sozialen Netzwerken sind "Arschtrompete" und "teuerste Riesenfurztröte in der Geschichte der Architektur" noch die freundlicheren Titulierungen für den Pfropfen, der da so spektakulär die Saaldecke penetriert.

Wie werden Archäologen in 500 Jahren urteilen, wenn sie vor den Überresten des riesigen Klangreflektors stehen? Werden sie uns Hamburger des 21. Jahrhunderts für analfixiert halten? Sind wir aber nicht! Die Wahrheit ist: Wir nehmen jede ästhetische Zumutung in Kauf, sofern sie der Klangtreue dient – was die Furztröte ganz gewiss tut, schließlich ist sie vom weltweit führenden Akustiker Yasuhisa Toyota konstruiert worden.

Der japanische Konzertsaalexperte hat auch die sogenannte Weiße Haut entwickelt, die den Großen Saal auskleidet und bei deren Gestaltung er eine Mischung aus Vulkangestein und der Epidermis greiser Gebirgsbauern im Sinn gehabt haben dürfte.

Schön? Hässlich? Entscheidend ist, dass die Klangwellen unsere hanseatischen Kennerohren auf unverfälschte Weise erreichen. Doch wehe, wir hören zur Eröffnung im Januar 2017 etwa im Kontrafagottbereich von 27,5 Hertz plötzlich ein leichtes Dröhnen:

Dann reißen wir den Stöpsel eigenhändig wieder herunter!