Schlechte Nachrichten aus der Schulwelt: In den meisten der sogenannten Mint-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – werden die Lehrer knapp. Laut einer neuen Studie, die der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag der Telekom-Stiftung erstellt hat, wird sich allein in Nordrhein-Westfalen die Zahl dieser Lehrer in den nächsten zehn Jahren auf knapp 25.000 halbieren. Hauptgrund: Jeder zweite dieser Lehrer ist über fünfzig, und der Nachwuchs macht sich rar.

In Informatik werden nur noch 56 Prozent des Lehrerbedarfs gedeckt sein, in Chemie 47 Prozent, in Physik 35 und im Fach Technik gerade mal 21 Prozent. In den anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus, diese Prognose gilt flächendeckend – mit Ausnahme von Hamburg, wo die Lehrer jünger sind. Lediglich in den Fächern Biologie und Mathe ist der Schwund weniger dramatisch.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm empfiehlt, die Zahl der Studienanfänger zu steigern, die der Abbrecher zu reduzieren und mehr Frauen für die Fächer zu begeistern.

Neu ist das nicht. Verschiedene Institutionen versuchen das seit Jahren. In Kindergärten wird experimentiert; Universitäten werben mit Techniktagen speziell um Mädchen. Doch folgt man dem Mint-Nachwuchsbarometer, einem jährlichen Report der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften in München und der Hamburger Körber-Stiftung, entscheiden sich selbst jene Mädchen, die gute Noten in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern haben, selten für ein entsprechendes Studium, und wenn, dann meist für Biologie.

Die Autoren des Nachwuchsbarometers kommen zu dem Schluss: "Offensichtlich gelingt es weder den Schulen noch anderen Bildungsträgern, Technik und Naturwissenschaften wie Chemie und Physik für Jugendliche attraktiv und interessant zu machen." Sie raten dazu, das Interesse an Technik schon im Kindergarten zu wecken und bis zum Abitur wachzuhalten.

So ist es nur konsequent, dass die Spielwarenindustrie tätig wird. "Little Scientists" heißt in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Spielwarenmesse in Nürnberg. Gezeigt werden Neuheiten, die Kindern Technik, Mathematik und Naturwissenschaften nahebringen sollen.

Die Frage ist: Mit Erfolg? Können die Experimentierkästen, Bausets und Roboter Kinder für die Mint-Fächer begeistern? Schließlich sind viele der präsentierten Spielzeuge seit Jahren bekannt – innovativ sind nur Details. Mirjam Steffensky, Professorin für Didaktik der Chemie am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, sieht das Angebot skeptisch: "Solche Spiele können vorhandenes Interesse möglicherweise verstärken, aber neues nicht wecken." Da gehöre mehr dazu, als den Kindern einfach nur einen Kasten hinzustellen. "Die Kinder brauchen Impulse, die so ein Interesse anregen können."

Eltern müssten gemeinsam mit den Kindern etwas aufbauen und dann darüber sprechen. Sie müssten fragen: "Warum, meinst du, passiert das jetzt?"

Besonders beim Spiel mit Experimentierkästen könne es sonst geschehen, dass die Zusammenhänge nicht begriffen werden. "Da wirkt vieles nur wie Zauberei, man schüttet das eine in das andere, und dann knallt es aus unerfindlichen Gründen." Mirjam Steffensky, Expertin in frühkindlicher Bildung, findet wissenschaftliche Versuche in Kindergarten und Schule unsinnig, wenn den Kindern nicht vermittelt werde, wo sie die Phänomene im Alltag wiederfinden: "Wenn man zum Beispiel in einem Experiment zeigt, dass der Eiswürfel über der Kerzenflamme schmilzt, muss man die Kinder fragen, wo sie so etwas schon einmal beobachtet haben: etwa wenn das Eis in der Sonne schmilzt oder der Käse auf der Pizza."

Nur so bekommen die Kinder einen naturwissenschaftlichen Blick auf die Welt.

Positiv beurteilt Mirjam Steffensky Konstruktionsbaukästen wie von Lego oder fischertechnik: Diese Spiele förderten die räumliche Vorstellung. Auch ohne Anleitung durch die Eltern im Spiel daheim. Wer eine Brücke baut, lernt intuitiv viel über Stabilität. "Trotzdem ist es auch hier hilfreich, wenn jemand sagt: 'Wie weit kannst du den Baustein vorschieben, damit die Brücke noch hält?'"

Die Spielwarenhersteller bieten zu Baukästen, Robotern oder Kuscheltieren neuerdings Apps fürs Smartphone oder Tablet an. Wer sie herunterlädt, kann seine Tiere oder Roboter durch virtuelle Welten steuern oder sich Videos und Texte zum Thema anschauen, zum Beispiel über bedrohte Tierarten. Aber eine Garantie, so den Nachwuchs für die Naturwissenschaften zu begeistern, sei das auch nicht, sagt Mirjam Steffensky.

"Wenn ich meine Kinder für Biologie begeistern will, kann ich mit ihnen genauso gut in den Wald gehen."